Klassik Ein Kavalier der alten Schule

Unvergleichlicher „Rosenkavalier“: Carlos Kleiber. Foto: az

Endlich erschienen: Eine frühe und bislang gesperrte Aufnahme mit Carlos Kleiber

 

Als der Bayerische Rundfunk vor einiger Zeit den Staatsopern-Mitschnitt des „Rosenkavalier“ von Strauss aus dem Jahr 1973 senden wollte, da gab es Einwände. Kein Wunder, der Dirigent hieß Carlos Kleiber. Und dessen Erben wussten davon zu berichten, dass der Maestro gerade diese Festspielaufführung als nicht sonderlich gelungen erachtete. Mittlerweile hat man sich besonnen und das Dokument freigeben.

Die bei Orfeo erschienenen CDs ergänzen die offiziellen DVD-Mitschnitte, die es von Aufführungen des „Rosenkavalier“ unter Carlos Kleiber gibt: Beide, 1979 in München und 1994 in Wien aufgenommen, sind stimmlich eine Spur homogener. Im Juli 1973 agierte Karl Ridderbusch als Ochs auf Lerchenau allzu zurückhaltend. Claire Watsons Marschallin konnte sich weder mit Gwyneth Jones noch mit Wiens Felicity Lott messen.

Lüstern blühende Musik

Lucia Popp und Brigitte Fassbaender als Sophie und Octavian hingegen waren ein Traumpaar, unübertroffen bis heute, woran natürlich auch Carlos Kleiber seinen Anteil hatte. Wie er zur Überreichung der Silbernen Rose die Musik sinnlich, geradezu lüstern aufblühen ließ, wie er im dritten Akt eine durchaus vulgär-aggressive Stimmung herbei zauberte, unterstützt vom herrlich sensibel aufspielenden Staatsorchester – das allein hätte ausgereicht, diesen Mitschnitt ohne Wenn und Aber zugänglich zu machen.

Keine Oper hat Carlos Kleiber so oft an der Bayerischen Staatsoper dirigiert: 82 Mal. Und nie kam Routine auf. Allen kleineren Live-Pannen zum Trotz: So glutvoll, lebendig und empfindsam wie unter Kleiber werden wir den „Rosenkavalier“ wohl kaum wieder hören.

Volker Boser

Strauss: „Der Rosenkavalier“ unter Carlos Kleiber (Orfeo)

 

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