Klassik Ein Haydn-Spaß im Himmel

Wenn Alison Balsom Haydns Trompetenkonzert spielt, quietschen vermutlich die Engel. Vor Vergnügen. Foto: Mat Hennek / EMI

Alison Balsom ist in eine echte Männerdomäne eingebrochen: Sie spielt Trompete. Und das auch noch ziemlich gut

Ein bisschen sieht ihr champagnerweißes Kleid so aus, als hätten oben am Ärmel mal kleine Flügel gepappt. Dann noch diese blonden Haare, die in Korkenzieherlocken enden, und – das Wichtigste – die silberne Trompete. Ob ihr der ewige Trompeten-Engel nicht entsetzlich auf die Nerven geht, wollen wir wissen. Aber Alison Balsom widerspricht energisch: „Nein, um Gottes willen, Engel sind doch sympathische Geschöpfe!“ Sie findet’s amüsant, damit ist klar, dass sich diese Frau über gar nichts aufregt und jedes Vorurteil charmant ins Abseits lächelt.

Man muss sich das Leben nicht schwerer machen, als es eh schon ist. Wenn’s sein muss, spielt Alison eben den rauschgoldenen Weihnachtsengel. Und konzentriert sich lieber auf den Sound ihres Instruments. Den würde sie am liebsten noch satter, noch schillernder machen, dabei genügt schon das, was man bereits hört. An der Sängerin Cecilia Bartoli orientiert sie sich, an Pianisten wie Alfred Brendel oder – da gab’s auch ein Techtelmechtel – an Vadim Repins gefühlvollem Geigenklang. Die 29-Jährige ist einfach neugierig, sprich: Sie schaut über den Tellerrand.

Auch die Blaskapelle war irgendwann dran

„Natürlich zieht mich der Jazz an“, gibt sie zu, „aber die Spielweise ist eine ganz andere“. Deshalb hält sie sich vornehm zurück und konzentriert sich auf Hummel, Haydn und Konsorten. Die beiden Herren sind auf ihrer neuen CD gelandet – und müssen mit nach München, wo sie morgen, am Freitag, im Prinzregententheater spielen wird.

Souverän, wie man es als Frau in einer Männerdomäne einfach sein muss. Aber die attraktive Engländerin aus Herfordshire hatte lange Zeit, das zu üben. „Schon mit sieben Jahren habe ich mich in die Trompete verliebt“, schwärmt sie. Dabei kommt Alison nicht mal aus einer Musikerfamilie. Eher hat man damals verdutzt reagiert, aber auch akzeptiert.

Irgendwann war die obligatorische Blaskapelle dran, dann die Guildhall School of Music, wo sie inzwischen selbst unterrichtet, und mit der Zeit konnte niemand mehr überhören, dass dieser Frau die Luft so leicht nicht ausgeht. Da sie segelt und großen Wert auf körperliche Fitness legt, darf man davon ausgehen, dass das noch lange so bleiben wird. Schließlich hat dieser Trompetenengel ja was zu sagen. Christa Sigg

Prinzregententheater, 12.12., 20 Uhr, 34 bis 52 Euro, Tel.936093

CD bei EMI: Trompetenkonzerte von Haydn und Hummel

 

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