Kinderkrankenhaus Kinderkrankenhaus gibt auf: Bio-Ernährung wird zu teuer

"Wir versuchen, eine vernünftige Qualität zu einem vernünftigen Preis anzubieten", verspricht Geschäftsführer des Kinderkrankenhauses Bernhard Brand. Und Franziska Beck-Eller versichert, dass sie auch weiterhin ohne Geschmacksverstärker und Gewürzmischung kochen möchte. Quelle: Unbekannt

Angeblich knapp 120.000 Euro Mehrkosten für 100 Prozent Bio samt regionalem Bezug - nun gibt das Kinderkrankenhaus auf.

 

Landshut - Nach elf Jahren gibt der "Leuchtturm" in Sachen Ernährung auf: Das Biozertifikat mit angeblich knapp 120 000 Euro Mehrkosten ist dem Kinderkrankenhaus St. Marien zu teuer geworden. Dr. Michael Rittershofer, Geschäftsführer von Tagwerk, war darüber so enttäuscht, dass er seinen Standpunkt in einem öffentlichen Schreiben an den Krankenhauschef darlegte.

Mit dem Küchenleiter Gilbert Bielen zog im Kinderkrankenhaus Landshut 2007 ein neuer Wind in Sachen Ernährung ein: 100 Prozent Bio mit zusätzlich regionalem Bezug stand seither auf dem Speiseplan. Zumindest bis jetzt. Denn dem Geschäftsführer des Krankenhauses Bernhard Brand ist die Bio-Ernährung schlichtweg zu teuer geworden.

"Mit dem Geld was wir haben, müssen wir auskommen", so Brand. Vor vier Jahren seien die Rohstoffpreise gestiegen, sagt Franziska Beck-Eller, die neue Küchenchefin des Krankenhauses. Gilbert Bielen hatte nach dem Speiseplanwechsel im Kinderkrankenhaus St. Marien gekündigt. Zudem seien laut Brand auch die Sachkosten gestiegen.

Geld muss gespart werden

So musste das Kinderkrankenhaus zum Beispiel von wiederverwendbaren Milch-Pumpen, die sterilisiert werden, auf Einmal-Abpump-Maschinen umsteigen. Kosten: 80.000 Euro.

Größte Kostenfaktoren bleiben laut dem Geschäftsführer, selbst gelernter Krankenpfleger, trotzdem die Personalkosten mit 80 Prozent. Sein Personal vergütet er tarifkonform und so blieb das Essen als einfachste Möglichkeit, Geld einzusparen. Laut dem Geschäftsführer seien mit Biozertifikat 120.000 Euro Mehrkosten jährlich entstanden.

Dr. Michael Rittershofer von Tagwerk-Förderverein für ökologischen Landbau, Landschaftspflege und bewusste Lebensführung erklärte gegenüber der AZ, dass dies eine Entscheidung sei, die er nicht gut fände: "Es war ein Vorzeigebetrieb, wie es nur ganz wenige gibt - ein Leuchtturm in Bayern."

Die Enttäuschung trieb den Tagwerk-Geschäftsführer auch dazu, schlussendlich einen offenen Brief an das Kinderkrankenhaus zu schreiben. "Billig statt ökologisch und nachhaltig. Schade", heißt es an einer Stelle. Bernhard Brand bedauert den Richtungswechsel: "Wir versuchen, eine vernünftige Qualität zu einem vernünftigen Preis anzubieten."

Beck-Eller versicherte, dass sie auch weiterhin ohne Geschmacksverstärker und Gewürzmischung kochen möchte. Außerdem will die Küchenchefin, die zuvor die Stellvertreterin von Gilbert Bielen war, darauf achten, möglichst regional und saisonal einzukaufen.

Fleisch aus Bayern

Bio-Eier kauft sie zum Beispiel von einem sechs Kilometer entfernten Händler, das Fleisch kommt auch weiterhin aus Bayern. "Wir werden nicht das Billigste nehmen. Wir könnten auch mehr einsparen als 120 000 Euro", so der Geschäftsführer: "Wir gehen jetzt den Mittelweg."

Rittershofer sieht diese Einstellung trotzdem als "Rückschritt" an: "Ich sehe ein großes Problem, wenn man sich nur auf regional bezieht." Gilbert Bielen sagt, dass regional vor allem in Bayern oft trotzdem Massentierhaltung bedeute.

Trotz all der Kritik stellt Brand noch einmal klar, dass das Kinderkrankenhaus St. Marien als GmbH immer noch eine eigene juristische Person und auch wirtschaftlich eigenständig sei.

Seine Hoffnung war, dass mehr auf den Zug des Bio-Zertifikats aufspringen, sodass mit der höheren Nachfrage die Preise sinken. Doch dem war nicht so. Auch die Bio-Verfechter mussten gestehen, dass es in Landshut kein vergleichbares Unternehmen gegeben hat. Das ist auch der Grund, wieso die Enttäuschung jetzt so tief sitzt.

Der Kinderkrankenhaus-Geschäftsführer weiß aber auch, dass er sich vor der Tatsache, elf Jahre in einem Krankenhaus Bio-Essen angeboten zu haben, nicht verstecken braucht. "Das soll uns erstmal jemand elf Jahre lang nachmachen."

Pfannkuchen um zehn Uhr morgens

Stolz sei er jetzt nach dem Wechsel immer noch. Täglich gibt es drei frische Gerichte zur Auswahl. Davon mindestens ein Vegetarisches. Beck-Eller und ihr Team bereiten außerdem bei Bedarf Mahlzeiten für Kinder mit Allergien oder Unverträglichkeiten zu.

Ist ein Kind sehr krank, darf es sich bei der Krankenhausküche etwas wünschen: "Dann kriegt das Kind schonmal Pfannkuchen um zehn Uhr vormittags."

 

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