Kirchseeon 1000 Euro Strafe pro Hundehaufen!

Plakativer geht’s fast nicht: Dieses Schild klärt eindeutig, was hier untersagt ist. Foto: imago

Streitthema Hunde-Häufchen: Kirchseeon macht Ernst und bittet vergessliche oder uneinsichtige Hundebesitzer zur Kasse - und das nicht zu knapp.

 

München - Für Hundebesitzer in Kirchseeon brechen harte Zeiten an. Wer das Häufchen seines Vierbeiners liegen lässt, statt es im Hundebeutel zu entsorgen, riskiert in der Gemeinde im Münchner Osten ab sofort 1000 Euro Bußgeld.

„Die neue Regelung soll abschrecken“, stellt Kirchseeons Bürgermeister Udo Ockel von der CSU klar. Und das wird sie garantiert. Denn eine Vervierfachung der Strafe ist alles andere als ein Pappenstiel für jeden ertappten Hundebesitzer. Zudem müssen große Hunde mit einer Schulterhöhe ab 50 Zentimeter im gesamten Gemeindegebiet angeleint sein.

42 Hunde auf 9500 Einwohner

42 Hunde gibt es in dem knapp 9500 Einwohner zählenden Ort. Dazu kommen viele Ausflügler aus der Stadt, die mit ihren Hunden Gassigehen.

Die Vierbeiner machen eine Menge Dreck. In ganz Kirchseeon und speziell an beliebten Gassi-Routen wurden deshalb sogenannte „Hundetoiletten“ (Plastikbeutelspender) aufgestellt. An den kleinen Kästen kann man Plastiktüten ziehen, mit denen Frauchen oder Herrechen das Häufchen aufsammeln kann, ohne sich schmutzig zu machen. Die Beutel sollte man anschließend verknoten und in Mülleimern versenken. Soweit die Theorie. Die Realität sieht leider anders aus.

Entlang der Felder, in Parks, Grünstreifen, auf Straßen und Gehwegen – überall liegen Hundehaufen. Nicht nur Bauern schimpfen, weil ihre Kühe vom Kot krank werden. Auch viele Bürger sind stinksauer.

Alle Ermahnungen und Appelle an die Vernunft haben nicht gefruchtet

Ähnlich sieht es in den anderen Münchner Umlandgemeinden aus. Überall gibt es diese „Hundetoiletten“. Die werden auch von vielen Hundehaltern brav genutzt. Doch es gibt leider noch immer viel zu viele, die den Dreck liegenlassen. „Dafür zahl’ ich doch Hundesteuer“, sagen manche. „Das ist Dünger für die Pflanzen“, reden sich andere gerne heraus.

Bisher hat man in Kirchseeon bei Verstößen ein Auge zugedrückt. Wurde ein Hundebesitzer von Mitarbeitern des Bauhofs erwischt, kam er meist mit einer freundlichen Ermahnung davon. Damit war die Sache für Herr und Hund erledigt. Wurde einer mehrmals erwischt, oder reagierte er patzig, zahlte der Betreffende schlimmstenfalls 20 Euro Strafe. Davon habe es nur eine Handvoll Fälle in den letzten Jahren gegeben, versichert man im Rathaus.

Doch jetzt haben die Gemeinderäte die Tonart gegenüber uneinsichtigen Hundebesitzern deutlich verschärft. Ein Beispiel, das im Münchner Umland ganz schnell Schule machen könnte. „Die Verunreinigung von Straßen und Anlagen durch Hundekot ist verboten“, steht jetzt klipp und klar in der neuen Verordnung. Davor hieß es verschwurbelt, Hundedreck sei „tunlichst zu verhindern“.

Die Gemeinderäte verschärften zudem auch die Strafen. Waren es bisher maximal 250 Euro, liegt die Höchststrafe seit Montag bei 1000 Euro. „Man muss auch einmal zugreifen“, sagte der Bürgermeister der Lokalausgabe der „SZ“.

Bleibt abzuwarten, wie sich die neue Verordnung in der Praxis in Kirchseeon umsetzen lässt. Kontrolleure müssen Herr und Hund inflagranti bei ihrer Missetat erwischen. Andernfalls dürfte es schwer werden, Hund und Haufen zuzuordnen. Eine Menge Konfliktpotenzial, das angesichts drastisch verschärfter Strafen noch zunehmen dürfte.

DNA-Test für Hunde: So kämpft London gegen den Hundekot

Im Londoner Stadtteil Barking and Dagenham will man künftig DNA-Proben von Hundehaufen nehmen - und so die Tierhalter zur Rechenschaft ziehen, die das stinkende Geschäft nicht weggeräumt haben. Bis zu 80 Pfund Strafe, umgerechnet sind das gut 110 Euro, soll es den Hundebesitzer kosten, wenn er den Hundehaufen liegenlässt und er per DNA-Abgleich überführt wird.

Der Stadtbezirk Barking and Dagenham gibt rund 3,2 Millionen Euro pro Jahr für Aufräumarbeiten aus - darunter fällt auch die Beseitigung von Hundedreck.

Ein Pilotprojekt soll bereits im September 2016 starten. Voraussetzung ist, dass die tierische DNA gespeichert wird und mit dem Hundekot abgeglichen werden kann. Möglich wäre das über die Datenbank „PooPrints“, die in den USA ins Leben gerufen wurde.

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Niemals ohne! Das sagt der AZ-Redakteur zur Aktion

Der AZ-Redakteur und sein Hund Timmy im Café.

Um eines klarzustellen: Ich bin kein Hundehasser. Im Gegenteil. Bei uns zu Hause lebt seit zehn Jahren ein Hovawart. Timmy heißt er und er muss mindestens zwei Mal am Tag. Wenn er kann, muss ich.

Ganze ehrlich, es ist kein schöner Job, mit einem dünnen Plastikbeutel in einen Haufen zu greifen, das Sackerl umzustülpen und mit angehaltenem Atem zuzuknoten. Ein echter Scheiß-Job und oft ist es morgens das Erste und abends das Letzte, was man als Hundebesitzer tut.

Noch mehr nerven mich diejenigen unter uns Hundebesitzern, die sich davor drücken. Kein Beutel dabei, sagen viele. Komisch, ihr Handy vergessen sie nie.

1000 Euro Strafe für Hundedreck ist ein Haufen Geld. Das wird Wirkung zeigen. Bei so großen Summen wird sich jeder nach Kräften wehren, notfalls vor Gericht. Anwälte dürfen sich über einen Haufen Kohle freuen.

Deshalb: Herr, Hund und Haufen müssen klar zuzuordnen sein. Jeder Fiffi zum DNA-Test? Überwachungsstaat, viel zu teuer, schreien jetzt ganz bestimmt viele.

Also lieber zum Beutel greifen, bevor die NSA bald noch ganz andere Daten von uns abgreift ...

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