Kampf um den Eggarten Moosach: Dieses Idyll soll bebaut werden - Anwohner sind sauer

Viele Gärten in der Siedlung sind verwildert - und keiner kann etwas daran ändern. Adolf Vogl wohnt bereits seit 48 Jahren hier. Foto: Linda Jessen

Das kleine Idyll in Moosach soll bebaut werden. Die Ansässigen kämpfen um ihre Gärten und ihr Mitspracherecht. Die AZ war vor Ort.

Moosach - Entschlossen sind ihre Gesichter. Und teilweise regelrecht grimmig. Vor dem Termin mit der AZ in der Eggarten-Siedlung hat Martin Schreck vom Verein der Altstadtfreunden den Ansässigen Bescheid gesagt – und rund 20 sind dazugekommen. Als Schreck zu reden beginnt über das nahende Ende der Siedlung und warum man sie retten sollte, nicken erst alle, bald stimmen sie ein. Sie stellen Fragen, erzählen oder machen ihrem Unmut Luft.

In der Kleingarten-Anlage in der Lerchenau standen einst 62 Häuser, übrig sind heute 20. Die meisten der Parzellen dürfen nur als Garten genutzt werden, einige der Bewohner haben aber lebenslanges Wohnrecht. Allerdings haben die Immobilienfirmen CA Immo und Büschel, denen das Areal inzwischen zu unterschiedlich großen Teilen gehört, andere Pläne: Hier soll ein Wohngebiet entstehen. Und im Prinzip ist das eine besiegelte Sache, das Planungsreferat der Stadt verfolgt die gleiche Idee.

Doch so leicht wollen die Menschen im Eggarten nicht aufgeben. Martin Schreck hat im Bezirksausschuss mehrere Anträge gestellt, die den Schutz der Siedlung zum Ziel haben. Erstens soll demnach die Baumschutz-Verordnung auf das Gebiet ausgeweitet werden. "900 Bäume sollen hier gefällt werden – abgesehen von den ökologischen Folgen, ist das doch Wahnsinn", sagt Schreck.

Werden die Gärten absichtlich nicht verpachtet?

Zweitens soll die städtebauliche Erhaltungssatzung auf die Kolonie angewandt werden. Damit würde die gewachsene Struktur geschützt. In einem dritten Antrag schließlich will Schreck prüfen lassen, welche eventuell schützenswerten Tiere und Pflanzen hier vorkommen. Der Spaziergang durch die Siedlung führt über nicht asphaltierte Straßen, vorbei an Häusern aus der Zwischenkriegszeit in Gärten mit blühenden Forsythien. Hier und da lacht ein Gartenzwerg. Adolf Vogl lehnt an seinem Gartentor, gerade ist er dabei, ein Beet für Setzlinge vorzubereiten. Seit 48 Jahren lebt er hier – freiwillig will er nicht gehen.

"Dahinten hat früher der Alois gewohnt, der war Taubenzüchter", erinnern sich die Eggarten-Nachbarn im Gespräch. Überhaupt fallen viele Vornamen in den Unterhaltungen: "Da wohnt die Birgit, dahinten ist der Garten vom Peter."

Allerdings ist auch deutlich zu sehen: Viele der Gärten sind heruntergekommen und verwildert. Die würden ja auch seit Jahren absichtlich nicht mehr verpachtet, ist man sich einig. "Klar gehört hier aufgeräumt", sagt auch Schreck und schlägt vor: "Zum Beispiel könnten Künstler die Parzellen wiederbeleben."

So sehr sie sich in den Jahrzehnten an ihre Siedlung gewöhnt haben und sie lieben – die Ansässigen sind nicht rigoros gegen jede Veränderung.

"Wir wollen unser Bürgerrecht einfordern, mitzureden"

"Wir wollen einbezogen werden. Und wenn wir schon gehen müssten, könnte man doch wenigstens einen Park schaffen", sagt eine Dame, die seit vielen Jahren hier einen Garten hat. Martin Schreck ist deutlicher: "Es ist eine Unverschämtheit, dass die Bürger hier wiedermal nicht mit einbezogen, sondern immer nur informiert werden", ärgert er sich. Unter den Anwesenden findet er offene Zustimmung, eine Unterschriftenliste geht herum. "Können wir davon Kopien haben – dann können wir noch mehr sammeln", schlägt eine Frau vor. Doch was haben sie jetzt vor? "Wir wollen unser Bürgerrecht einfordern, mitzureden", sagt Schreck.

Das Planungsreferat verspricht zumindest das: In den weiteren Planungsschritten sollen sowohl den Feldmochingern, als auch den Moosachern noch mehrmals Gelegenheit zur Beteiligung gegeben werden. In einem Garten stehen kleine Festzelte und Bierbänke – Vorbereitungen für das Treffen des Motorrad-Clubs, das seit langem Tradition ist. "Leider sind es keine Hells Angels – die könnten vielleicht was machen", scherzt einer der Anwesenden. Stattdessen wollen die Gartler und Bewohner jetzt selbst kämpfen. Fardane Alidemi ist seit 13 Jahren hier und wünscht sich: "Der Eggarten soll auch für die Generationen nach uns bleiben."

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