Kampf gegen Vorurteile Mittelschule Schönbrunn: Der tägliche Kraftakt

Gemeinsam lernen – gemeinsam feiern: Mit Veranstaltungen wie dem Maifest will man in Schönbrunn die Schulfamilie stärken. Foto: Bernhard Beez

Mittelschulen haben einen schlechten Ruf. Sie gelten als Auffangbecken und sozialer Brennpunkt zugleich. Doch welche Probleme beschäftigen die Schulen tatsächlich? Schönbrunns Rektor Sebastian Hutzenthaler spricht über Vorurteile.

Landshut - Es ist manchmal eine Frage der Kapazitäten: Überaus viele Wahlfächer, kann die Mittelschule Schönbrunn deshalb nicht anbieten. "Darunter leidet schon ein wenig die musische und sportliche Bildung", sagt Sebastian Hutzenthaler, Leiter der Mittelschule Schönbrunn.

Dies habe zur Folge – etwa durch den Mangel an künstlerischen Darbietungen –, dass die Mittelschulen in der Öffentlichkeit im Vergleich zu anderen Schularten deutlich unterrepräsentiert wirken. Dabei wird häufig übersehen, dass bei allen Problemen gerade an den Mittelschulen auch sehr viel Wichtiges und Positives für die Kinder und Jugendlichen geleistet wird.

Mittelschule Schönbrunn: Viele Schüler haben massive sprachliche Defizite

Sozialer Brennpunkt, Schlägereien, Gewalt gegen Lehrkräfte, überforderte Pädagogen – dieses Bild hat sich in den vergangenen Jahren bei vielen Menschen eingebrannt, wenn sie das Wort Mittelschule hören. "Das ist ein totaler Schmarrn", sagt Sebastian Hutzenthaler. "Natürlich kommt es auch bei uns mal zu Rangeleien oder auch einer kleinen Schlägerei auf dem Schulhof. Aber bestimmt nicht öfter oder schlimmer als an anderen Schulen."

Dabei verschweigt er nicht, dass man in den vergangenen Jahren wegen zahlreicher Kinder mit Migrationshintergrund an der Mittelschule Schönbrunn mit großen Problemen fertig werden musste. "Es gab Zeiten, in denen wir gar nicht mehr gewusst haben, wie wir mit einer solch immensen Herausforderung klarkommen sollen", sagt Hutzenthaler. Wie an den meisten Schulen ist der Anteil an Migrationskindern auch in Schönbrunn groß, liegt aktuell bei circa 50 Prozent. "Das alleine sagt aber noch nichts aus – schließlich haben auch Kinder aus Österreich einen Migrationshintergrund", sagt der Schulleiter.

Ein Viertel der insgesamt gut 400 Schüler in Schönbrunn weise aber erhebliche sprachliche Defizite auf, zum Teil seien die Kinder noch gar nicht alphabetisiert. Hutzenthaler: "Da wird es dann schon heftig."

In Schönbrunn konnte man für diese Kinder Übergangsklassen einrichten, sodass die Schüler ganz individuell gefördert und gefordert werden können. "Wir sind die Sache ganz offen angegangen, das ganze Kollegium hat super mitgezogen. Das ist auch genau der Geist, den ich an der Schule haben möchte", sagt Hutzenthaler. Und dadurch komme man nun, nachdem sich auch die politische Situation in Bezug auf Zuwanderung deutlich entspannt hat, mit der Situation recht gut klar.

Schulleiter: Neue Schüler müssen sofort aufgefangen werden

Womit Hutzenthaler bei den positiven Aspekten an den Mittelschulen angekommen ist. "Wir können auf die einzelnen Schüler sicher besser eingehen, als dies an anderen Schularten der Fall ist. Allein schon durch das Klassleiterprinzip ist gewährleistet, dass Kinder und Eltern einen festen Ansprechpartner haben."

