Jonathan Wallace Verwirrung im Schilderwald

Jonathan Wallace. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Bayern-Basketballer Wallace über Pleiten, Druck, den Titel – und das Leben in München

 

AZ: Herr Wallace, hätten Sie vor der Saison gedacht, dass die Hinrunde des FC Bayern derart schief geht?


JONATHAN WALLACE: Ich verstehe, dass alle von uns Siege erwarten, aber glauben Sie mir, das wollen wir auch. Wir hatten einige Tiefschläge, wie die vielen Verletzungen, einige unglückliche Niederlagen. Aber das ist im Sport ganz normal. Wir haben jetzt hoffentlich unser Pech für diese Saison aufgebraucht. Wie gut wir sind, wird sich zeigen, wie wir jetzt nach dieser hohen Niederlage in Tübingen zurückkommen.


Die Niederlage in Tübingen war der Tiefpunkt der Saison. Doch auch von den acht Auswärtsspielen zuvor haben Sie sieben verloren.


Auswärtsspiele sind schwer. Alle Gegner spielen gegen uns ihr bestes Spiel der Saison, jeder will gegen uns gewinnen. Aber das wissen wir und ab jetzt gelten keine Ausreden mehr: Wir müssen einfach besser spielen.


Sind sich alle Spieler ihrer Verantwortung bewusst? Wenn Sie nicht erfolgreich sind, könnte das Kapitel Basketball beim FC Bayern schnell wieder zu Ende sein.


Wir wissen, dass wir eine riesige Verantwortung haben und dass die Erwartungen groß sind. Aber gleichzeitig musst du das alles vergessen, so bald die Lichter in der Halle an sind. Dann zählt nur noch das Gewinnen, egal was die Leute um uns herum sagen. Bisher haben wir vielleicht zu viel darüber nachgedacht, damit muss jetzt Schluss sein.


In der letzten Saison waren Sie der umjubelte Aufstiegsheld, trotzdem holte der Ver neue Spieler für Ihre Position ein. Ein Vertrauensbruch?


Das war schon ein bisschen schwierig für mich. Aber ich habe mein Selbstvertrauen nie verloren, ich wusste, dass ich dem Team helfen kann. Ich versuche immer mein Bestes zu geben, egal wie viele Minuten ich auf dem Feld stehe.


Während sich Ihre Mitspieler in entscheidenden Spielphasen verstecken, übernehmen Sie die Verantwortung. Können Sie Ihren Mitspielern Ihre Kaltschnäuzigkeit lehren?


Das sieht nur von außen so aus. Angst hat niemand. Momentan habe ich großes Vertrauen in meine Würfe und das Team vertraut im Gegenzug mir.


Die Stars der Mannschaft sind trotz Ihrer guten Leistung andere. Stört Sie das?


Nein, ich sehe mich noch als jungen Spieler. Foster und Hamann zum Beispiel sind unsere absoluten Führungsspieler, die schon viel gewonnen haben. Zu denen schaue ich hoch. Wenn ich auf das Feld komme, dann um Ihnen eine Pause zu geben. Ich versuche dann immer das Niveau hochzuhalten, dass kein Bruch ins Spiel kommt.


Sie sind nun schon seit anderthalb Jahren in München – und damit fast schon ein Einheimischer.


Oh ja, ich fühle mich auch sehr wohl hier. Die Menschen sind alle sehr nett und behandeln einen sehr gut. Zum Glück habe ich ein Auto. Der ganze Schilderwald in den U-Bahnen verwirrt mich doch schon sehr.


Klingt so, als würden Sie gern noch eine Weile in München bleiben.


Ich kann es mir schon vorstellen. Aber momentan konzentriere ich mich auf diese Saison, dass wir um die Meisterschaft mitspielen.

In dieser Saison schon?


Ja definitiv. Wir haben gerade eine harte Zeit, aber das ist unser Ziel, ganz klar.

 

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