Kein Pelz im Club Bahnwärter Thiel: Betreiber nennt Gründe für das Verbot

Auf dem ehemaligen Schlachthofgelände dient der Bahnwärter Thiel heute als Kultur- und Eventstätte. Viele Lesungen, Partys, Workshops finden hier statt. Foto: imago images / ecomedia/robert fishman

Fell-Verbot im Club: Der Bahnwärter Thiel macht ernst. Was der Betreiber sagt – und wie Gäste reagieren.

 

München - Sie wollen ein Zeichen setzen, endlich, fünf Jahre nach ihrer Eröffnung. Pelze haben ab sofort im Bahnwärter Thiel nichts mehr zu suchen. Das kündigte der Betreiber des Kultur- und Feierareals im Schlachthofviertel mit einem Post in den sozialen Netzwerken an – und begründet das vor allem mit dem Tierwohl.

"Die Debatte ist mittlerweile in der Gesellschaft angekommen", erklärt Geschäftsführer Daniel Hahn der AZ. Modedesigner würden auf Pelz verzichten, einige Restaurants und Bars in München verwehren den Eintritt, wenn der Gast Pelz trägt, darunter das Backstage an der Friedenheimer Brücke. Der vegetarische Laden Blitz weist darauf hin: "Pelz ist bei uns unerwünscht!"

Die Betreiber des Bahnwärter Thiel schließen ihre Türen nicht nur für Echtpelz, sondern auch für Imitate und Vintage-Pelz, also gebraucht gekauften. Für die Mitarbeiter sei es problematisch, dass "nur mit Hilfsmitteln erkennbar" sei, ob der Pelz echt sei. "Das hat einen ganz praktischen Hintergrund", erklärt Hahn und gibt zu, dass das Pelzverbot eine "Einschränkung der individuellen Freiheit" sei. Was grundsätzlich dem Hintergedanken der offenen Begegnungsstätte widerspreche. Und die möchte der Bahnwärter Thiel ja sein.

Deshalb versuche man, den kritischen Gästen "unseren Standpunkt zu erklären." Das sei bislang nur bei wenigen nötig gewesen. Überhaupt seien die Reaktionen sehr positiv. Das sagt nicht nur Daniel Hahn, das zeigen auch die Kommentare bei Facebook und Instagram, die überwiegend positiv sind. Logisch – ist das Publikum des Bahnwärter Thiel doch eher alternativ.

"Inkonsequenz" stößt auf Kritik: Warum Ledertaschen erlauben?

Einzig die vermeintliche "Inkonsequenz" stößt bei manchen auf Unverständnis: Sie fragen sich, weshalb etwa Daunenjacken und Ledertaschen weiter erlaubt sind. "Der Pelzkragen ist ein reines Accessoire, ein Statussymbol", sagt Hahn. Während Lederwaren Nebenprodukt der Fleischproduktion seien, würde das Tier bei der Verwendung von Pelz nur dafür getötet.

Das Pelzverbot sei ein logischer Schritt: Die Betreiber des Bahnwärter Thiel legen seit ihrer Eröffnung 2015 wert auf Umweltschutz, bieten keine Plastik-Strohhalme an, betreiben Urban Gardening, setzen sich gegen Lebensmittelverschwendung ein und betreiben Repair Cafés, bei denen kaputt gegangene Geräte repariert werden. Hahn schließt weitere "nachhaltige Maßnahmen" nicht aus. Zunächst also das Pelzverbot, das übrigens nur im Bahnwärter Thiel gilt. Auf der Alten Utting, die ebenfalls von Daniel Hahn und seinen Brüdern Julian und Laurin betrieben wird, können Gäste weiter Pelz tragen. Das Konzept sei auf der Utting "schwer praktikabel", erklärt Hahn, vor allem wegen der zwei Eingänge. Der Bahnwärter Thiel sei kleiner und abgegrenzter.

Das Backstage geht bei Pelz-Verbot einen anderen Weg

Gleichzeitig ist das finanzielle Risiko geringer: Hahn sagt der AZ, er gehe davon aus, dass die Entscheidung für das Pelzverbot "wirtschaftlich eine Verschlechterung für uns bedeutet." Von extremen Einbußen geht er aber nicht aus.

Da Verbote häufig zu Kritik führen, bastelt Backstage-Betreiber Hans-Georg Stocker deshalb an einer alternativen Lösung. Er überlegt, Gäste mit Pelz nicht grundsätzlich auszuschließen, sondern die Gebühr an der Garderobe zu erhöhen – die Mehreinnahmen würden an eine Tierschutzorganisation gespendet. Schließlich geht es darum, ein Zeichen zu setzen.

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