Katholische Kirche öffnet sich kaum Die Stillstand-Synode

Ein erhobener Zeigefinger von Papst Franziskus an die Bischöfe bei der Endphase des Treffens – wie er das wohl meint? Foto: dpa

Große Schritte hätte die katholische Kirche bei den Beratungen zu Familie und Ehe machen können – es sind dann doch sehr kleine geworden

Die katholische Kirche hat eine klare Vorstellung von Familie und Ehe und hat mit dem Ende der Familiensynode am Wochenende gezeigt, dass sie davon nicht recht abrücken will. Statt großer Ergebnisse bei den Themen wiederverheiratete Geschiedene und Homosexuelle bleiben die Inhalte vage.

DAS ABSCHLUSSPAPIER

Drei Wochen lang haben die Bischöfe in Rom zum Thema Familie beraten. Herausgekommen ist ein Abschlussdokument – 30 Seiten, 94 Punkte. Es geht dabei unter anderem um die soziale Situation der Familien, den religiösen Kontext, Männer und Frauen, Familiengründung und auch das Scheitern einer Ehe. Es handelt sich dabei allerdings nur um Empfehlungen. Papst Franziskus muss entscheiden, welche Punkte er davon umsetzt. Alle Punkte wurden letztendlich mit mindestens einer Zweidrittelmehrheit von den Bischöfen angenommen. Aber ein Leichtes war dies nicht. Vor allem beim Umgang mit Wiederverheirateten.

Der Einzelfall zählt und die Frage: Wer ist an der Scheidung schuld?

WIEDERVERHEIRATETE

Bisher sind diese Paare von der Kommunion ausgeschlossen. Ein wegweisendes, klares Zugeständnis ist im Abschlussdokument ausgeblieben. Der Kompromiss: Wiederverheiratete Geschiedene sollen stärker in die christliche Gemeinschaft integriert werden.

Sprich: Priester sollen jeden Fall einzeln beurteilen, also zum Beispiel unterscheiden zwischen einem Partner, der schuldlos verlassen wurde und einem, der selbstsüchtig das Weite gesucht hat. Diese Aussage bedeutet letztendlich: Ob wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion nun bekommen dürfen oder nicht, ist grundsätzlich offen.

177 Stimmen waren als Zweidrittelmehrheit nötig. Bekommen hat dieser umstrittene Punkt gerade einmal 178. Dafür aber 80 Gegenstimmen. Damit wird deutlich: Obwohl die Formulierungen ohnehin sehr offen gehalten wurden, gehen die kleinen Zugeständnisse vielen konservativen Synodenteilnehmern zu weit.

Der Kompromisstext bleibt auch hinter dem Vorschlag der deutschen Sprachgruppe zurück, der sich deutlich für die Zulassung zivil wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten in Einzelfällen ausgesprochen hatte.

Trotzdem gaben sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx und sein österreichischer Amtskollege Christoph Schönborn, nach Abschluss der Synode zufrieden. „Ich finde diesen Text wirklich einen Schritt nach vorne“, sagte Marx.

Die Familien von Homosexuellen sollen „Hilfe“ bekommen

HOMOSEXUELLE

Ein weiteres Thema, das für Konflikt in der katholischen Kirche sorgt, wurde bei der Synode dann fast völlig außen vor gelassen. Bischöfe aus anderen Kulturkreisen hatten deutlich gemacht, dass eine stärkere Verankerung dieses Themas für sie politisch untragbar gewesen wäre, heißt es. Hier eine gemeinsame Linie zu finden, scheint vorerst also unmöglich. Man habe sich darauf geeinigt, Familien, die homosexuelle Mitglieder haben, kirchliche „Hilfe“ anzubieten.

REAKTIONEN

Der innen- und religionspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, hat das Ergebnis der Familiensynode in Rom eine „herbe Enttäuschung“ genannt. „Homosexuellen Gläubigen wie Wiederverheirateten gibt die Synode Steine statt Brot“, so Beck gestern. „Diese Synode hat die Kirche nicht neu zusammengeführt und wird der Kirche in diesen Streitfragen keinen neuen Frieden spenden.“

Enttäuscht hat am Sonntag auch die kirchenkritische Katholikenbewegung „Wir sind Kirche“ reagiert. „Die konkreten Ergebnisse sind weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben“, so Sprecher Christian Weisner.

Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), sieht das anders: „Die Synode hat eine Tür aufgestoßen hin zu einer neuen Diskussionskultur in der Kirche.“

 

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