Klassik Die Mutter aller Freiluftopern ist pleite

Nach dem Kollosseum in Rom ist die Arena von Verona das besterhaltene antike Amphitheater. Jeden Sommer werden dort Opern gezeigt. Aber die 22 000 Plätze sind schon länger nicht mehr alle besetzt. Foto: dpa

Die Arena von Verona, das hedonistische Open Air für Openfreunde, hat 20 Millionen Euro Schulden. Nun wird gespart oder gestreikt

 

Welcher Opernfan hat nicht schon einmal davon geträumt, in einer lauen italienischen Sommernacht in der Arena von Verona die „Aida“ oder die „Tosca“ zu erleben? Der Duft der Geschichte liegt in der milden Luft, die die Arien von Verdi und Puccini in die Zuschauerränge trägt, darüber funkeln die Sterne – das ist Romantik pur. Seit Jahrzehnten lockt die Arena Freunde klassischer Musik aus aller Welt in die Stadt von Romeo und Julia. Doch jetzt brauen sich dunkle Wolken über dem antiken Amphitheater zusammen: Das Opernhaus hat 20 Millionen Euro Schulden und wurde deshalb vom Kulturministerium unter die Leitung eines Sonderkommissars gestellt.

Ein ranghoher Mitarbeiter des Ministeriums, Salvatore Nastasi, hat nun zwei Monate Zeit, um die roten Konten wieder in Ordnung zu bringen. Die Belegschaft befürchtet bereits Personalkürzungen und droht mit Streiks. Aber was ist passiert, dass eine der berühmtesten Opernbühnen der Welt sich in einer so prekären Lage wiederfindet? Die Turiner Zeitung „La Stampa“ machte zuletzt typisch italienische Verhältnisse für den Niedergang verantwortlich.

Mißwirtschaft und Spardruck

Die Krise habe sich im vergangenen Frühjahr angebahnt, als der neue Bürgermeister von Verona – Flavio Tosi von der rechtspopulistischen Lega Nord – den erfahrenen Leiter der Stiftung Claudio Orazi durch Francesco Girondini ersetzte: „Der hatte zwar keinerlei Erfahrung mit der Verwaltung eines Opernhauses, war jedoch stets ein treuer Diener der Partei des Bürgermeisters gewesen“, schrieb das Blatt.

Mitarbeiter klagen an, dass es seither wegen Missmanagements auch künstlerisch mit der Arena bergab gegangen sei. Wegen erster Einsparungen mussten zudem einige Aufführungen in diesem Sommer gestrichen werden und insgesamt gab es – wahrscheinlich auch wegen der allgemeinen Wirtschafts- und Tourismuskrise – einen zehnprozentigen Besucherrückgang. Aus Spargründen hat die Regierung in Rom außerdem die staatlichen Finanzierungen gekürzt, während gleichzeitig wichtige Sponsoren abgesprungen sind.

Die Zuschauer laufen davon

Mittlerweile kämpft damit bereits ein Viertel der zwölf großen Opernhäuser in Bella Italia mit Problemen. Das Theater „Carlo Felice“ in Genua steht bereits seit Ende Juli unter Sonderverwaltung, während das weltberühmte „San Carlo“ in Neapel seit Anfang August ebenfalls von Salvatore Nastasi kommissarisch geleitet wird. „Opernhäuser im Chaos“, titelte „La Stampa“.

Ob 60 Tage ausreichen werden, um das im 1. Jahrhundert n. Chr. gebaute „Amphitheatrum Veronae“ wieder in Schwung zu bringen, ist fraglich. Bis zu 22 000 Zuschauer finden Platz in dem runden Steinbau - doch so viele kommen seit langem nicht mehr. In diesem Sommer saßen zur bestbesuchten Oper – der „Aida“ – durchschnittlich gerade einmal 11 000 Zuschauer auf den Rängen. Das Programm für die Saison 2009 steht unterdessen bereits fest: Neben „Aida“ und „Tosca“ sollen Puccinis „Turandot“, Rossinis „Barbier von Sevilla“ und Bizets „Carmen“ die Zuschauer beglücken – und hoffentlich die Bilanzen wieder in Ordnung bringen.

Carola Frentzen

 

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