Klassik Mit Luftsprüngen gegen den Pomp

Ein Energiebündel: Der Franzose Jean-Christophe Spinosi. Foto: Concerto Winderstein

Philharmonie: Mozarts "Cosi fan tutte" konzertant unter dem Dirigenten Jean-Christophe Spinosi

 

Dass das französische "Enfant terrible" der Barockmusik auf Mozart treffen würde, war vorauszusehen. Die Vivaldi-Einspielungen von Jean-Christophe Spinosi haben Massstäbe gesetzt. In Wien dirigierte er im Sommer die "Zauberflöte" - und wurde von Publikum und Kritik gleichermassen geschmäht.

Jetzt präsentierte er in der Philharmonie wenige Tage nach einer szenischen Aufführungsserie in Paris Mozarts "Cosi fan tutte" - in einer Version, die den Sängern die Freiheit gab, so zu agieren, wie sie wollten, die Damen im Abendkleid, die Herren in Frack und dunklem Anzug.

Mögliche Irritationen darüber waren rasch vergessen, denn Spinosi und sein fabelhaftes, historisch klingendes Orchester, das auf den einprägsamen Namen Matheus hört, gaben der Musik alles, was sie braucht. Mal exzentrisch, mal frech, dann wieder sentimental und spröde - Spinosi verweigerte mit Luftsprüngen a la Bernstein hartnäckig jenen staatstragenden Mozart-Pomp, den die Oldies unter den Fans noch in den Ohren gehabt haben mögen.

Sopranistin Veronica Cangemi liess sich entschuldigen. Für sie sang Alexandra Coku die Fiordiligi, sehr sicher, mit wunderbarem Timbre, bisweilen allerdings ein wenig langweilig. Souverän die übrigen: Rinat Shaham (Dorabella), Jael Azzaretti (Despina), Luca Pisaroni (Guglielmo), Paolo Fanale (Ferrando) und Pietro Spagnoli (Don Alfonso). Spinosis "Cosi" zeigte uns Mozarts Wechselbäder der Gefühle aufmüpfig, empfindsam, mit allen Ecken und Kanten - da vergass das Publikum sogar, zu husten.

Volker Boser

 

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