Jugendstudie "Generation What?" EU, Kirche, Sex: So tickt Europas Jugend

Das denkt Europas Jugend über die EU, die Kirche und Sex. Foto: BR

Migrationsdebatte, Brexit, Türkeikrise: Europa steht vor großen Herausforderungen. Doch was denken junge Menschen über diese Themen? Und sehen sie sich gerüstet für die Zukunft? Eine europaweite Jugendstudie versucht Antworten zu geben.

 

Sieht die schweigende Mehrheit Europa vor dem Ende? Was nach einer Parole von Marine Le Pen, Geert Wilders oder Viktor Orbán klingt, ist das Ergebnis einer europaweit durchgeführten Jugendstudie von der Europäischen Rundfunkunion. Für "Generation What?" wurden fast eine Million junge Menschen zwischen 18 und 34 Jahren befragt, was sie von der Politik, Institutionen und gesellschaftlichen Streitfragen halten.

Das Ergebnis ist ebenso eindeutig wie erschreckend: 82 Prozent der jungen Menschen in Europa haben kein Vertrauen in die Politik. Dabei unterscheiden sich die Länder stark voneinander. Während in Deutschland nur 23 Prozent dieser Ansicht sind, liegt dieser Wert in Griechenland, Frankreich und Italien deutlich höher. Laut den Autoren der Studie liegt das vor allem an der sozialen Ungleichheit, die von den politisch Verantwortlichen nicht beseitigt werden kann.

Wenig Vertrauen in die Kirche

Neben der Politik haben die Befragten besonders über die Medien und die Kirche eine besonders schlechte Meinung. Nicht einmal drei Prozent der jungen Menschen vertrauen religiösen Institutionen vorbehaltlos.

Wer jetzt faulenzende Jugendliche in der (sozialen) Hängematte vor Augen hat, der täuscht sich. Denn ungebrochen ist weiterhin das Engagement der Jugendlichen: Ein großer Teil von ihnen kann sich vorstellen, Mitglied einer politischen Gemeinschaft oder einer Nichtregierungsorganisation zu werden.

Europäische Union: Besser als nichts

Generell zeigen sich die Jugendlichen wenig begeistert von der europäischen Union, ein Austritt kommt für sie dennoch nicht in Frage - lediglich jeder sechste plädiert dafür. Die Macher der Untersuchung erklären dies folgendermaßen: "Trotz ihrer Fehler wird die Europäische Union von dem Großteil der jungen Europäer als nützlich für das eigene Land wahrgenommen. Man verbindet mit der EU aber nicht die Hoffnung, dass sie Lösungen zu den drängenden Problemen unserer Zeit findet."

Sex mit Unbekannten ist beliebt

Auch Aspekte aus dem Privatleben der Menschen waren Teil der Studie: Erstaunlich sind insbesondere die Aussagen zu Liebe und Partnerschaft - ein Viertel kann sich ein Leben ganz ohne Sex vorstellen. Je älter die Befragten allerdings sind, desto mehr spielt auch das Liebesleben eine wichtige Rolle.

Mehr als die Hälfte der Jugendlichen hatte schon einmal Sex mit Unbekannten oder kann sich ein solches Szenario gut vorstellen, allerdings scheint es eher eine Männer-Fantasie zu sein. Selbiges gilt übrigens für ein Liebesspiel mit drei oder mehr Personen: Fast 60 Prozent der Frauen haben daran kein Interesse.

Begeistert zeigt sich Europas Jugend dagegen beim Thema Sexspielzeug: "Genau mein Ding", sagt ein Drittel der jungen Europäer. Und rund die Hälfte derjenigen, die noch nicht experimentiert haben, würden es gerne ausprobieren. Immerhin hier zeigt sich Europas Jugend einer Meinung, denn Länderunterschiede gibt es kaum.

Fazit: Es wird schon schief gehen

Ein insgesamt positives Fazit gibt es aber dennoch: Trotz aller Widrigkeiten blickt die Jugend Europas positiv in die Zukunft. "Das junge Europa ist mit zahlreichen Krisenerfahrungen aufgewachsen: dem 11. September 2001, dem Platzen der Internetblase, dem Crash der Finanzmärkte, der Klimaproblematik und zuletzt der Flüchtlingssituation. Die junge Generation hat gelernt, pragmatisch mit Ungewissheiten umzugehen."

Ein Begleitvideo zur Studie finden Sie hier.

Lesen Sie hier: Parteien im Sozialpolitik-Wettstreit - Der (Wahl)Kampf ums Kümmern: Wer fordert was?

 

0 Kommentare