Kanzlerinnen-Double im Interview Antonia von Romatowski: Merkel spielen? "Wie Fahrrad fahren"

, aktualisiert am 06.03.2017 - 17:23 Uhr
Beim Singspiel am Nockherberg: Antonia von Romatowski wie immer als Angela Merkel und Wowo Habdank als Anton Hofreiter von den Grünen im vergangenen Jahr. Foto: Tobias Hase/dpa

Antonia von Romatowski mimt die Kanzlerin beim Singspiel am Nockherberg seit 14 Jahren – was anstrengend sein kann.

 

Die 40-jährige Antonia v. Romatowski ist Schauspielerin und Stimmen-Imitatorin. Neben Politikerinnen wie Angela Merkel, Frauke Petry und Sahra Wagenknecht gehört auch Désirée Nick zu ihren Vorzeige-Rollen. Und von Romatowski singt auch. Gerade ist ihr neues Album "Elefant im Raum" erschienen.

Seit 14 Jahren ist Angela Merkel die zweite Haut von Antonia von Romatowski. So lange wird sie schon von der Parodistin gespielt. Warum ihr das manchmal Schmerzen bereitet? Antonia von Romatowski beschreibt ihre Verbindung zur Bundeskanzlerin so: "Es ist wie in einer Beziehung: Man kennt sich einfach."

Seit 14 Jahren parodiert sie Angela Merkel, so auch wieder an diesem Mittwoch beim Politiker-Derblecken am Nockherberg. Und vor einiger Zeit hat sie sich auch noch die Figur von AfD-Chefin Frauke Petry angeeignet. Wie meint sie doch? "Merkel spielen ist wie Fahrrad fahren – macht aber Rückenschmerzen. Und Petry spielen macht krank.

Wie wird man zu Angela Merkel, Frau von Romatowski?
ANTONIA VON ROMATOWSKI: Ich spiele die Angela Merkel ja nun schon seit 14 Jahren. Von daher ist es für mich inzwischen so, als würde ich in eine zweite Haut schlüpfen – mal abgesehen davon, dass ich dann auch einen Fatsuit trage. Ich mache im Vorfeld Stimmübungen und gehe so langsam in die Sprache rein von ihr, fange an, die Vokale in mir zu finden. Inzwischen muss ich mich aber nicht mehr wahnsinnig intensiv auf diese Rolle vorbereiten, die habe ich in mir und kann sie mit einem Fingerschnippen abrufen, da kann ich einfach einen Schalter umlegen. Seit ungefähr zehn Jahren fühle ich mich da sehr sicher und man verlernt das auch nicht mehr. Merkel spielen ist wie Fahrrad fahren.

Was fällt Ihnen am schwersten an der Kanzlerin? Gibt es etwas an ihr, das kompliziert ist?
Mittlerweile nicht mehr. Dadurch, dass ich sie so lange spiele, ist es wie in einer Beziehung: Man kennt sich einfach. Da gibt es andere Figuren, die herausfordernder sind. Die letzte Figur, die ich gelernt habe, war die Frauke Petry und da habe ich mir sehr gut überlegt, wie ich die spiele. Ich habe mir angeschaut, wie sie sich bewegt, wie ihr Duktus ist, wie sie spricht. Bei ihr habe ich mich entschlossen, ihre Energie sichtbar zu machen, die Energie, die man wahrnimmt, wenn sie spricht. Das ist dann zum Beispiel eine Herausforderung.

Welche Energie bringt sie denn mit?
Eine gestresste Energie. Ich habe das Gefühl, Frauke Petry hat ein absolutes Mangeldenken in sich. Das versuche ich, durch etwas sehr Eckiges, Kantiges, Getriebenes, Gehetztes, Forsches sichtbar zu machen. Das ist aber letztlich angstgesteuert bei ihr. Mein Einsprechsatz ist: «Ich glaube, dass Herr Höcke mehrfach gezeigt hat, dass er sich revidieren musste, was für einen Mann in seiner Funktion eine sehr ernste Angelegenheit ist. Fehler machen kann ja jeder, aber ich glaube, dass er sehr stark überlegen muss, ob er noch Kanzlerkandidat werden will.» Es geht darum, zu zeigen, mit welcher Impulsivität die agiert. Da ist die Angela Merkel natürlich ganz anders. Sie lehnt sich eher zurück, aber die ist natürlich auch angekommen und muss nicht mehr irgendwo hin. Darum fällt es ihr im Moment auch nicht ganz so leicht, Wahlkampf zu machen.

Sehen Sie irgendwelche Gemeinsamkeiten zwischen den beiden?
Zwischen Frauke Petry und Angela Merkel? Das sind beides Frauen, die einen gewissen Machtanspruch haben. Was die Parodie angeht, sind beide aber komplett anders. Jede Figur steht –genau wie jeder Mensch – total für sich und in seinem eigenen Kosmos und Universum.

Haben Sie sich auf dieses Wahljahr irgendwie besonders vorbereitet?
Ja, indem ich mir letztes Jahr vorausschauend die Frauke Petry angeeignet habe und Ende vorletzten Jahres die Sahra Wagenknecht. Ich überlege die ganze Zeit, ob ich Frau Göring-Eckardt in Angriff nehme, aber da hab ich bisher noch nicht die Zeit zu gehabt. Sie und Andrea Nahles interessieren mich als nächste Figuren.

Haben Sie die Kanzlerin mal getroffen?
Nein, noch nicht. Und – ehrlich gesagt – bin ich darüber auch ganz froh. Ich brauche eine gewisse Distanz zu den Figuren, um eine Neutralität zu gewährleisten. Ich parodiere auch keine Verwandten oder Freunde. Das ist dann ein anderer Blick. Manchmal gehe ich lunzen. Ich habe schon häufiger bei Reden von Angela Merkel im Publikum gesessen.

Macht es Ihnen eigentlich immer Spaß, in diese Rollen zu schlüpfen – oder nervt das manchmal?
Am Anfang hatte ich bei der Merkel-Parodie tatsächlich körperliche Probleme damit, immer wieder in den Merkel-Körper zu gehen. Dadurch, dass ich vom Tanz komme, habe ich eine sehr aufrechte Haltung, aber wenn ich in den Merkel-Körper gehe, falle ich zusammen. Am Anfang habe ich es nicht hingekriegt, mich da wieder aufzurichten und bin in der Figur hängen geblieben. Da hatte ich unglaubliche Rückenschmerzen.

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Und Frauke Petry zu spielen, ist einfach wahnsinnig anstrengend, weil die so unter Druck steht. Im Dezember war ich als Frauke Petry in der "Anstalt", da war es in der Garderobe ein bisschen kalt – und danach lag ich zwei Wochen krank im Bett. Das hatte nicht nur mit der kalten Garderobe zu tun, sondern einfach auch damit, dass es für mich anstrengend ist, diese Figur zu spielen.

Frauke Petry macht krank?
Das haben Sie jetzt gesagt, ist aber gar nicht so schlecht.

 

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