Klassik Aufregend statt aalglatt

Sie ist mittlerweile im Olymp abgekommen: Die Geigerin Julia Fischer musizierte Prokofjew hinreißend energisch. Foto: Julia Wesely/DG

Mariss Jansons, Julia Fischer und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit einem russischen Programm in der Philharmonie

Die meisten Dirigenten behandeln Strawinskys Ballett „Le Sacre du Printemps“ wie eine Mathematikaufgabe: Pragmatisch und cool surfen sie durch die Noten, Hauptsache, man kommt unbeschadet ins Ziel. Nicht so Mariss Jansons. Er weiß, dass die beiden Teile („Die Anbetung der Erde“, „Das Opfer“) in vielfältige Episoden untergliedert sind. Anstatt atemlos durchs Getümmel zu stürmen, achtet er penibel auf Details, macht Zäsuren und ermöglicht auf diese Weise, dass das Werk viel aufregender klingt als in vielen aalglatten Interpretationen seiner Kollegen. Und weil auch die BR-Symphoniker aufmerksam mitmachten, erlebten wir eine Strawinsky-Sternstunde.

Zuvor hatte Julia Fischer das erste Violinkonzert von Prokofjew hinreißend energisch musiziert. Mittlerweile ist die Münchnerin im Olymp angekommen. Ernst und Strenge des Ausdrucks lassen sich kaum noch überbieten. Auch dies ein Höhepunkt. Zu Beginn gab es die vierte Symphonie von Tschaikowsky – doch leider nicht von Peter Iljitsch, sondern von Alexander, einem 1946 geborenen Namensvetter.

Hollywood, made in Russland: Debussy und Strawinsky lassen grüßen. Der BR-Chor darf lautmalerisch die sensiblen Ruhepunkte einer ziemlich überflüssigen, aber zumeist recht schmissigen Musik markieren. Wie der Beifall signalisierte, wurde der Geschmack der Abonnenten getroffen.

Volker Boser

 

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