Wichtig ist für ihn, dass den "Neuen" von Beginn an sofort die Furcht vor dem Start an der neuen Schule genommen wird. "Wir sind extrem bemüht, vor allem die Fünftklässler sofort aufzufangen. Das sind Kinder, die in der Grundschule oft schulische Misserfolge erleben mussten. Diejenigen gilt es, neu zu motivieren." Und zugleich den Eltern klar zu machen, dass mit dem Besuch einer Mittelschule das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht sein muss.

Hutzenthaler: "Die Durchlässigkeit, von der in der Politik so oft die Rede ist, die gibt es im bayerischen Schulsystem tatsächlich." Vom einfachen Quali könne man über die Mittlere Reife völlig problemlos den Sprung an die Fachoberschule anstreben. "Das sind mittlerweile 30 Prozent von allen, die bei uns die Mittlere Reife schaffen."

Und wahrscheinlich könnten es sogar noch mehr sein, wenn nicht aktuell die Unternehmen händeringend auf der Suche nach Auszubildenden wären. Auch ein Umstand, der den Mittelschulen sehr hilft, wie Sebastian Hutzenthaler betont: "Das Schlimmste ist für uns, wenn aufgrund einer schlechten wirtschaftlichen Lage unsere Absolventen keine berufliche Perspektive haben. Das war vor vielen Jahren so, als einmal nur drei Schüler von allen, die unsere Schule verlassen haben, einen Ausbildungsplatz bekommen haben. Da fühlt man sich dann richtig rat- und hilflos." Dies ist heute zum Glück völlig anders: "Den Schülern stehen alle Wege offen – das ist die Kernbotschaft."

Was würde sich der Schulleiter denn vonseiten der Politik als Unterstützung wünschen? Hutzenthaler muss da nicht lange überlegen. "Wir sind in Bezug auf Sozialarbeit, Berufseinstiegsbegleitung sehr gut ausgestattet. Wir können auch relativ kleine Klassen mit zum Teil unter 20 Schülern aufstellen. Das ist sehr gut. Aber zugleich frisst uns das die zur Verfügung stehenden Unterrichtsstunden weg – und das ist schade, weil wir dadurch, wie eingangs erwähnt, im musischen und sportlichen Bereich praktisch keine Wahlfächer anbieten können."

Aber genau das gehöre ja auch zu einem gut funktionierenden Schulleben, findet Hutzenthaler. In Schönbrunn geht man deshalb nun vermehrt den Weg, durch Feste wie die Waldweihnacht oder das Maifest die Schulgemeinschaft zu stärken.

Hutzenthaler: Die Bezahlung der Lehrkräfte gehört angeglichen

Zum anderen würde er sich wünschen, dass die Bezahlung der Lehrkräfte angeglichen wird. "Dass die Lehrer an Grund- und Mittelschulen schlechter bezahlt werden als die Lehrer an Gymnasien, das versteht wirklich niemand", sagt Hutzenthaler. "Nicht einmal die Politiker, mit denen ich darüber rede. Aber trotzdem passiert da nichts."

Passieren wird dagegen in naher Zukunft etwas mit dem Standort. Denn die Mittelschule Schönbrunn müsste eigentlich saniert werden, allerdings wurde nach eingehender Untersuchung festgestellt, dass ein Neubau wirtschaftlich günstiger wäre – wodurch eine Sanierung nicht förderfähig wäre.

Gemeinsam mit der Stadt hat man nach einer Lösung gesucht und ist zu dem Entschluss gekommen, dass die Mittelschule nach Fertigstellung der neuen Realschule im Westen der Stadt in die dann leerstehende Realschule an der Christoph-Dorner-Straße einziehen wird.

Sebastian Hutzenthaler sieht dies mit gemischten Gefühlen: "Die Realschule ist für unsere Größe und Belange sicher sehr gut geeignet. Aber uns tut es natürlich schon weh, wenn wir diesen Standort verlassen müssen."

In etwa vier Jahren wird es soweit sein, dann soll der Umzug erfolgen. Und Sebastian Hutzenthaler und seine Kollegen werden sich bemühen, die Erfolgsgeschichte der Mittelschule Schönbrunn, die dann allerdings nicht mehr so heißen wird, an neuer Stelle fortzuschreiben.

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