Karl Mildenberger ist tot Der Mann, der den Größten ärgerte

"Es war mein schwerster Fight seit dem Titelgewinn gegen Sonny Liston", sagte Muhammad Ali nach seinem WM-Kampf gegen den Deutschen Karl Mildenberger (r.) am 10. September 1966. Foto: dpa

Karl Mildenberger verstirbt mit 80 Jahren. Berühmt wurde er durch seinen Kampf gegen Muhammad Ali. "Die Krönung meines Lebens".

 

"Es war eine fürchterliche Woche für den Boxsport", sagte Tobias Drews, Head of Boxing des Fernsehsenders Sport1, beim Kampfabend in Wolfsburg. Der Platz neben ihm am Kommentatoren-Pult blieb leer. Da hätte Graciano Rocchigiani († 54) sitzen sollen. Doch der Ex-Weltmeister ist bei einem Autounfall in Sizilien am Montagabend ums Leben gekommen. Und das Schicksal erteilte dem deutschen Boxsport eine fürchterliche, finale Eins-Zwei-Kombination. Am Freitag verstarb auch Box-Idol Karl Mildenberger im Alter von 80 Jahren in einem Hospiz in Kaiserslautern.

Am Montag wird Leichnam nach Berlin überführt

Zu Ehren der beiden Boxer wurde bei dem Kampfabend in Wolfsburg die Ringglocke zehn Mal geschlagen. Der Hammer dafür hatte auf der anderen Seite einen Flaschenöffner. Eine Ironie, die Rocchigiani, der sein Leben lang mit dem Dämon Alkohol zu kämpfen hatte, sicher ein lautes, kehliges Lachen entlockt hätte. "Es war ein sehr emotionaler, harter Tag", sagte die einstige Box-Queen Regina Halmich, die die Expertenrolle statt Rocchigiani einnahm: "Ich denke, es war ein würdevoller Abschied. Für beide: Rocky und Mildenberger." Nach AZ-Informationen wird der Leichnam von Rocchigiani am Montag von Sizilien nach Berlin überführt, wo er dann auch beerdigt wird.

Mildenberger war der erste Deutsche, der in Deutschland um eine WM boxte – gegen Muhammad Ali, den Größten, stieg er am 10. September 1966 im Frankfurter Waldstadion in den Ring. Der krasse Außenseiter kämpfte den Kampf seines Lebens, setzte dem Olympiasieger zeitweilig zu, ehe er nach harten Treffern in der zwölften Runde aus dem Kampf genommen wurde. Die Niederlage war die Geburtsstunde der Legende von Karl dem Großen, der nach seiner Niederlage Jahre zuvor gegen den Briten Dick Richardson als "Karl der Flache" verspottet worden war. Mildenberger, der Verlierer, wurde auf den Schultern der Fans aus dem Ring getragen, am Tag danach standen 30 000 Fans Spalier, als er im Cabrio durch Kaiserslautern seine "Ehrenrunde" drehte.

Auch Ali huldigte Milde, wie die Freunde Mildenberger nannten. "Es war mein schwerster Fight seit dem Titelgewinn gegen Sonny Liston", sagte Ali, "er ist der zweitschnellste Schwergewichtler der Welt und der am besten aussehende weiße Boxer." Der Schnellste und Schönste war natürlich Ali selbst. "Ich bin stolz darauf, mit Ali im Ring gestanden zu haben. Das war die Krönung meines Lebens", resümierte Mildenberger. Er war der Mann, der den Größten geärgert und gefordert hat.

Mit nur 31 Jahren beendete Mildenberger seine Karriere, arbeitete später als Bademeister. Mit den Boxern der Neuzeit konnte er nicht viel anfangen. "Boxen ist ein Kampf, heute wirkt es fast wie ein Spiel", sagte Mildenberger der AZ im Jahr 2010, "es ist zum Teil nicht mehr meine Welt." Seine Welt war die eines Muhammad Ali – eine Welt, die nie in Vergessenheit geraten wird. So wie auch Mildenberger selbst.

 

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