Klassik Glutvolle Zuneigung, exotische Entdeckung

Große Partitur, aber auch große Musik? Mariss Jansons bespricht mit dem Komponisten Rodion Schtschedrin (re.) die Uraufführung seines "sinfonischen Fragments". Foto: Michel Neumeister

Philharmonie: Mariss Jansons und das BR-Symphonieorchester zelebrieren Beethoven, Szymanowski und Schtschedrin

 

Er erzählt gerne, dass er die „Eroica“ von allen Beethoven-Symphonien am liebsten mag. Seine Zuneigung wird erwidert. Das energische, aber nie exaltierte Musizieren, das Mariss Jansons dem prächtigen Symphonieorchester des BR in der Philharmonie abverlangte, „passte“: Der erste Satz erklang glutvoll, aber abwartend, im langsamen Satz waren die romantisierenden Farben wohl dosiert, das Scherzo profitierte von den gut aufgelegten Hörnern, im Finale erwies sich die Detailgenauigkeit des Dirigenten erneut als ein Glücksfall.

Zuvor eine Uraufführung: Der in München lebende russische Komponist Rodion Schtschedrin durfte sich im Auftrag des BR ein zwölf Minuten dauerndes „Symphonisches Fragment“ ausdenken, dessen Titel – „Beethovens Heiligenstädter Testament“ – mehr Rätsel aufgab als die Musik, eine Chaconne mit mächtigen Steigerungen und einigen irisierenden Einschüben. Das Publikum war begeistert.

Das interessanteste Werk des Abends zu Beginn: Karol Szymanowskis dritte Symphonie „Das Lied von der Nacht“ für Tenor, Chor und Orchester mischt aufregend die Exzentrik eines Skrjabin mit der stillen Klangfarben-Exotik Debussys. Es ist anzunehmen, dass der Solist Rafat Bartminski und der Rundfunkchor trotz merklichen Engagements weit sensibler agierten, als es sich in einer der vorderen Reihen der Philharmonie anhörte.

Volker Boser

 

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