Kinder mit Rutenschlägen gezüchtigt Erzieherin der Sekte "Zwölf Stämme" droht Gefängnisstrafe

, aktualisiert am 20.04.2016 - 13:58 Uhr
Ein Kind der Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" wird in Klosterzimmern im Kreis Donau-Ries privat unterrichtet. (Archivfoto) Foto: dpa

Eine Erzieherin der Sekte "Zwölf Stämme" soll in einem Bestrafungsraum Kinder mit Rutenschlägen gezüchtigt haben. Jetzt droht der 56-Jährigen eine Gefängnisstrafe.

 

Augsburg - Zu Beginn eines Berufungsprozesses wegen Prügelstrafen bei der Sekte "Zwölf Stämme" hat das Landgericht Augsburg einer Erzieherin die Rücknahme der Berufung und somit das Akzeptieren einer Haftstrafe empfohlen. Richter Lenart Hoesch begründete dies am Mittwoch damit, dass es neue Vorwürfe aus Bremen gegen die Angeklagte gebe. Es könne daher günstiger für die 56-Jährige sein, das Urteil des Amtsgerichtes Nördlingen vom Januar anzunehmen.

Damals war die Frau zu zweieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden, weil sie in der Sekten-Gemeinschaft im nordschwäbischen Klosterzimmern bei Deiningen sechs Kinder geprügelt haben soll. Um was es bei den neuen Vorwürfen aus Norddeutschland im Detail geht, sagte Richter Hoesch nicht. Er bemerkte nur, dass die Vorwürfe nach Aktenlage nicht "ganz ohne" seien.

Was genau sind die "Zwölf Stämme"?

Die Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" entstand in den 1970er Jahren in den USA. Als ihre wichtigsten Werte nennen die radikalen Christen Liebe, Ehrfurcht vor Gott, Familie und Freundschaft. Kritiker und Aussteiger sehen in der Gemeinschaft eine Sekte, die straff hierarchisch organisiert ist.

Im Jahr 2013 holten die Behörden etwa 40 Kinder aus den Gemeinschaften im schwäbischen Klosterzimmern bei Deiningen und im mittelfränkischen Wörnitz ab und gaben einige von ihnen in Pflegefamilien. Sie reagierten damit auf Hinweise, wonach Kinder in den Gemeinden regelmäßig geschlagen werden. Die "Zwölf Stämme" sehen Rutenschläge als wesentlichen Teil ihrer Erziehung an.

Mehrere Mitglieder der "Zwölf Stämme" wurden deswegen verurteilt. Mitglieder der Gemeinschaft vergleichen ihre Behandlung durch die deutschen Behörden mit Hexenprozessen. Viele Familien sind mittlerweile ins Ausland gezogen. Nach eigenen Schätzungen zählen die "Zwölf Stämme" weltweit rund 2000 Mitglieder.

 

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