Kinokritik "Bombshell - Das Ende des Schweigens": Sexuelle Belästigung bei Trumps Lieblingssender

Charlize Theron (von links), Nicole Kidman und Margot Robbie. Foto: Hilary Bronwyn Gayle/Wild Bunch/dpa

"Bombshell – Das Ende des Schweigens" mit Charlize Theron, Nicole Kidman und Margot Robbie. Die AZ-Kritik.

 

Sie sind blond, langbeinig und ehrgeizig. Die Medienfrauen, die beim erzkonservativen Fox News Channel, Teil des Rupert Murdoch-Imperiums, Karriere machen wollen, tragen kurze Röcke als "Berufskleidung".

Fernsehen ist für Autoren ein visuelles Medium

Ihre Einstellung erfolgt oft weniger nach Kompetenz denn nach ihren Körpermaßen. In den Studios stehen Glastische, damit das Publikum die Beine der Moderatorinnen begutachten kann. Fernsehen sei schließlich ein visuelles Medium, so das Mantra von CEO Roger Ailes, der attraktive Aspirantinnen gerne in sein Büro beordert.

Auch Keyla Pospisil (Margot Robbie) muss vor seinen lüsternen Augen bestehen. Sich drehen und den Rock ein wenig lupfen und das Lächeln nicht vergessen, ein bisschen höher und höher, bis der weißen Slip hervorblitzt und der Alte schwer atmet, während sich auf dem Gesicht der jungen Frau Entsetzen und Scham spiegeln. Sie ist nur eine von vielen, die dieses erniedrigende Prozedere durchleiden muss. Eine der eindringlichsten Szenen.

Demonstration gegen das Puppenimage steht im Vordergrund

Noch vor #metoo und dem Skandal um Ex-Studioboss Harvey Weinstein platzte die Bombe in Trumps Lieblingssender. Gretchen Carlson (Nicole Kidman) will nicht mehr die „TV-Barbie“ mimen und tritt in ihrem Magazin "The Real Story" ohne Make Up auf, um gegen das Puppenimage zu demonstrieren. Schwupp wird der Vertrag mit der ehemaligen "Miss America" nicht verlängert.

Keiner wolle eine ungeschminkte Frau in der Menopause sehen, tobt Ailes (richtig schön widerlich John Lithgow). Nach ihrem Rausschmiss zeigt sie den schon immer übergriffigen Kerl an, eine der ersten Klagen wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz in USA. Die Chancen auf Erfolg tendierten gegen Null.

Gründer bekommt 40 Millionen Abfindung

Und dann die Überraschung: Der Gründer von Fox News muss im Juli 2016 abdanken, der Abschied von der Macht wurde ihm mit 40 Millionen Dollar Abfindung versüßt. Für seine Ausmusterung sorgt neben der naiven Keyla, dem einzig fiktiven Charakter in dem auf Fakten basierendem Film, und Gretchen auch Megyn Kelly (Charlize Theron), die First Lady des Senders, die ihr Schweigen bricht – wenn auch sehr spät. Sie geriet schon zwei Jahre zuvor ins Fadenkreuz der Kritik, als sie bei der Moderation einer Wahldebatte Trump mit seinen sexistischen Äußerungen konfrontiert. Der pöbelte öffentlichkeitswirksam per Twitter zurück. Rückhalt vom Sender? Nein!

Ein Abgrund an sexueller Nötigung und beruflichem Druck tut sich auf in Jay Roachs bissigem Blick hinter die Kulissen von Fox. Nicht nur Bein zeigen war Pflicht, auch der Blowjob gehörte zum "Casting". Zwischen Pathos und Politik balanciert das explosive Drama nicht immer optimal, aber in flottem Tempo. Auch den Innenansichten hätte man etwas mehr Tiefe gewünscht. Gelungen dagegen die Verbindung von aktuell-brisantem Unterhaltungswert und harscher Kritik an toxischer Männlichkeit.

Das Schauspielerinnentrio liefert eine fulminante Performance wie auch die Nebendarsteller von Malcolm McDowell als Medienmogul Rupert Murdoch, der im letzten Moment die Reißleine zieht, bis hin zu Allison Janney als Ailes Staranwältin.

Wie sich die drei gegensätzlichen Frauen und Konkurrentinnen, die sich nur einmal zufällig im Aufzug treffen, verbünden und Solidarität üben, sich nicht mehr gegeneinander ausspielen lassen, sondern trotz Risiko das Heft des Handels in die Hand nehmen, das stimmt optimistisch. Die Heimlichtuerei hat erst einmal ein Ende. Aber der Kampf geht weiter.


Kino: City (OmU), Monopol (auch OmU) sowie Museum und Cinema (OV)
R: Jay Roach (USA 110 Min.)

 

 

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