Klassik Russische Donnerer, aufgepasst!

Herbert Schuch ist ein technisch ungemein begabter Pianist. An seinem Beethoven könnte er noch ein wenig feilen. Foto: Jürgen Olczyk

Ein Spezialist fürs Zerrissene: Herbert Schuchs Klavierabend im Herkulessaal

 

Beethovens „Appassionata“, Skrjabin und Ravels „Gaspard de la nuit“ sind das Revier russischer Kraftmeier, das von Deutschen nur selten betreten wird. Der 1979 in Temeschwar geborene Herbert Schuch wilderte dort mit beträchtlichem Erfolg, auch wenn ihm ein paar Fehlschüsse unterliefen.

Schon bei Beethovens G-Dur-Bagatelle aus op. 126 zeigte sich das Faible des Pianisten für gepresste Steigerungen. Mit nur angetupften Passagen, wilden Hetzjagden betonte er das Romantische dieser kurzen Charakterstücke. In der „Appassionata“ überschritt Schuch die Grenze zwischen absichtsvoller Wildheit und hämmerndem Gedresche, bis die musikalischen Strukturen im Finale endlich unterlagen.

Besser gelang der zweite Teil, der Mozarts herb zerrissenes h-moll-Adagio, Skrjabins Sonate „Schwarze Messe“ und Ravels schauerromantisch schönen Impressionismus ohne Unterbrechung aneinander reihte. Schuch faszinierte wiederum in Passagen unterdrückter Energie und fand beim „Scarbo“ zu der kraftvollen Klarheit, die seiner „Appassionata“ vorläufig noch fehlt.

Alle Vorzüge des Pianisten kamen zwei „Elis“-Aphorismen Heinz Holligers zugute, die der unprätentiöse Spezialist fürs Zerrissene zugab und vorher erläuterte. Auch wenn es an diesem heftig akklamierten Abend manchmal derb klirrte: Russen, nehmt euch in Acht.

Robert Braunmüller

 

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