Keiner lenkt den Bus, der denkt MVG und Stadtwerke testen autonomen Bus in München

Ganz ohne Fahrer? AZ-Reporterin Bettina Funk vor dem autonomen Bus-Shuttle. Noch ist sie ein wenig skeptisch. Foto: Daniel von Loeper

Drei Tage lang testen Stadtwerke und MVG ein batteriebetriebenes Shuttle, das ganz selbstständig und ohne Fahrer fährt. Es könnte als Zubringer zu Haltestellen dienen.

 

Nur ein leises Surren ist zu hören, wenn der kleine weiß-gelbe Bus fährt. Und da wo sonst der Fahrer sitzt, sitzen im "Smart-Shuttle" Fahrgäste. Das kleine Fahrzeug fährt nämlich autonom und hat nicht mal mehr ein Lenkrad.

Die Stadtwerke München (SWM) probieren so ein batteriebetriebenes Smart-Shuttle der Schweizerischen Post gerade im Innenhof der SWM-Zentrale aus. Zwischen zwei Probe-Haltestellen fährt der kleine Bus hin und her. 20 Kilometer pro Stunde ist auf der Teststrecke die Höchstgeschwindigkeit – der Bus könnte aber bis zu 45 Kilometer pro Stunde fahren.

Das Fahrzeug verfügt über eine sogenannte moderne Multisensor-Technologie. Das bedeutet, dass das Fahrzeug vor der ersten Fahrt eine Karte erstellt. Anhand dieser fährt das Shuttle dann auf der vorgegebenen Strecke zentimetergenau. Außerdem nehmen die Sensoren jegliche Hindernisse wahr, sodass das Fahrzeug bei Bedarf automatisch abbremst.

Eines Tages sollen die Shuttles ohne Operator fahren

Dennoch ist ein Operator, ein Begleitfahrer, mit an Bord, der im Zweifel einen Notknopf drücken und somit das Shuttle anhalten kann. Auch soll er beim Ein- und Ausladen von Rollstühlen, Rollatoren oder Kinderwagen helfen können.

"Eines Tages sollen die Shuttles aber ohne Operator fahren", sagt Frédéric Sartou. Er arbeitet bei der französischen Firma Navya, die die autonomen Shuttles entwickelt.

"Es gibt zwei Möglichkeiten für die Nutzung der Shuttles", erklärt er. "Entweder sie werden auf festen Strecken genutzt oder ,on demand’, also auf Abruf." Letzteres könnte der Fall sein, wenn etwa eine Firma einen Kongress organisiert und Teilnehmer nach einem Meeting gemeinsam zu einem weiteren Ort bringen möchte.

Doch das Shuttle ist klein, es gibt nur elf Sitzplätze. Gunnar Heipp, Leiter Strategische Planungsprojekte bei der MVG, betont deshalb: "Es ist daher besonders als Zubringer zu Haltestellen geeignet – für Gegenden, in denen nicht so viele Menschen wohnen oder nachts." Dort sei ein Verkehrsmittel nur wirtschaftlich sinnvoll, wenn es autonom und ohne Fahrer fahren könne.

Zwei Shuttles fahren auf einer eineinhalb Kilometer großen Runde.

"Wir wollen neue Technologien kennenlernen, dazu soll dieser Testbetrieb dienen", so Heipp. Die MVG suche besonders nach emissionsärmeren Möglichkeiten für den öffentlichen Nahverkehr. "Meistens müssen wir in München viele Leute von A nach B bringen", sagt er. "Aber wir suchen auch nach Lösungen für Spezialfälle."

In der Schweizer Stadt Sitten läuft ein Probebetrieb mit den autonomen Smart-Shuttles seit Juni 2016. Zwei Shuttles fahren auf einer eineinhalb Kilometer großen Runde. "Anfänglich waren die Leute sehr skeptisch, mittlerweile nehmen sie es aber super an", sagt Cristina Zielke, Leiterin des Projekts in Sitten. Gerade ältere Menschen würden die Shuttles nutzen.

Bis so ein autonomer Bus durch die Münchner Straßen fährt, wird es aber wohl noch ein paar Jahre dauern. Zuvor müssen vor allem noch technische und rechtliche Fragen geklärt werden.


Eindrücke der AZ-Reporterin: Wie von Geisterhand - genau so fährt es sich!

Mit einem Joystick kann das Shuttle bei Bedarf gelenkt werden. Ansonsten fährt es aber autonom, ohne dass jemand lenken muss.
Mit einem Joystick kann das Shuttle bei Bedarf gelenkt werden. Ansonsten fährt es aber autonom, ohne dass jemand lenken muss. Foto: Daniel von Loeper

Was ist das für ein Gefühl, wenn niemand am Steuer sitzt? Die ersten Eindrücke von AZ-Reporterin Bettina Funk.

Von außen sieht das Smart-Shuttle eigentlich wie ein moderner, kleiner Bus aus. Innen fällt es sofort auf: Es gibt keinen Fahrersitz. An den Seiten sind Sitzplätze für die Fahrgäste angebracht. Elf Passagiere finden hier Platz, vier können zudem noch in der Mitte stehen.

Auf einem großen Bildschirm wird die Karte mit der Umgebung und dem Streckenverlauf angezeigt. Der Operator, der im Testbetrieb mit an Bord ist, wählt die nächste Haltestelle aus, und wie von Geisterhand geht die Fahrt auch schon los.

Deutlich ruckeliger als in der U-Bahn, es ist und bleibt halt ein Bus – so ist das Fahrgefühl. Doch anders als beim normalen Bus ist – bis auf ein leises Surren und ein lauteres Piepen beim Erreichen der Haltestelle – das Shuttle fast geräuschlos unterwegs.

Als draußen eine Dame zu nah an das fahrende Shuttle herangerät, bremst es sofort sehr ruckartig ab. Wer bei so einer Bremsung steht, ohne sich festzuhalten, muss schon sehr standhaft sein. Sollte das Fahrzeug doch einmal manuell gesteuert werden müssen, gibt es einen Joystick, der genau wie bei einer Spielekonsole aussieht. Mit wenigen Knopfdrücken kann das Fahrzeug damit rangiert werden – ruckartig.

Dass ein Begleitfahrer mit im Fahrzeug dabei ist, gibt Sicherheit: Er kennt sich aus und könnte im Notfall eingreifen. Wenn der kleine Bus dann völllig autonom durch den Münchner Stadtverkehr fährt, wird das Fahrgefühl wohl anders sein. Denn wer weiß, ob er alle Situationen und Gefahren fehlerfrei erkennen wird.

Lesen Sie hier: Die MVG präsentiert ihren Elektrobus

 

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