Kita ohne Käse Elternitiative gründet ersten veganen Kindergarten in München

Keine Milch, kein Fleisch, kein Käse soll auf dem Speiseplan der neuen Kita stehen. Foto: J. Stratenschulte/dpa

Eine Elternitiative will in Sendling den ersten veganen Kindergarten gründen. Die Interessentenliste ist voll.

Sendling - Natürlich muss es um das Essen gehen. Um Proteine und Eisen, um harte Entscheidungen, wenn ein anderes Kind aus der Kita-Gruppe einen nicht-veganen Geburtstagskuchen für alle mitgebracht hat.

"Bitte stellen Sie kein Bild von einem traurig schauenden Kind vor einer Sahnetorte zum Artikel dazu", sagt Anna Staudacher, die Sprecherin der Elterninitiative und des Kindergartens Erdlinge. Und sie lacht ein bisschen, denn natürlich: Die Ernährung ist nun einmal das Alleinstellungsmerkmal der für November geplanten Kita in Sendling. Die Kita wirbt auch damit, dass die dort angemeldeten Kinder ausschließlich veganes Essen bekommen werden, das also komplett frei ist von tierischen Produkten.

"Für viele der Eltern, die ihre Kinder schon angemeldet haben, ist aber ein anderer Aspekt viel wichtiger als das Essen", sagt Staudacher. Nicht alle Kinder werden Zuhause vegan ernährt, manche nicht einmal vegetarisch.

Sendling: Elterninitiative plant ersten veganen Kindergarten in München

Eigentlich gehe es vielen der Eltern vor allem um den liberalen Ansatz der Erdlinge: dass ein Junge auch einen Rock tragen darf, wenn er mag, ohne ausgelacht zu werden. Dass ein Mädchen nicht zwingend mit Puppen spielen muss. "In vielen Kitas ist es so: Mädchen, die anders sind, werden ausgebremst, Jungs ausgelacht", sagt Staudacher.

Diese Kita soll darum geschlechtergerecht sein und bedürfnisorientiert. Ein Naturkindergarten mit viel Auslauf: Im Durchschnitt vier Tage die Woche sollen die Kinder draußen sein, der Flaucher ist nah. "Wenn ein Mädchen klettern will, soll ihr das niemand verbieten, weil sie ein Mädchen ist", sagt Staudacher, "oder jemand einem Jungen sagen, er darf diesen Pullover nicht tragen, weil ein Herz darauf ist." Und die Kinder sollen ihrerseits lernen, was die Eltern für wichtig erachten: alle Menschen und Tiere zu respektieren und zu akzeptieren.

Zwischen zwölf und 19 Kindern von anderthalb bis sechs Jahren kommen in der Kita unter, in diesem Jahr ist die Anmeldeliste bereits voll. Finanzielle Förderung von der Stadt ist eingeplant – trotzdem hoffen die Eltern auf Spenden: Eine Einrichtung muss gekauft und die Miete wohl erstmal vorgestreckt werden. "Notfalls wird das die Elternschaft aufbringen", sagt Staudacher, "aber in der Initiative sind nicht alle gut verdienende Akademiker."

Ein Kita-Monat soll zwischen 100 und 400 Euro kosten plus Essensgeld 

Ein Kita-Monat wird zwischen 100 und 400 Euro kosten, dazu kommen etwa 100 Euro Essensgeld, denn das Essen soll nicht nur vegan, gesund und vollwertig sein, sondern auch bio.

Noch zu klären ist aber die genaue Umsetzung des Themas. Die Eltern vergleichen gerade Angebote von Caterern, vielleicht werden sie auch abwechselnd selbst kochen. Oder Serkan Tunca übernimmt.

Der bayerische Küchenchef (Bodhi, Siggis) lebt und kocht vegan und bittet auf seiner Facebook-Seite um Unterstützung für das Projekt, "damit unsere Kinder sich so frei wie möglich entwickeln können und nicht schon im Kindergarten mit Speziesismus, Diskriminierung und Unterdrückung konfrontiert werden". Sein Kind geht nämlich ab 2019 in die erste vegane Kita der Stadt. Und dessen Geburtstagstorte schaut sicher niemand traurig an.

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