Klassik Japanisches Hörvermögen

Sorgt für die Akustik der Elbphilharmonie in Hamburg: Yasuhisha Toyota. Foto: Barbara Herbst

Hat die Philharmonie akustisch noch eine Chance, falls der geplante neue Konzertsaal im Marstall noch Wirklichkeit wird?

 

Wenn Yasuhisa Toyota über Akustik redet, zeichnet er Wellen und Kurven in die Luft. Große und kleine, konkave und konvexe. Spricht Karlheinz Müller über Akustik, führt er am liebsten durch die Firma BBM Müller in Planegg bei München. Allerlei Versuche werden dort durchgeführt, es piept und kracht, summt und surrt.

Beide haben eines gemeinsam: Sie sind Akustikdesigner und gelten als Favoriten, wenn es um die Betreuung des möglichen neuen Konzertsaals im Münchner Marstall geht. Mit der Walt-Disney-Hall in Los Angeles hat Toyota einen der besten Konzertsäle der Welt gebaut, derzeit betreut der Japaner die Elbphilharmonie in Hamburg.

Von Müller stammen das Haus für Mozart in Salzburg, die Philharmonie Essen oder das Areal in Grafenegg. Zudem hat BBM Müller die 1993 eröffnete Konzert- und Kongresshalle in Bamberg betreut. Hier sind die Bamberger Symphoniker beheimatet. Das Thema ist brisant: Seit Herbst 2004 bessert Toyota die Akustik nach.

Zuletzt weilte Toyota Ende Juli in Bamberg, die AZ war dabei. Das Thema ist ihm sichtlich unangenehm: „1993 hatten wir noch nicht die technischen Möglichkeiten wie heute, es gab noch kein Windows 95.“ Toyota lächelt verlegen, das Orchester wird konkreter. „Wir hören uns schlecht, und der Dirigent meint, forcieren zu müssen.“

Nachträgliches Herumdoktern ist teuer

Deshalb wird das Podium verbessert, zuletzt wurden Podeste auf die Bühne gehievt. Rund 200000 Euro hat der Spaß bislang gekostet, weitere Maßnahmen sind notwendig. Nachträgliche akustische Doktorspielchen sind eben teuer, das weiß man auch von der Philharmonie im Münchner Gasteig. Von ihr weiß man auch, dass Mehrzwecknutzungen zu Lasten des Konzertgenusses gehen.

„In Bamberg hat man einen Mehrzwecksaal bestellt“, so Müller. Da Müller die Akustik der Münchner Philharmonie zwar nicht verantwortete, aber assistierte, weiß er, dass auch sie ein Mehrzwecksaal werden sollte. Toyota und Müller sind sich einig: „Die Philharmonie ist und bleibt schlecht.“ Allerdings sei sie nicht so schlecht wie ihr Ruf, so Müller. Er verweist auf Leo Beraneks Akustik-Buch „Concert Halls and Opera Houses“: Hier kommt der Gasteig besser weg als der Herkulessaal.

Über solche Äußerungen lacht Toyota laut. Das sagt alles. Dennoch sieht Müller Möglichkeiten zur Verbesserung: „Weil die Münchner Philharmonie damals als Mehrzwecksaal gebaut wurde, sollten bei Konzerten die ,Hosenbein-Ränge’ M bis R mit herunterfahrbaren Wänden abgetrennt werden.“ Wohl aus Kostengründen sei das abgeblasen worden, die Voreinrichtungen seien aber noch vorhanden.

In München scheint man davon nichts zu wissen. Dennoch: „Einen Spitzensaal bekäme man dadurch nicht“, räumt Müller ein. Wie auch immer – das Rennen zwischen ihm und Toyota im Fall Marstall scheint zugunsten von Toyota entschieden. Auch wenn das niemand offen sagt. Für Marstall-Kämpfer Mariss Jansons zählt nur eines: „Der Saal muss kommen, das ist notwendig für die Musikmetropole München.“

Marco Frei

 

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