Justus, Bob und Peter live in der Olympiahalle Die ??? : alptraumfreie, Nostalgiegruselparty

Andreas Fröhlich (li., Bob Andrews), Oliver Rohrbeck (Justus Jonas) und Jens Wawrczeck (Peter Shaw). Foto: Christian Hartmann/Europa/dpa

Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich füllen als „Die drei ???“ die Olympiahalle

 

Es mag nicht für jeden ein Kompliment sein, wenn er hört, seine Arbeit sei zum Einschlafen. Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich tragen diesen „Makel“ aber stolz. Die drei Synchronsprecher, die so ziemlich jedem, der in seiner Kindheit einen Kassettenrekorder besaß, als die Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews bekannt sind, nehmen die Angewohnheit ihrer Fans vielleicht auch deshalb eher gelassen, weil sie es geschafft haben, 16 zu bleiben – und das seit 40 Jahren.
Die „Drei ???“ – ihre gruselige Ermittlungsgeschichten sind mit über 50 Millionen verkauften Tonträgern und über 150 Gold- und Platinschallplatten die erfolgreichste Hörspielproduktion der Welt – geben sich in München aber alle Mühe, ihre Fans wachzuhalten. Vor 12 000 Menschen in der ausverkauften Olympiahalle liefern sie ein gewohnt spannend-verworrenes Live-Hörspiel, das Nostalgie-Fest und riesengroße Übernachtungsparty in einem ist.

„Die drei Fragezeichen und der dunkle Taipan“

Im Gegensatz zu ihrer ersten Tournee-Produktion „Master of Chess“ (2002) zeigt sich die Bühnen-Evolution bei „Die drei Fragezeichen und der dunkle Taipan“: Drei riesige Fragezeichen als Hintergrund, schneidige schwarze Anzüge statt T-Shirts und deutlich mehr Effekte, seien es gruselige Geister auf Videoleinwänden oder versprühter weißer Rauch, der Übernatürliches hinter einer Schranktür vermuten lässt.

Unsere Helden im Stahlkäfig

Passend zum 40-jährigen Jubiläum gerät Rohrbeck alias Justus Jonas zu Beginn der von Andreas Fröhlich eigens für die Bühne verfassten Folge in eine Midlife-Crisis: Bei den drei Fragezeichen herrscht Flaute, ein neuer Fall ist nicht in Sicht, was das oft verspottete Dickerchen – Bodyshaming scheint den Hobby-Detektiven kein Begriff zu sein – dazu veranlasst, die Wohnung zu vermüllen. Bis ein mysteriöser Anrufer aus dem Gefängnis die drei auf die Fährte des „dunklen Taipans“ bringt. Der Taipan – eigentlich eine höchst giftige Natter – präsentiert sich zunächst als Dieb im Schlangenkonstüm und ist scheinbar für das Verschwinden verschiedenster Kunstwerke verantwortlich, die treuen Fans aus vergangenen Folgen geläufig sind.

Viele Zuhörer der ersten Stunden sind anwesend

Der Altersdurchschnitt zeigt, dass viele Zuhörer der ersten Stunden anwesend sind – und genau darauf setzt die Bühnenproduktion. Zahllose Referenzen auf 200 Folgen vermischen sich mit den liebevoll-menschlichen Charakteren der Protagonisten: Etwa Peter, der ewig Ängstliche, der keinen Fuß über die Schwelle eines Hotels setzen will, in dem es angeblich spukt und vom stets altklug-belehrenden Justus gedrängt wird. Dieser überzeugt den Hotelverwalter gewieft, ihnen Einlass zu gewähren, da Peter sich einer Angsttherapie unterziehen müsse.
Nach zahllosen Rätseln, Dechiffrierungen und Wendungen steckt hinter dem dunklen Taipan natürlich jemand ganz anderes als vermutet – und die Detektive finden sich vom Bösewicht gefangen in einem von Flammen beleuchteten Eisenkäfig wieder, der von der Bühne der Olympiahalle herunterhängt.

Fantastisch: der Erzähler Michael Prelle

Der Gruselzauber funktioniert perfekt, dank der die Hörspiele noch übertreffenden Meisterleistungen der Sprecher – nicht zuletzt von Erzähler Michael Prelle. Hinzu kommt ein 360-Grad-Klang, der einen das Grauen vor, hinter oder neben sich vermuten lässt, auch dank Geräuschemacher Jörg Klinkenberg. Humpelnde Holzbeinschritte und klappernde Küchenboards verkörpert er mit einfachsten Hilfsmitteln akustisch und es macht Spaß, ihm auch einmal dabei zusehen zu können.

Angstfrei vom Kindesalter zum Erwachsenen

Es ist vielleicht diese ureigenste Aufgabe des Detektiv-Trios, ihren kleinen (und größeren) Zuhörern die Angst vor Übernatürlichem zu nehmen und sie rational zu erklären, der die Zuschauer am Ende zu Standing Ovations treibt. Die „Drei ???“ versprechen, dass sie noch lange nicht aufhören wollen und rufen: „Schlaft weiter mit uns ein!“ Garantiert ohne Albträume.     

 

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