Katastrophenbewältigung in Japan Hightech? Von wegen!

 

Die Japaner müssen in der Katastrophe auf einfache und primitive Mittel zurückgreifen.

Tokio/Fukushima Japan ist das größte Hightech-Land der Erde. Im Land der aufgehenden Sonne erfinden sie Roboter, die Menschen den Alltag erleichtern sollen, es gibt Toiletten, bei denen man kein Klopapier braucht oder die den Besucher mit Rosenduft begrüßen.

Doch dieses technikversierte Land steht seit genau vier Wochen vor einem schwer lösbaren Problem. Wie verhindert man eine Nuklearkatastrophe? Die Rettungsaktionen am Atomkraftwerk Fukushima werden von Pleiten und Pannen begleitet. Mit einfachsten Mitteln wird versucht, eine Katastrophe zu verhindern.

Die Bilanz nach vier Wochen:
Das Dilemma mit der Kühlung: Das Erdbeben und der Tsunami zerstörten das AKW, die Kühlungen fielen aus, die Brennstäbe in den Reaktoren waren teilweise ungekühlt, eine Kernschmelze musste verhindert werden. Um Wasser in die Reaktoren zu bekommen, versuchten die japanischen Streitkräften zunächst mit Helikoptern, Meerwasser über die Blöcke zu gießen. Doch die Strahlung war zu hoch, nur im Vorbeifliegen konnte das Wasser abgelassen werden - und versprühte zum großen Teil in der Luft. Dann folgte die nächste bizarr klingende Idee: Wasserwerfer als Löschwerkzeug. Doch die Maßnahme hatte zumindest Erfolg. Die Brennstäbe konnten gekühlt und Notstromkabel gelegt werden.

Kein Strom in den Reaktorräumen: Mit Taschenlampen mussten sich die Arbeiter in den Reaktorräumen zurecht finden. Mehrere Arbeiter wurden stark verstrahlt.
Wohin mit dem radioaktiven Wasser? Das in die Reaktorblöcke geschüttete Wasser wurde zur radioaktiven Brühe und kann nicht abgepumpt werden. Es fehlen Tanks. Der AKW-Betreiber Tepco leitet immer noch leicht verstrahltes Abwasser ins Meer.

Im Hightech-Land Japan fehlen wichtige Geräte: Die Arbeiter, die im havarierten AKW versuchen, den GAU zu verhindern, werden vom Betreiber nicht mit genügend Messgeräten ausgestattet. Zu viele Geräte seien bei der Katastrophe kaputt gegangen, hieß es.

Das Stopfen des Lecks: Anfang April entdeckten Arbeiter ein Leck in einem Reaktor - aus dem 20 Zentimeter breiten Spalt in einem Kabelschacht des Turbinengebäudes von Reaktor 2 floss hochradioaktives Wasser in den Pazifik. Zunächst versuchten die Techniker, das Leck mit Beton und Kunststoff abzudichten – ohne Erfolg. Sogar mit Sägespänen und zerschredderten Zeitungen wurde versucht, das Leck zu stopfen. Dann ein Lichtblick. Es gelang den Arbeitern, das Loch mit Wasserglas zu stopfen. Doch ausgestanden ist die Katastrophe noch lange nicht. 

 

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