Klassik Vier Individualisten finden den Einklang

Seine Umbesetzungen hat das Artemis Quartett aus Natalia Prischepenko und Gregor Sigl (Violinen), Friedemann Weigle (Viola) und Eckart Runge (Violoncello) unbeschadet überstanden. Foto: Virgin Classics

Sensationell: Das Artemis Quartett mit Schubert und Widmann im Herkulessaal

 

Im Scherzo des frühen g-moll-Quartetts gibt es eine Menge Wiederholungen. Die vier lassen sich jedoch bei keiner Routine erwischen: Jedesmal tönen sie die Melodien ein wenig anders ab. Mit einer solchen Fülle der Details mehrt das Artemis-Quartett Schuberts musikalischen Reichtum.

Die in Berlin beheimatete Formation überrascht jedes Mal durch ihre orchestrale Klangfülle und eine moderne, sehr individualistische Idee von Gemeinschaft: Die Streicher verschmelzen nur so weit zu einer Einheit, dass der Klangcharakter der vier Instrumente nicht verloren geht.

Vor Jörg Widmanns Choralquartett erklärte der Cellist mit Beispielen die Klangeffekte und erreichte eine ungewöhnlich aufnahmebereite Konzentration des wissenden Publikums. In Schuberts G-Dur-Quartett begeisterte dann nochmals das kontrolliert spontane Musizieren bei diesem manisch-depressiven Wechselbad aus Lebenswillen, schäumender Begeisterung und tiefer Melancholie. Wieder wurde das Scherzo mit seinen volkstümlichen Wendungen zum Wunder: Vital, aber stets kontrolliert und wie ein Zitat bei Mahler.

Es gibt im Moment viele gute Quartette. Die Berliner aber sind die besten.

Robert Braunmüller

 

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