Jugend-Wohngruppe in Rheinland-Pfalz Erzieherinnen halten Kinder kopfüber in Kloschüssel

Zwei Erzieherinnen sollen Kinder, die ihnen in anvertraut waren, zur Strafe in die Kloschüssel getaucht haben. Foto: dpa

Zwei Erzieherinnen einer Jugendhilfe-Wohngruppe sollen Kinder zur Strafe kopfüber in die Toilettenschüssel getaucht haben. Es ist nur einer von vielen Vorwürfen an die Einrichtung im rheinland-pfälzischen Daleiden, gegen die nun die Staatsanwaltschaft ermittelt.

 

Trier/Daleiden – Eigentlich sollten sich die Pflegekinder, die in der Wohngruppe im rheinland-pfälzischen Daleiden untergebracht sind, geborgen fühlen. Doch was in der Jugendhilfe-Einrichtung in der Eifel passiert sein soll, hat mit einer liebevollen Umgebung überhaupt nichts zu tun: Weil sie Kinder, die in der Einrichtung untergebracht waren, in unangemessener Weise bestraft haben sollen, hat die Staatsanwaltschaft zwei ehemalige Erzieherinnen im Alter von 26 und 29 Jahren angeklagt.

Mehrmals sollen sie Kinder kopfüber in eine Toilettenschüssel gehalten haben, wie die Staatsanwaltschaft Trier am Donnerstag mitteilte. Den beiden Erzieherinnen wird Nötigung vorgeworfen. Zwei weitere Mitarbeiter der Einrichtung in Daleiden sollen nach dem Willen der Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe zahlen. Gegen sie wurde Strafbefehl beantragt.

Wie die Staatsanwaltschaft Trier mitteilt, kam es zu zwei kritischen Vorfällen: Auslöser für die Bestrafung sei im ersten Fall gewesen, dass das Kind, das in die Kloschüssel getaucht wurde, zu laut war. Der zweiten Strafe sei eine "Wasserschlacht" vorausgegangen, die sich die Kinder nach dem Mittagessen geliefert haben. Eigentlich ein harmloser Spaß.

Die Kinder wurden dafür offenbar an Armen und Beinen ergriffen und kopfüber bis zum Haaransatz in die Toilettenschüssel gehalten. Dann wurde die Spülung betätigt, so dass die Haare der Kinder nass wurden.

Eine Mitarbeiterin wird verdächtigt, ein Kind geschlagen zu haben

Doch damit hören die Anschuldigungen nicht auf: Der 29-jährigen Erzieherin wird außerdem vorgeworfen, sie habe einen ihrer Schützlinge Zimmerarrest erteilt, auf einer am Boden liegenden Matratze schlafen lassen und angeordnet, dass er nur Wasser und Brot bekommt. Weil er sie zuvor beleidigt hatte, wollte sie damit eine Entschuldigung erzwingen. Zwei Tage verbrachte der Junge in seinem Zimmer, das jedoch nicht abgeschlossen war. Eine der anderen Erzieherinnen versorgte ihn heimlich mit Essen.

Gegen den Hausmeister besteht laut Staatsanwaltschaft der Tatverdacht zu Körperverletzung und Nötigung: Er soll sich über ein Kind so geärgert haben, dass er es auf den Boden warf und dort mit Gewalt festhielt. Gegen weitere Mitarbeiter und Verantwortliche der Einrichung wird ermittelt, eine Mitarbeiterin steht im Verdacht, ein Kind geschlagen zu haben.

Die Ermittlungen waren nach einer Strafanzeige des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung in Rheinland-Pfalz im Mai 2015 in Gang gesetzt worden. Zunächst bestand der Verdacht der Misshandlung von Schutzbefohlenen, der sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft aber nicht erhärtete. Die private Jugendhilfe-Einrichtung hat Medienberichten zufolge inzwischen keine Betriebserlaubnis mehr.

 

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