Jubiläums-Ausstellung Blumenau: Ein Viertel wird 90

Inge Wiederhut vom Blumenauer Archiv stellt alte Fotos aus ihrer Siedlung aus. Foto: Daniel von Loeper

Schöne und tragische Geschichten prägen die Jahrzehnte der Blumenau. Seit Donnerstag gibt es dazu eine Ausstellung.

 

Hadern - Selbstgebaute Häuser, schlichtes Leben und der schreckliche Zweite Weltkrieg: Neun Jahrzehnte Geschichte hat die Siedlung Blumenau am nördlichen Rand Haderns. Die kann man nun in einer Ausstellung erleben. Am Donnerstagabend startet die Ausstellung von Inge Wiederhut zum Thema "90 Jahre Blumenau" in der Rolf-Pinegger-Straße 5. Berührende Geschichten zu historischen Bildern erwarten die Besucher.


Schätze aus dem Blumenauer Archiv: Ein Bild eines alten Wäscherei-Wagens. Foto: Aussteller

Die Herkunft des Namens "Blumenau", der auch das Schild der Haderner Autobahnausfahrt schmückt, bleibt trotz Nachforschungen in den Archiven und Dokumenten privater Anwohner bis heute ungeklärt. Bereits in den ältesten gefundenen Dokumenten von 1927, als die ersten Siedler in der Blumenau ihre Häuser selbst bauten, steht der Name.

1938 wurden Hadern, Pasing und Feldmoching in München eingemeindet. Vom Krieg blieb die Blumenau größtenteils verschont, wobei einige Bomben der Alliierten als Blindgänger Angst, Schrecken und Tote in der Siedlung zur Folge hatten.

Von Anfang der 60er Jahre an und durch Maßnahmen für die Olympischen Spiele 1974 verbesserte sich dann die Infrastruktur stark. Heute ist die Blumenau eine moderne Wohnsiedlung mit Ein- und Mehrparteienhäusern. Von den historischen Häusern aus schweren Ziegelsteinen und den alten Schuppen sind nur wenige übrig geblieben.

In der Ausstellung ist der Lauf der Geschichte dokumentiert, vom Bau der Häuser in den 20er Jahren bis zur Siedlung heute. Die AZ gibt vorab schon einmal einen kleinen Einblick und zeigt Bilder aus der Ausstellung.

Häuserbau - jeder packte mit an

In den 20er Jahren begannen die Siedler in der Blumenau ihre Häuser selber zu bauen. Dabei hatte das gegenseitige Helfen einen hohen Stellenwert. Weil im Boden bereits in geringer Tiefe eine Kiesschicht zu finden war und die Menschen keine Geräte, sondern nur einfache Werkzeuge und ihre Hände zur Verfügung hatten, wurden die Häuser im Hochparterre und ohne Keller gebaut.


Im Hintergrund: Unterkünfte während der Bauphase. Foto: Aussteller

Inge Wiederhut erzählt, dass ein gelernter Maurer, der mit seiner Familie 1928 in der Blumenau sein Haus baute, später einer der ersten Häftlinge im Konzentrationslager Dachau war. Der Kommunist kam nach eineinhalb Jahren frei und lebte bis an sein Lebensende, Jahrzehnte nach dem Krieg, in seinem Haus in der Siedlung.

Der überlebenswichtige Kramerladen

Wenige Jahre nachdem die ersten Siedler in die Blumenau zogen, nämlich im Jahr 1931, kaufte die Familie Stenzer das auf dem Foto zu sehende Haus und eröffnete gleich den kleinen Kramerladen im Erdgeschoss. In den Zimmern darüber lebte die Familie.


Das Geschäft hat das gesamte Erdgeschoss eingenommen. Foto: Aussteller

Wiederhut erzählt, dass das Haus immer weiter ausgebaut wurde und der Laden stetig wuchs. Dies liegt nicht zuletzt an der großen Bedeutung, die das kleine Geschäft für die anfänglich zirka 150 Bewohner der Blumenau hatte: Sie waren darauf angewiesen, denn alles, was man nicht selber anbauen, produzieren oder halten konnte, kaufte man im Geschäft der Familie Stenzer.

Aber es war nicht einfach nur ein Laden, erklärt die gebürtige Giesingerin. Man traf sich auch dort, um sich miteinander zu unterhalten, die neuesten Nachrichten auszutauschen und den Kontakt in der Siedlung zu pflegen.

Im heimischen Garten: Mehr Stall als Gartenhaus

Die Menschen erzeugten bis Mitte des 20. Jahrhunderts all das selbst, was sie konnten: Obst und Gemüse, später sogar Tabak, wurden angebaut, aber auch Kleintiere wie beispielsweise Hühner wurden gehalten.


Unter diesen Dächern wurden Tauben gehalten. Foto: Aussteller

Die Schuppen im Garten waren daher nicht nur für die Aufbewahrung von Gerätschaften da, sondern eben auch zur Tierhaltung wichtig. Inge Wiederhut erzählt von Menschen, die verbotenerweise eine Sau hielten – doch in der Nachbarschaft akzeptierte man das Risiko von Strafen und gab sich gegenseitig Deckung. Denn man wusste, dass man dafür auch ein Stück von dem Fleisch bekommen würden, sagt sie.

 

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