Kampagne der Staatsregierung Ministerin Michaela Kaniber propagiert "Saustall München"

Laut Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber ist man bereits auf der Suche nach einem passenden Grundstück, auf welchem den Städtern ein "direkter Zugriff zur Landwirtschaft eröffnet" werden soll. Foto: imago/image broker, Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Michaela Kaniber plant das Projekt "Saustall München". Welche Ziele die Ministerin für Landwirtschaft mit dieser Kampagne verfolgt – und was die Opposition davon hält.

 

München - Mitten in München soll nach dem Willen der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) ein "Saustall" entstehen, und das mit Unterstützung der gesamten bayerischen Staatsregierung.

Das Projekt "Saustall München" ist Teil einer mit fünf Millionen Euro unterlegten Imagekampagne, mit welcher laut Ministerin "Stadt und Land wieder zueinander geführt" werden sollen. Denn auch mit dem erfolgreichen Volksbegehren Artenschutz sei die "Spaltung zwischen Stadt und Land immer mehr voran geschritten", sagte Kaniber vor Kurzem in München.

"Saustall München": Suche nach passendem Grundstück läuft

Es herrsche unter den Bauern eine "tiefe Betroffenheit", weil sie permanent als "Bodenvergifter, Tierquäler und Subventionsabgreifer" verunglimpft würden, beschrieb die Ministerin die Stimmung. Sie selbst allerdings werde "kaum" beschimpft.

Die jetzt beschlossene Imagekampagne solle helfen, das Bild der Landwirtschaft wieder zurechtzurücken, auch der konventionellen. Geplant seien Informationskampagnen auf allen Kanälen, vom Info-Bus bis zu den Sozialen Medien und Kunstinstallationen.

Als sichtbarstes Zeichen wolle man einen "Saustall mitten in München ansiedeln". Man sei bereits auf der Suche nach einem passenden Grundstück, auf welchem den Städtern ein "direkter Zugriff zur Landwirtschaft eröffnet" werden solle.

Streibl: "Ländlicher Raum leistet unvorstellbar viel"

Die Inhalte der Kampagne könnten mitunter durchaus "provokant" daher kommen, um die Bürger zum Nachdenken zu bringen, kündigte Kaniber an. So handele der Verbraucher widersprüchlich, wenn er die brennenden Regenwälder in Südamerika beklage, aber gleichzeitig argentinische Steaks nachfrage.

Der Vorsitzende der Fraktion der Freien Wähler im Landtag, Florian Streibl, begrüßte die vorgesehene Informations- und Imagekampagne für die bayerischen Landwirte ausdrücklich. Der ländliche Raum leiste "unvorstellbar viel", sagte Streibl.

Von der regionalen Produktion gesunder Lebensmittel über die Bereitstellung von Trinkwasser, den Hochwasserschutz und die Versorgung mit Energie aus erneuerbaren Quellen bis hin zu hochwertigen Freizeit- und Erholungsangeboten.

SPD-Kritik: Stoff für Kanibers Instagram-Account

Die Landtags-SPD blieb unbeeindruckt. Landwirtschaftsministerin Kaniber bleibe die "Showministerin" der Staatsregierung, erklärte Fraktionsvorsitzender Horst Arnold. Notwendig sei eine Neuausrichtung der Agrarpolitik statt einer "Befeuerung des Instagram-Accounts der Ministerin" mit fünf Millionen Euro.

Jahrelang habe es Fehlentscheidungen in der Landwirtschaftspolitik wie eine exzessive Förderung von Großbetrieben und Toleranz gegenüber industriellen Tierhaltungsanlagen gegeben, so Arnold: "Und jetzt fällt der Staatsregierung ein, dass die Branche eine staatlich geförderte Imagekampagne braucht."

Unterstützung für regionale Wertschöpfungsketten

Unterstützen will die Staatsregierung auch die regionalen Wertschöpfungsketten, unabhängig davon, ob die landwirtschaftlichen Produkte aus Bio- oder konventioneller Erzeugung stammen. Sie selbst wolle beispielsweise Großkantinen dazu bewegen, den Anteil regionaler Produkte im Angebot zu Lasten von "Convenience"-Lebensmitteln zu vergrößern, sagte Ministerin Kaniber.

Ziel sei ein 50-Prozent-Anteil an regionalen und/oder ökologischen Lebensmitteln in den Kantinen. Unterstützt werden sollen zudem Direktvermarktung und Allianzen mit Lebensmittelhandwerk und Gemeinschaftsgastronomie, um "kurze regionale Wirtschaftsabläufe" zu schaffen. Für Müller, Metzger, Bäcker und Gastronomen böten sich dabei gute Chancen zur lokalen Profilierung, so Kaniber.

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