Kirche vor harten Entscheidungen Weniger Gläubige: Bistum München plant radikal neu

Die guten Zeiten der Kirche sind vorbei: Auch über dem Kloster Andechs türmen sich dunkle Wolken auf. Foto: Peter Kneffel/Archivbild

Das Bistum München und Freising ist sich sicher: Neue Ideen müssen her, um Menschen wieder für die Kirche zu begeistern.

 

München - Der Jahresbericht des Bistums München und Freising zeigt: Die guten Zeiten sind vorbei, die Kirche steht vor harten Entscheidungen.

Eigentlich gibt es Anlass zu feiern: Die Erzdiözese München und Freising hat wieder Rekord-Umsätze gemacht und ist mit einem Gesamtkapital von 3,493 Milliarden Euro eines der reichsten Bistümer Deutschlands. Sie hat im letzten Jahr sogar 125 Millionen Euro mehr bilanziert als noch 2017. Doch die schrumpfende Zahl von Gläubigen bereitet dem Bistum große Sorge.

Generalvikar Peter Beer: "Wir brauchen eine Vision"

"Dass unsere Mitgliederzahlen sinken, ist kein Geheimnis", begann Generalvikar Peter Beer die Pressekonferenz. "Ganz offensichtlich erreichen wir immer weniger Menschen."

Die Einnahmen durch die Kirchensteuer seien dieses Jahr zwar unerwartet gestiegen, das läge aber vor allem an der guten Konjunktur und den höheren Löhnen. "In Zukunft werden wir auf Kante nähen müssen", bedauert Beer. Er sagte aber, nicht nur sparen, sondern auch neu investieren zu wollen. "Wir brauchen eine Vision, wie etwas Neues entstehen kann."

Was das heißt, machte Beer ungewöhnlich deutlich klar. "Es stellen sich Fragen wie: Soll man eine Kirche noch renovieren und halten, in der nur noch drei Leute zum Gottesdienst kommen? Was machen wir mit unseren Klöstern? Ein einfaches Weiter-so, ergänzt um neue Angebote, ist nicht möglich." Dass wenig-besuchte Kirchen dann schließen müssen, erscheint ihm unausweichlich. Auch in Klöstern müsse etwas radikal Neues entstehen, nicht bloß eine leicht veränderte Nutzung. Diese Probleme will Beer aber nicht alleine lösen. Er hofft, dass die Kirche diese Themen bald in Angriff nehme, um zusammen mit den Gläubigen eine Gesamtvision zu entwickeln.

Schließung einiger Kirchen könnte sinnvoll sein

"In vielen Orten macht es wenig Sinn, dass es zwei Kirchen und zwei Pfarrsäle gibt, und beide kaum besucht werden", sagte Beer. "In Zukunft werden wir da sicherlich auch mehr Zusammenarbeit über die Konfessionen hinweg sehen." So könne weiteres Geld eingespart werden.

Teilweise ist dieser neue Plan im Finanzhaushalt schon zu erkennen: So gab es 2018 Rücklagen für die kommenden mageren Jahre, hohe Investitionen für Schulen und auch mehr Geld für den Wohnungsbau. Konkret wird in München gerade zum Beispiel rund um das Edith-Stein-Gymnasium gebaut. Hier soll ein Bildungszentrum entstehen, die Generalsanierung des Gymnasiums wurde 2018 abgeschlossen.

Kirche will günstigen Wohnraum schaffen

Auch mehr preiswerten Wohnraum will die Kirche schaffen. So schüttet das Katholische Siedlungswerk (KSWM) keine Gewinne mehr an das Bistum aus, sondern reinvestiert das Geld in neuen Wohnraum. Dieser wird auch an Nicht-Kirchenmitglieder vermietet. Ab dem 1. Juli wird in allen Wohnungen auf Mieterhöhungen verzichtet. Mit solchen Maßnahmen will die Kirche wieder mehr Menschen erreichen. "Dass wir weniger werden, ist kein Naturgesetz", sagte Beer. "Wir müssen aber sehen, wie wir wieder mehr Leute erreichen können. Dabei dürfen wir nicht aus der Angst heraus handeln, sondern müssen besonnen und zusammen einen Plan entwickeln."

Beer ist klar, dass dies auch die Gläubigen vor Herausforderungen stellt. "Leute kennen ihre lokalen Kirchen und Pfarrsäle und wollen natürlich keine Schließungen. Wenn wir aber einen guten Zukunftsplan entwickeln, und nicht nur sparen, sondern auch neu investieren, werden wir hoffentlich auf mehr Verständnis stoßen."

Anstieg der Immobilienwerte in München

Der Jahresabschluss des Bistums ist auch interessant, weil er einen Einblick in die wirtschaftliche Entwicklung im Bistum gewährt. So machte die Kirche kaum Gewinne mit ihren Wertanlagen, wegen der schwachen Aktienkurse im vergangenen Jahr. Diese Entwicklung wurde aber dadurch ausgeglichen, dass die Immobilienwerte in und um München so stark anstiegen.

Bebaute und unbebaute Grundstücke der Kirche machten 2018 ganze 1,2 Milliarden Euro der Gesamtbilanz aus. Wohnungen oder Institutionen will die Kirche hier künftig aber nicht verkaufen, sondern eher weiter entwickeln.

Für 2019 hofft die Kirche auf Erträge von 824 Millionen Euro, und rechnet mit Ausgaben von 823 Millionen. "Die Investitionen steigen an, aber das ist eben notwendig, um für die Zukunft gerüstet zu sein", sagte Beer.

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