Klassik Gezicke vor dem Gartenlabyrinth

Streit um den Biedermann mit Backenbart: Thérèse Vincent, Sybille Specht und Stefanie Kunschke (v.r.) mit Robert Sellier in E.T.A. Hoffmanns Oper. Foto: Hermann Posch

Das gut abgelagerte Singspiel "Liebe und Eifersucht" des komponierenden Dichters Ernst Theodor Amadeus Hoffmann eröffnet die Saison am Gärtnerplatz

 

Manches wird bei längerem Lagern ja besser. Aber nur dann - Weinkenner wissen es -, wenn das Material von einer gewissen Qualität ist. Und über die lässt sich bekanntlich streiten. Der arg gebeutelte E. T. A. Hoffmann jedenfalls musste schon vor 200 Jahren die Klinken diverser Theatertempel putzen, um mit seiner Oper "Liebe und Eifersucht" schliesslich doch den berühmten Korb zu bekommen. Das Herzblut-Stück des komponierenden Juristen fiel in die Gruft des Vergessens, war ewig verschollen und wurde nun, 2008, in einem gemeinsamen Kraftakt wohlmeinender Intendanten endlich zur Uraufführung gestemmt - Ende Juli in Ludwigsburg bei den Schlossfestspielen, jetzt, zur Saisoneröffnung am Gärtnerplatz.

Ein Wagnis, keine Frage. Nur muss man dann auch den Mut haben, das Stück auf Herz und Nieren zu prüfen. Denn der geniale Grusel-Dichter griff nicht zu eigenem Stoff (da gäb's in der Tat Theatertaugliches). Nein, es musste schon eine wirre Verwechslungskomödie von Pedro Calderon sein. Die umständliche Übersetzung August W. Schlegels übernahm Hoffmann fast unverändert, deshalb quälen sich die Sänger durch elende Dialoge, deren Pointen nur selten zünden.

Wiesngeschwächtes Orchester?

Attraktiver war da schon die musikalische Seite dieser Premiere. Hoffmann verliess zwar nie den Dunstkreis seines grossen Vorbilds, es mozartelt also gewaltig, aber der gelehrige Tonsetzer hatte Sinn für dramatische Steigerungen. Und vielleicht bringt Andreas Kowalewitz künftig noch etwas mehr Drive ins (wiesngeschwächte?) Orchester. Dann könnte wenigstens die Partitur punkten.

Denn ausser harmlosem Gezicke vor einem immerhin ansehnlichen Gartenlabyrinth passiert nicht viel in Ezio Toffoluttis (Regie, Bühne, Kostüme) biedermeierlichem Schäferspielchen. Da konnte sich das Ensemble noch so abmühen. Die drei Grazien - Stefanie Kunschke, Therese Wincent und Sybille Specht - nahmen das Intrigen-Zepter in die Hand und mischten das elegante Herrentrio (Robert Sellier, Florian Simson und Gary Martin) auf. Warum, hat niemand so recht kapiert. Vermutlich hatte auch deshalb das klamaukende Diener-Paar (Sibylla Duffe und Stefan Sevenich) letztlich das Näschen vorn im Getändel.

Christa Sigg

Infos zu Terminen und Karten unter www.staatstheater-am-gaertnerplatz.de

 

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