Kapitän des FC Bayern Basketball Danilo Barthel: Das ist mein neuer Alltag

Danilo Barthel spricht über den neuen Alltag ohne Wettberwerbe. Foto: imago images / FC Bayern München

Hier erzählt der Kapitän der Bayern-Basketballer von seinem neuen Alltag ohne Wettbewerbe – und was das sportlich sowie privat bedeutet.

 

München - Mein Wecker klingelt aktuell um 8.15 Uhr, also sogar etwas früher als sonst. Ich bin Frühaufsteher und übernehme lieber den frühesten Slot für individuelles Training, da die meisten anderen Spieler etwas länger ausschlafen. Nach dem Frühstück trainiere ich also so rund 45 Minuten mit dem Ball für mich, danach im Kraftraum etwa doppelt so lange.

Die Türgriffe, die Bälle und alles andere werden regelmäßig desinfiziert. Wir achten darauf, Abstand zu halten, aber es ist eh kaum jemand zeitgleich da. Wir haben auch an jeder Ecke Desinfektionsspender und desinfizieren uns immer mal wieder die Hände.

"Man muss kreativ werden, was man in der Zeit so machen kann"

Auf dem Heimweg sammle ich dann meistens bei den Restaurants um die Ecke noch schnell was fürs Mittagessen ein. Und dann bin ich zu Hause und versuche, mich mit den verschiedensten Dingen irgendwie zu beschäftigen. Obwohl ich ansonsten sehr gerne rausgehe, achte ich darauf, es nicht zu tun, wenn es nicht nötig ist.

Dass ich jetzt so viel daheim bin, ist auch der größte Unterschied zu vorher, als ich noch ständig unterwegs war und mit dem Team teilweise alle zwei Tage zu einem anderen Spiel durch ganz Europa gereist bin. Jetzt gibt es gar keine Basketball-Spiele mehr.

Am Anfang war das vielleicht noch ganz angenehm, mittlerweile ist das schon herausfordernd. Man muss kreativ werden, was man in der ganzen freien Zeit noch so machen kann. Denn langsam ist alles von der Liste abgearbeitet: zum Beispiel Kleider ausmisten, mein Fahrrad auf Vordermann bringen. Nur die Steuererklärung steht leider immer noch drauf.

Ich versuche, mir aktuell über andere Dinge positive Energie zu holen. Ich lese mehr, jeden Morgen einen Absatz aus "Tools der Mentoren" und nebenbei gerade noch einen Krimi. Ich facetime (Videochat; d. Red.) auch viel mit der Familie und Freunden. Unsere teaminterne WhatsApp-Gruppe läuft auch weiter wie bisher.

"Ohne Netflix ist die ganze Zeit fast gar nicht totzuschlagen"

Netflix und Co. schaue ich natürlich auch. Ansonsten ist die Zeit ja fast gar nicht totzuschlagen. Ganz hoch im Kurs sind da gerade "Modern Family", "Shameless" und "Narcos".

Da wir die Möglichkeit haben, in der Halle individuell zu trainieren, müssen sich meine Nachbarn keine Sorgen machen. Zu Hause mache ich höchstens abends mal noch eine Runde Yoga gemeinsam mit meiner Freundin.

Durch das Training kann ich meine Form relativ gut halten, wir alle haben aber natürlich jetzt schon ein bisschen runtergefahren. Ich hatte schon seit zwei Jahren keine längere Pause mehr und versuche, mich ein bisschen zu erholen und runterzukommen. Und trotzdem die Zeit zu nutzen, damit ich im Falle einer Fortsetzung der Saison bereit bin.

Für mich ist es aktuell nicht unbedingt nur wichtig, den Touch für den Ball zu behalten. Das Training ist einfach auch ein bisschen Ablenkung, man kann sich dabei auspowern. Das ist für uns momentan noch ein Luxus, dass man seinen Rhythmus und seinen Alltag als Profisportler nicht ganz verliert.

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