Kinos vor der Wiedereröffnung Wer überleben will, muss Risiken eingehen

Paul Nöllke.
, aktualisiert am 27.05.2020 - 16:59 Uhr
An einem geschlossenen Kino steht „Bis Bald! Bleiben sie gesund“. In Bayern sollen die Kinos bald wieder öffnen. Foto: Marijan Murat/dpa

Kinobetreiber planen die Wiedereröffnung – doch es herrscht eine große Verunsicherung

 

Endlich ist es so weit: Am 15. Juni dürfen auch in Bayern die Kinos wieder öffnen. Viel Jubel gibt es aber nicht. Ministerpräsident Markus Söder verkündete eine Begrenzung auf 50 Gäste im Innenraum und 100 im Freien unter strengen Hygieneauflagen. Wie man einen Kinosaal im Monopol mit 100 Plätzen, den größten Saal im Mathäser-Filmpalast mit über 800 oder den Astor-Saal im Edel-Kino Arri mit 335 Plätzen pauschal über einen Kamm scheren kann, erschließt sich nicht.

"Durch wilden Aktionismus kann man den Neustart verstolpern“

Ob die meisten Kinos in Bayern wirklich Mitte Juni öffnen, ist fraglich. In Hessen und Sachsen tauchten zur Wiedereröffnung wenige Zuschauer auf. In München ist der vorgegebene Termin umstritten. So plant Christian Pfeil vom Monopol-Kino mit insgesamt 200 Plätzen in drei Sälen sowie der Kinobar mit 30 Plätzen den Regelbetrieb ab 2. Juli mit Christian Petzolds „Undine“. Er befürchtet, durch wilden Aktionismus könne man den Neustart „verstolpern“. Gefährlich sei es, die nächsten Wochen im „Wir-probieren-mal“-Modus zu rotieren. Die Sitzplatzreduzierung dürfe nur eine Übergangslösung sein, „im Oktober müssen wir wieder Vollauslastung fahren dürfen“, ansonsten würde es einigen Arthauskinos „das Genick brechen und sogar gesunde Häuser erwischen“.

Das Schlimmste verhüten könnten die beschlossenen Anlaufhilfen von 12 Millionen Euro für kleine Filmtheater mit bis zu sieben Sälen und größere inhabergeführte Betriebe. Eine Unterstützung für Multiplex-Kinos wird noch geprüft. Wie viele seiner Kollegen hält Pfeil wenig von Mundschutzpflicht während der Vorführung. Im Kino wird schließlich weder gesungen wie in der Kirche noch geratscht wie im Wirtshaus. Auch Bruno Börger von den City-Kinos geht vom 2. Juli aus, stehen doch neben der Vorbereitung von Filmen Mitarbeiterschulung und Kassenprogrammierung an. Er hofft beim von Gesundheits- und Digitalministerium entworfenen Hygienekonzept auf eine auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinotypen zugeschnittene Lösung.

"Zeit wieder ins Kino zu gehen"

Knackpunkt bleibt der 1,5 Meter Abstand, der die Auslastung auf 20 bis 25 Prozent senkt. Eine 1-Meter-Abstand-Regel wie in Österreich wäre zweckmäßiger. Mutig zeigt sich Marlies Kirchner von der Theatiner-Filmkunst. Sie will ab dem 18. Juni „La vérité“ und Ulrike Ottingers „Paris Caligrammes“ spielen und findet, es sei „höchste Zeit, wieder ins Kino zu gehen“.

Überraschend kam Söders Ankündigung für die Organisatoren vom „Kino am Olympiasee“, die die Open-Air-Saison heute Abend mit dem Oscar-Gewinner „Parasite“ eröffnen werden und spannendes Programm von „1917“ bis „Leberkäsjunkie“ bieten. Dafür haben sie extra eine Sondergenehmigung erhalten, so können sie trotz Söders Beschränkungen Kino machen. In Abstimmung mit dem KVR sind die Vorführungen unter freiem Himmel auf 528 Personen ausgelegt, das bedeutet eine Reduzierung der Kapazität um mehr als 70 Prozent und ist wirtschaftlich kaum sinnvoll.

Bis ins kleinste Detail wurde ein Hygienekonzept mit dem KVR diskutiert und genehmigt. Der Besuch ist vollständig kontaktlos möglich, von der Buchung bis hin zu den zugewiesenen Plätzen: „Wir sind sehr gut aufgestellt und bieten neben einer schönen Unterhaltung auch die bestmögliche Sicherheitssituation“ sagt Straßer. Nach der Ankündigung Söders musste sich das Kino noch einmal versichern, dass es am morgigen Tag auch öffnen dürfe.

Es sei „relativ müßig, in einer schnellen Zeit, in der sich Vorgaben quasi täglich ändern, eine Aussage über ein ,Wenn’ zu treffen. Wir fliegen alle auf Sicht, auch die Politik“. „Kaffeesatzlesen“ ist nicht sein Ding, er setzt auf die Absprachen. München sei traditionell „das härteste Pflaster der ganzen Republik“. Was woanders genehmigt würde, werde hier abgeschmettert. Wer überleben wolle, müsse Risiken eingehen: „Wir machen unsere Arbeit“. Die gehört zum Münchner Kultursommer und wird seit über zehn Jahren vom Publikum innig geliebt. Schön, dass es heute Abend am Olympiasee schon einmal losgehen kann. 


Das sagen die Veranstalter

Das große Problem für Veranstalter von Konzerten und Theater ist auch weiterhin der strikte Hygieneabstand von 1,5 Metern. „Solange es diese Abstandsregel gibt, kann es keine Veranstaltung geben, die sich finanziell lohnt“, sagt Dietmar Lupfer, Geschäftsführer des Muffatwerks. In seine größte Halle würden so maximal 200 Menschen passen, wahrscheinlich eher weniger. Das sei eigentlich immer unrentabel. Es könnten allerdings Veranstaltungen stattfinden, wenn diese nicht die Kosten durch Ticketverkäufe gedeckt sein müssten. „Da gibt es zum Beispiel schon einige Theateraufführungen, die in Frage kämen“, so Lupfer.

 

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