Klassik Improvisationen auf Zuruf

Illustration Foto: Virgin Classics

Die venezolanische Pianistin Gabriela Montero beeindruckt im Herkulessaal

 

Bach, Händel, Vivaldi und Scarlatti waren angekündigt, aber nur der Thomaskantor gab sich die Ehre. Gabriela Montero, in natura halb so blond wie auf ihren Glamourfotos, begann mit Wilhelm Kempfs Bearbeitung des Siciliano aus der Flötensonate Es-Dur und verjazzte das wunderbar ausschwingende Ende der Melodie bis zur Unkenntlichkeit. Dann donnerte sie wacker Bach-Bearbeitungen von Liszt und Busoni.

Das diente mehr als Imponierkulisse pianistischer Seriosität. Im Hauptteil des Abends improvisierte die Venezolanerin über vom Publikum vorgesungene Melodien. Eine mutige Dame machte den Anfang, scheiterte aber an Hildegard Knefs "Für mich soll's rote Rosen regnen".

Bei Papagenos "Ein Mädchen oder Weibchen" hingegen klappte es: Montero wog die Melodie zögernd ab, ehe sie nach einer Kunstpause das Klavier rauschen liess, als hätten Bach und Scarlatti zusammen einen Rausschmeisser komponiert.

Nach der Pause stand ein Glas Wein neben der Pianistin. "Ich trinke nicht, weil ich muss, sondern weil ich möchte", erklärte sie zur Beruhigung allfällig anwesender puritanischer Abstinenzler. So verwandelte Montero Sinatras "My way", Gershwins "Summertime" und Bernsteins "Tonight" geistvoll in eine Mischung aus Klassik, Swing und Ragtime.Nach einigem Hören werden Monteros stilistisch begrenzte Improvisationen etwas erwartbar, und auch der harmonische Reichtum wäre auch ausbaufähig. Aber ein solcher Abend ist eben auch perfektes Entertainment. Und das gibt's - vor allem im Klassischen - eben auch nicht alle Tage.

Zuletzt wurde aus dem unverwüstlichen "Besame mucho" sogar ein Bach-Choral, und als erste Zugabe näherte sich "Stille Nacht, heilige Nacht" einer Mozart-Sonate.

Nach einigem Hören werden Monteros stilistisch begrenzte Improvisationen etwas erwartbar, und auch der harmonische Reichtum wäre auch ausbaufähig. Aber ein solcher Abend ist eben auch perfektes Entertainment. Und das gibt's eben auch nicht alle Tage.

Robert Braunmüller

Gabriela Monteros neueste CD "Baroque" erschien bei EMI

 

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