Klassik Ein Hummelflug übers weite Meer

Nach der Bühne des Nationaltheaters bei "Wozzeck" verwandelt sich nun auch das Gärtnerplatztheater für "Das Märchen vom Zaren Saltan" in ein Feuchtgebiet. Foto: Hermann Posch

Im Gärtnerplatztheater hat am Samstag Nikolai Rimskij-Korssakows russische Märchenoper "Das Märchen vom Zaren Salten" nach Puschkin Premiere. Ein Gespräch mit der Regisseurin Beverly Blankenship.

 

Die traditionelle Weihnachtspremiere am Gärtnerplatztheater kommt zwar ein wenig spät, aber sie macht dennoch neugierig. Denn Rimskij-Korssakows Oper „Das Märchen vom Zaren Saltan“ wurde in München noch nie aufgeführt. Inszeniert wird sie von Beverly Blankenship, die in Europa und Amerika aufwuchs und jetzt abwechselnd in Berlin und in Wien zuhause ist.

AZ: Frau Blankenship, Ihr Vater war ein bekannter Tenor an der Wiener Staatsoper. Warum sind Sie nicht Sängerin geworden?

BEVERLY BLANKENSHIP: Ganz einfach. Wenn ich singe, dann wird den Kühen die Milch sauer. Und das wollen wir doch nicht, oder?

Das Stück ist bei uns weitgehend unbekannt. Worum geht es?

Die Geschichte handelt von einem Despoten, dem Zaren Saltan, der den Befehl gibt, seine Frau und sein angeblich missratenes Kind umzubringen. Beide überleben, und am Ende ist natürlich alles wieder gut. Es ist ein Stück über späte Reue und Mitleid.

Man hat dem Komponisten vorgeworfen, dass seine eigentliche Domäne die sinfonische Musik war und er keine Operncharaktere schaffen konnte. Stimmt das?

Nun gut, er hatte eben nicht einen so tollen Plot wie Puccini in „La Bohème“. Die Russen erzählen ihre Geschichten eben anders. Das ist ein Geflecht, ein Gewebe, das erst aufgedröselt werden muss.

Der Prolog und die folgenden Szenen beginnen jeweils mit einem Trompetensignal. Welche Funktion haben diese Auftakte?

Das ist wie im Zirkus. Wir haben da zusätzlich noch drei Narren geschaffen, die uns die Geschichte erzählen. Sie kommen in der Originalversion nicht vor.

Rimskij kannte Wagners „Ring“. Merkt man das in der Musik?

Aber sicher. Er hat das zwar immer geleugnet, aber er atmete die Luft, die von Wagner geschwängert war.

Wenn ein Prinz und seine Mutter in einer Tonne über das Meer schaukeln und jede Menge Abenteuer überstehen müssen – wie inszeniert man so etwas?

Ich versuche, die Geschichte mit dem Herzen zu erzählen. Keine Folklore, Puschkins Märchen verträgt auch gar nichts anderes. Deshalb verzichten wir auch, anders als Harry Kupfer in Berlin, auf Buntheit. Das Bühnenbild ist eine Wasserlandschaft, ein Ort zum Träumen. Ein Prinz, der kurzfristig zur Hummel wird, um die Musik zum berühmten „Hummelflug“ zu animieren, ein Schwan, der sich in eine Frau verwandelt – das alles hat mit Realität ja nun wirklich nichts zu tun.

Volker Boser

 

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