Klassik Herz-OP beim Butterbrot schmieren

Maximilian Hornung springt von Erfolg zu Erfolg – und behält Bodenhaftung. Nur am Cello, da hebt er richtig ab. Foto: Felix Broede

Um elf beim Neulinger in der Romanstraße? Der hat prima Kuchen.” Maximilian Hornung macht Nägel mit Köpfen. Und klar, gibt’s vor dem Interview erst mal Apfelstrudel. Zeit scheint keine Rolle zu spielen, dabei ist der 24-Jährige von früh bis spät verplant. Das bringt der Erfolg mit sich. Und neben den Soloauftritten, die jetzt immer häufiger werden, gibt es ja noch den eigentlichen Job: Hornung ist seit anderthalb Jahren Solocellist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

 

Normalerweise kommt da nicht mehr viel, und wenn man ihn so schwärmen hört, von der tollen Atmosphäre und von Mariss Jansons, unter dem alle „gleich nochmal besser spielen”, dann ist das Ziel erreicht. Ob ihn nicht doch eine Solokarriere reizen würde? Hornung winkt ab: „Ich bin hier genau richtig.” Der Mann mit dem betörenden Celloton ist ein Teamplayer.

Aber vielleicht kommt da auch eine gewisse Bodenständigkeit durch. Und so etwas wie schwäbische Besonnenheit. Der Vater ist Konzertmeister in Augsburg, die Mutter Lehrerin, und eigentlich gibt es nur eine Sache, die nicht so recht in den soliden Lebenslauf passt. Maximilian stand mit der Schule auf Kriegsfuß, hing nur noch am Cello und zog nach der zehnten Klasse den Schlussstrich. Doch was Karriereplaner selten gut finden, erwies sich als goldrichtig. Wer drei Jahre früher studiert, ist drei Jahre früher auf dem Markt.

Klingt nach Kalkulation, „hat sich aber einfach so ergeben”, kommt der eher beiläufige Kommentar. Hornung ist ein Cello-Maniac, auch wenn er am Instrument immer so schaut, als würde er sich gerade ein Butterbrot schmieren oder in der Zeitung blättern. Während andere die Stirn runzeln und den emphatischen Virtuosen geben, wirkt er auf entspannte Weise konzentriert. Für Schnickschnack hat er eh nichts übrig, seine ganze Aufmerksamkeit, die Energie fließt in den Ton. Und weil ihm technisch offenbar keine Grenzen gesetzt sind, kann er ihn endlos variieren, in den heftigsten Arpeggien noch Akzente setzen, neue Farben tupfen, abtönen, mit außergewöhnlichen Phrasierungen überraschen.

Dieses Spiel hat nichts Unentschiedenes, der Ton zielt sofort in die Tiefe, geht ans Eingemachte und gibt sich in keiner Phase mit billiger Oberflächenpolitur zufrieden. Seine Sony-Debüt-CD mit dem (irgendwie vergeigten) Titel „Jump!” ist da ein schönes Beispiel. Hornung serviert Häppchen, aber was für welche. Und mit welchem Gehalt. Webern und Prokofjew, Bach und Bloch, Skrjabin und Charlie Chaplin, jedem dieser Stücke bohrt er in die Herzkammern, ohne auf der Lauer zu liegen, blindlings. Das ist erstaunlich in so einem Gemischtwarenladen. Und ganz automatisch kommt der Wunsch nach einem größeren Brocken auf. „Da ist einiges in Vorbereitung”, sagt er.

Aber zunächst gibt’s wenigstens einen dieser Brocken live: Camille Saint-Saëns’ a-moll-Cellokonzert spielt er am Wochenende mit den Münchner Symphonikern.

Christa Sigg

Konzert: 20. und 21.2., 20 Uhr, Prinzregententheater

 

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