"Kauf lokal" bei Hirmer "Eine München-DNA ist wichtig"

David Thomas ist Abteilungsleiter von Hirmer Design und der Kopf hinter der Aktion „Kauf lokal“. Foto: Daniel von Loeper

...sagt David Thomas, Abteilungsleiter bei Hirmer Design. Im Interview erklärt der Initiator von „Kauf lokal“, worauf es ankommt

Das Traditionshaus Hirmer bietet Münchner Nachwuchsunternehmen mit "Kauf lokal" bis 3. März 2018 eine Austellungsplattform. Eine Idee, die Münchner Start-ups zusammenschweißen soll. David Thomas, der Kopf hinter der Aktion, erklärt im AZ-Interview, wo der Lokal-Gedanke seinen Ursprung hat.

AZ: Lieber Herr Thomas, wie kam es zu der Idee, eine Plattform wie „Kauf lokal“ für Münchner Start Ups zu initiieren?
DAVID THOMAS: Als Einkäufer für Hirmer bin ich relativ viel unterwegs und sehe viele Innenstädte. Nach der vierten Flasche Rotwein in einer Mailänder Trattoria haben wir uns darüber aufgeregt, wie gleich die Städte alle sind. Und dann dachten wir: Es wäre doch mal schön, den Leute aus München zu zeigen, was aus ihrer Stadt eigentlich alles kommt.

Nach welchen Kriterien wählt Hirmer aus, welche Unternehmen bei „Kauf lokal“ mit an Bord sind?
Zunächst einmal freuen wir uns über alle Anfragen, die wir bekommen. Das waren dieses Mal über 400. Aufgrund der Hausgröße haben wir natürlich irgendwann ein Platzproblem und wir können leider nicht alle mitnehmen. Deswegen sehen wir uns bei Hirmer eher als Kurator wie bei einer Ausstellung. Kriterien sind neben dem, dass die Unternehemen einen lokalen Ursprung haben und eben aus München sind unter anderem die Qualität, und so eine Art Querschnitts-Charakter des Münchner Lebensgefühls. So haben wir zum Beispiel ein App-Unternehmen mit dabei, aber auch Craft-Bier-Brauereien, eine Brotmanufaktur, Kaffeekultur und viel Textilprodukte. Das Gute ist: Die Start-Ups, die dieses Jahr nicht mit dabei sind, haben nächstes Jahr wieder die Chance, sich für „Kauf lokal“ zu bewerben.

Schaffen es manche „Kauf lokal“-Marken auch ins Hirmer-Stammsortiment?
Einige sogar, ja. Als Beispiel: Im ersten „Kauf lokal“-Jahr 2016 war Amsel Fashion mit dabei. Seitdem haben die ihren festen Platz bei uns in der Trachtenabteilung. Ich würde sagen, wir machen das bei 70 bis 80 Prozent aller Marken, dass die im Anschluss einen Weg ins Hirmer-Sortiment finden.


Eine Party zum Startschuss: Hirmer-Geschäftsführer Frank Troch, Muca-Pressesprecherin Stephanie Utz und „Kauf lokal“-Erfinder David Thomas. Foto: Daniel von Loeper


Sind manche Unternehmen bereits zum wiederholten Male bei „Kauf lokal“ dabei?
Ja. Wir haben 2016 mit 30 Unternehmen gestartet. Beim zweiten Mal waren 56 Start-Ups mit dabei. Jetzt sind es genau 40. Da sind auch welche dabei, die bei der ersten Aktion schon Teil von „Kauf lokal“ waren. Wir schauen, dass wir immer einen guten Mix und eineinen gesunden Wechsel an Marken und Firmen haben. Der Kontakt zu den Teilnehmern von früher reißt aber nicht ab. Heute auf der Party zum Beispiel sind alle Unternehmen, die jemals bei „Kauf lokal“ dabei waren eingeladen worden. Wir verstehen die Aktion auch als Münchner Netzwerk. Die Start-Ups sollen untereinander zusammenfinden und vielleicht entstehen dadurch Kooperationen für die Zukunft.

Was ist denn für Sie persönlich wichtig bei einem lokalen Produkt?
Wichtig ist eine München-DNA. Die Hersteller müssen sich mit der Stadt verbunden fühlen, sie müssen für München brennen. Ansonsten ist die Qualität immer wichtig. Genauso wie ein kreatives Design. Generell ist es bewunernswert, was sich die Macher von jungen Start-Ups trauen. In den Bewerbungsgesprächen für „Kauf lokal“ habe ich unglaublich viel von den jungen Unternehmern gelernt. Die haben alle den Arsch in der Hose, ihre Idee zu verfolgen und sich selbstständig zu machen. Die haben alle meinen allerhöchsten Respekt.

Bei „Kauf lokal“ geht’s auch darum, ein Zeichen gegen die Vereinheitlichung der Einkaufsstraßen zu setzen. Wie würde denn für Sie eine optimale Kaufingerstraße aussehen?
Das wäre eine bunte Mischung zwischen großen Handelsketten und kleinen kreativen Lokalunternehmen. Ich würde mir wünschen, dass die Stadt mehr Flächen für Pop-Up-Läden zur Verfügung stellt und mehr Raum für kreative Ideen lässt. Auch kleinen Unternehmen, die in den Kinderschuhen stecken, sollte die Möglichkeit gegeben werden, einen Laden in der Innenstadt zu beziehen

 

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