Kino Batman: Unglücklich, humorlos und homoerotisch

Ein Mann im Batmankostüm klettert auf ein Autobahnschild nahe London. Er will für die Rechte von Vätern demonstrieren. Foto: AP

Dunkler Rächer, skurriler Latexfetischist oder asozialer Flatterfreak: Batman, die berühmte Film- und Comic-Figur, wirft mindestens so viele Fragen auf, wie sie Faustschläge austeilt. Zum Kino-Start von „The Dark Knight“, schaut Lars Banhold, Deutschlands führender Batman-Experte, hinter die Maske.

Herr Banhold, Batman ist das alter Ego von Bruce Wayne, einem Milliardär, der es im Leben weit gebracht hat und in einem riesigen Anwesen mit persönlichem Butler wohnt. Batman würde bestens in die Münchner Schickeria passen, oder?

Jein. Natürlich wäre exakt hier das soziale Umfeld, wo man Bruce Wayne alias Batman in der Öffentlichkeit erwarten würde.

Batman - ein Konservativer, ein Kapitalist?

Man muss unterscheiden: Der Milliardär Bruce Wayne, der sich erst mit der Maske in Batman verwandelt, spielt der noblen Gesellschaft auch nur etwas vor. Er fühlt sich innerhalb der Schickeria nicht wirklich wohl, parodiert sie sogar. Gerade in „The Dark Knight“ wird das deutlich: Auf gesellschaftlichen Events lallt Batman wie angetrunken und benimmt sich äußerst ungeschickt.

Welche Partei würde Batman wählen?

Das hängt ganz davon ab, wie der jeweilige Autor die Figur interpretiert. In manchen Comics hat Batman sogar faschistoide Züge, bei anderen ist er vielmehr der Anarchist. Aber Fiktion in politische Raster zu stecken scheitert am Textmaterial und geht einfach nicht auf.

Lassen Sie uns ein paar gängige Batman-Vorurteile durchgehen: Er ist humorlos, ein verschrobener Eigenbrötler, ohne einen Hauch von Selbstironie.

In der Regel völlig korrekt! Berühmte Ausnahmen sind die alte TV-Serie aus den 60ern und Joel Schumachers Film „Batman and Robin“.

Batman musste als Kind den Mord an seinen Eltern miterleben. Das hat ihn rachsüchtig und verbissen gemacht.

Auch richtig, ja. Wäre er eine reale Person, würde es weit ins soziopathische reichen.

Batman foltert, er hat keine Achtung vor der Menschenwürde.

Ja, so wie James Bond, Dirty Harry oder jeder x-beliebige Action-Held auch. Es ist ein bisschen wie Fausts Pakt mit dem Teufel: In der Fiktion kann es funktionieren, in der Realität fände ich es, wie Batman überhaupt, erschütternd.

Sicher, dass Batman nicht doch schwul ist? Das enge Latex-Kostüm, der Freund namens Robin mit dem er nachts um die Häuser zieht...

...Ich hätte nie gesagt, dass er nicht schwul ist.

Aha, also doch.

Batman ist latent erotisch aufgeladen. Das kann ins eindeutig homoerotische gehen, wie in „Batman and Robin“. Oder bis hin zu heterosexuellen Casanova-Phantasien reichen. In den 70ern war der so genannte „hairy-chested-love-god-Batman“ populär. Ich finde seine latente Homosexualität übrigens gar nicht unsympathisch. Wie man die erotische Komponente interpretiert, sagt vielmehr etwas über den Autor und Leser aus, als über die Figur.

Sie sagen, Batman ist ein Soziopath. Kann man ihm denn mit überhaupt nichts eine Freude machen?

Sehr schwierig. Ich glaube, er ist glücklich, wenn er unglücklich ist. Ihn alleine in die Bat-Höhle setzen und grübeln lassen - das macht ihm schon Spaß.

Keine Chance ihn irgendwie zum Lachen zu bringen?

Es gibt einen Comic namens „The Killing Joke“ von Alan Moore, in dem der Joker den Polizeichef foltert und dessen Tochter verkrüppelt. Zum Schluss erzählt der Joker Batman einen Witz als Parabel darüber, dass sie beide geisteskrank sind. Daraufhin fallen sie sich lachend in die Arme. Er hat wohl einen ganz speziellen Humor.

Das scheint auch bei seinen Fans der Fall zu sein. Erst kürzlich erklomm in England ein Mann im Batmankostüm ein Autobahnschild. Er wollte für die Rechte von Vätern demonstrieren. Der „Dunkle Ritter“ wirkt auf diese Typen wohl ganz besonders anziehend.

Ach, solche Aktionen gab es auch schon mit Spider-Man.

Im Gegensatz zu Spider-Man hat Batman keine Superkräfte. Theoretisch kann also jeder Mensch Batman sein, sobald er das Fledermaus-Kostüm trägt. Könnte doch eine Erklärung sein.

Da sollten Sie vielleicht besser einen Psychologen fragen.

Angenommen Batman gäbe es wirklich. Welchen Superschurken der Gegenwart sollte er unbedingt zur Raison bringen?

Wenn es Batman wirklich gäbe, sollte man IHN zur Raison bringen! Ein Milliardär, der Selbstjustiz übt, den Rechtsstaat unterwandert und seine eigenen Moralvorstellungen absolut setzt: in der Realität ist das doch völlig inakzeptabel.

Ihr Lieblingszitat von Batman?

Es ist aus „Batman Returns“, als Bruce Wayne alias Batman zu Selina Kyle alias Catwoman sagt: ‚Entschuldigung, ich habe mich mit jemandem verwechselt‘.

Mal ganz ehrlich: Batman, der Name, das Kostüm, ein bisschen lächerlich ist die Figur ja schon, oder?

Nun, es ist halt Fantasy. Ein großer Teil des Personals in Shakespeares „Sommernachtstraum“ ist auch irgendwie lächerlich. Man lässt sich eben darauf ein, oder man lässt es…

Interview: Reinhard Keck

Der 26-jährige Bochumer Lars Banhold forscht an der Ruhr-Universität Bochum. In seinem Buch "Batman - Konstruktion eines Helden" (Bachmann Verlag) beschreibt er die Entstehungsgeschichte Batmans von seinem Anfang 1939 bis heute.

 

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