John Williams auf dem Königsplatz Anne-Sophie Mutter spielt "Across the Stars"

Anne-Sophie Mutter bei ihrem Konzert auf dem Königsplatz. Foto: Jens Niering

Die Geigerin Anne-Sophie Mutter und das Royal Philharmonic Orchestra mit Filmmusik von John Williams auf dem Königsplatz

 

Freiluftkonzerte sind immer Wetten auf das Wetter. Wer Mitte September in Süddeutschland unter dem Sternenhimmel „Star Wars“ spielen will, hat was von einem Hasardeur. Anne-Sophie Mutter hat gewonnen und womöglich sogar die Bank gesprengt: Am Samstag war es auf dem immer etwas zugigen Königsplatz lauer als in mancher Juli-Nacht. Und so stand dem Vergnügen mit der Musik von John Williams nichts im Wege.

Eine Steigerung bis zum Auftritt der Solistin war eingebaut. Das Royal Philharmonic Orchestra klang beim eingangs gespielten Main Theme aus „Star Wars“ ein wenig kraftlos. Der wackere Dirigent David Newman wirkte auch nicht gerade darauf aus, sinfonische Höhepunkte effektvoll zu zelebrieren. Prompt verpasste die Regie auf den Bildschirmen links und rechts der Bühne vor den Propyläen den effektvollsten Beckenschlag.
Dann noch das Thema aus „Jurassic Park“, und Anne-Sophie Mutter erschien. Sie holte einen grünen Geigenbogen wie das Lichtschwert aus dem Köcher und spielte Reys Thema aus dem achten Teil der Weltraumsaga. Die Tontechnik verliebte sich sogleich in den kraftvoll-saftigen Klang der Geigerin, und von nun an passte alles zusammen.

Die bei solchen Anlässen oft übermäßige Orchester-Beikost wurde kurz gehalten. Das Konzert orientierte sich weitgehend an der Ende August erschienenen CD „Across the Stars“ mit den vom Komponisten persönlich für Geige arrangierten Ausschnitten aus seinem Gesamtwerk – aber durchaus mit einem musikalischen Mehrwert über die frische Luft, das das Massenspektakel und Anne-Sophie Mutters vier spektakuläre Kleider hinaus.

Denn es gab, was man pompös eine Dramaturgie nennen darf. Die Geigerin gliederte ihren Auftritt in jeweils zwei Blöcke vor und nach der Pause, die in sich klassischen, dreisätzigen Violinkonzerten entsprachen, und vermied so jede Monotonie. Nach einem eher dramatischen Abschnitt mit viel sonorer G-Saite kam jedes Mal eine lyrische Nummer mit großer Steigerung im Zentrum, auf die ein virtuoses, tänzerisches Virtuosenstück nach der Art eines Final-Rondos folgte.

Musik, die sich nicht abnutzt

Die Musik von John Williams gibt es ohne Weiteres her. Sie lässt sich leicht hören, weil sie auf Bekanntes zwischen Richard Strauss und Prokofjew anspielt. Der Komponist liebt den satten Hörner-Sound im Stil von „Don Juan“ oder „Ein Heldenleben“. Die tänzerischen Nummern sind nicht nur gefällig, sondern haben im Fall von „Die Hexen von Eastwick“ oder „Hedwigs Theme“ aus „Harry Potter“ einen Zug ins Dämonische, der spätestens sein Tartinis Teufelstriller-Sonate und Paganinis Selbst-Inszenierung bei der Geigen-Virtuosität einfach dazugehört. Und in der bisher achtteiligen „Star Wars“-Saga hat Williams bewiesen, dass sich seine besten Melodien auch bei intensivem Gebrauch nicht abnutzen. Das ist und bleibt seine beste Musik.

Da lässt es sich aushalten, wenn zum dritten oder vierten Mal bei einem langsamen Stück die Geige auf einem flauschigen Harfenteppich einherschreitet. Schade ist allerdings, dass die Arrangements das Londoner Orchester zur reinen Begleitung der monologisierenden Solistin zurechtstutzen und kaum jemals ein echter Dialog mit einem Musiker vorkam. Dabei wirkt ein Superstar noch größer, wenn er hin und wieder mit seinem Umfeld menschlich redet.

Am Ende mit Schwung

Die mit Stacheldraht hässlich befestigte Kunstknastbaustelle der Glyptothek wurde sehr freundlich weggeleuchtet. Als Zugabe spielte Anne-Sophie Mutter ein Friedensgebet aus Steven Spielbergs Film „München“, der den palästinensischen Terroranschlag auf die israelische Olympiamannschaft von 1972 behandelt. Und weil es sich beim Königsplatz um kontaminiertes Gelände handelt, war es auch angemessen, einen Ausschnitt aus „Schindlers Liste“ erklingen zu lassen.

Das allerletzte Finale gehörte einem schwungvollen Marsch aus „Indiana Jones“ mit Anne-Sophie Mutter als einer Art Konzertmeisterin. Aber da der unverwüstliche „Imperial March“ aus "Star Wars" nun mal nicht für Geige zu bändigen ist, war es der maximale Spaß für die fast 8000 Zuhörer auf dem eher locker bestuhlten Platz. 

Daran, wie es gewesen wäre, wenn bei acht Grad Nieselregen gefallen wäre, wollen wir lieber gar nicht denken.

Die CD „Across the Stars“ erschien bei der Deutschen Grammophon. Das ZDF zeigt am 3. Oktober um 23.40 Uhr eine Aufzeichnung des Konzerts

 

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