Klassik Beethovens heikler Idealismus

Seit Herbst 2008 ist Nikolaus Bachler Intendant der Bayerischen Staatsoperl Foto: dpa

Das Bayerische Staatsorchesters spielte unter Kent Nagano ein reines Beethoven-Programm. Die Idee des Programms überzeugte, die Ausführung nicht.

Nicht immer halten große Gedanken der sinnlich erfahrbaren Wirklichkeit stand. Es ist eine exzellente Idee, Beethovens „Egmont“ um weitere Schauspielmusiken und einen neuen Text zu vermehren, der den heroischen Idealismus der Komposition dialektisch durch unsere historischen Erfahrungen bricht. Nikolaus Bachler sprach die Verzweiflung eines im Stich gelassenen UN-Generals über das Massaker in Ruanda mit reflektierter Distanz. Aber er drang wegen einer im Zeitalter des Sound-Designs unzureichenden Verstärkung nicht bis zu den Gefühls-Sensorien des Publikums durch.

Auch Kent Nagano und das Staatsorchester hatten Pech mit einem Programm, das der GMD unter dem Titel „Beethoven and the Ideals of French Revolution“ eben viel besser mit seinem Montreal Symphony Orchestra bei Sony als CD herausgebracht hat. Die blassen Trompeten am Ende der „Egmont“-Ouvertüre brachten das Stück um seine Wirkung. Der Oboist und seine Klarinetten-Kollegin spielten ihre Soli zum Verzweifeln ledern.

Nach der Pause folgte Beethovens Fünfte in diesem perfekt komponierten Programm. Falls die übersteuerte Oboe im Auge des Kopfsatz-Hurrikans Absicht war, teilte sich der Sinn nicht wirklich mit. Die Streicher spielten das Thema des Andante con moto plakativ laut. Die marschhafte Gegenbewegung strahlte zu wenig. Der triumphale Auftritt des C-Dur-Finales glückte, aber es fehlten die Reserven für die Schluss-Steigerung. Nagano nahm schnelle Tempi und modifizierte sie kaum, wie es der aktuellen Beethoven-Auffassung entspricht. Die Verbreiterung des Klangs durch eine große Streicherbesetzung stand dazu im Widerspruch. Beides zusammen wirkte als halbherziger Kompromiss. Trotzdem viel Jubel.

Robert Braunmüller

 

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