Klassik Wenn der Mond über Marechiare aufgeht

Nach mehr als drei Jahrzehnten Weltkarriere, längst überwundener schwerer Krankheit und Stadionauftritten als einer der Drei Tenöre kehrt José Carreras zu den Wurzeln zurück, zu katalanischen und neapolitanischen Liedern. Foto: Veranstalter

José Carreras poliert „Mediterrane Leidenschaft“ inder Philharmonie

 

Man muss eben nur wissen, was geht. Selbst als Tenor kann man dann ewig singen – oder ziemlich lange. Man füllt die Philharmonie bis in die letzten Ecken und darf kurz vor dem 62. noch in Ovationen baden. José Carreras jedenfalls war klug genug, Puccini und Konsorten schon vor Jahren ad acta zu legen. Dafür poliert er jetzt kleinere Perlen, aber auch die können fein glänzen, je nach Perspektive.

Und da macht sich die Erfahrung bemerkbar oder besser: die Gabe der Gestaltung. Dann nämlich wird aus einer Salonschmonzette ein feines Lied, das am Ende sogar, nun ja, mundet – Verismo für die We-stentasche. Paolo Tosti, den Freund Carusos, mag man noch kennen. Doch Erico Toselli, Evemero Nardella, Pablo Luna, Gaetano Lama ... Selbst die Programmheft-Autoren wollten sich nicht die Mühe machen, wenigstens ein paar erklärende Fetzen zusammenzutragen. Originaltexte schienen den Abdruck eh nicht wert, doch für die sieben Euro gab’s immerhin ein paar nette Übersetzungen im Stile von „Wenn der Mond über Marechiare aufgeht, erzittern sogar die Fische voll Liebe“.

Das konnte die Neue Philharmonie Frankfurt kaum anstacheln. Und trotzdem hat diese „Mediterrane Leidenschaft“ (Tournee-Titel) funktioniert. Weshalb? Weil Carreras’ Timbre berührt, und selbst die Oberfläche nach Tiefe klingt. Die Mittellage sitzt, weiter hinauf muss er selten, denn für Höhenflüge ist seine charmante irische Begleiterin Celine Byrne zuständig. Die spaziert mit wunderbar warmem Sopran auf den Gipfel. Apropos Gipfel: Das waren auch die acht Zugaben, inklusive „Granada“. Olé!

Christa Sigg

 

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