John Friedmann Darum würde Erkan sein Buch nicht gefallen

John Friedmann hat den Roman "Das Blaue vom Himmel" geschrieben Foto: Frank Lübke

John Friedmann wurde durch die Kunstfigur Erkan Maria Moosleitner bekannt. Im Interview erzählt der Schauspieler nun, warum Erkan mit Johns Buch nichts anfangen könnte.

 

Voll krass, Erkan(n) schreiben! Die neue Marschrichtung des John Friedmann (43) hat so gar nichts gemein mit dem prolligen Analphabeten Erkan, dem er seinen Ruhm verdankt. Der Schauspieler veröffentlicht am 2. Februar mit "Das Blaue vom Himmel" (Droemer Knaur, 14,99 Euro) einen Roman, der unerwartet feinfühlig daher kommt.

"Erkan und John Friedmann sind zwei Paar Schuhe"

"Ich habe bewusst kein Schenkelklopfer-Buch geschrieben, denn sonst wäre ich ja wieder da, wo ich seit zehn Jahren versuche wegzukommen", erzählt Friedmann im Interview mit spot on news. "Erkan und John Friedmann sind nämlich zwei Paar Schuhe. Der Hype um die Figur hat mir im Nachhinein viel verbaut, weil sich lange niemand traute mich als Schauspieler ernsthaft zu besetzen. Das Schreiben hat mir geholfen ihn zu verarbeiten."

Erkan diente ihm über lange Zeit als Alter Ego, das ihm erlaubte über Grenzen zu gehen, die er privat nie genommen hätte: "Ich hatte zwar von Kindesbeinen an immer einen frechen Spruch auf den Lippen und wäre sicher auch für Ritalin prädestiniert gewesen, war aber zeitgleich auch sehr musisch unterwegs und sang im Knabenchor. Da wohnten immer zwei Seelen in meiner Brust." Eine Spaltung, die sich bis ins Erwachsenenalter nicht auflöste. "Als Erkan hatte ich daran oft ganz schön zu knabbern und war oft sehr melancholisch. Wenn du den ganzen Tag aufdrehst und den Clown gibst, dann fällst du abends schnell in ein dunkles Loch", meint Friedmann.

Vor zwölf Jahren traf er zum ersten Mal seinen Vater

Licht ins Dunkel des Mimen, der von seiner Mutter aufgezogen wurde, brachte schließlich die Begegnung mit seinem Vater, dem Modefotografen André de Plessel, der ihm vor zwölf Jahren das erste Mal gegenüber stand: "Dadurch haben sich für mich viele Fragen beantwortet. Früher habe ich mich oft gefragt, ob ich normal bin, weil meine Art zu denken und zu reden für viele nicht nachvollziehbar war. Ich habe von Kindesbeinen an immer polarisiert - entweder man hasste oder man liebte mich, aber man hat mich nie übersehen. Ich habe lange nicht verstanden, warum ich so anders bin als meine Umwelt. Durch die Begegnung mit meinem Vater hat sich dann vieles erklärt. Als kreativer Weltreisender ist er in vielen Punkten ganz ähnlich gestrickt wie ich."

Es war eine Begegnung, aus der mittlerweile etwas Wertvolles gewachsen ist: "Da gibt es keine Vorwürfe oder Schuldzuweisungen, wir sind einfach nur happy, wenn wir uns sehen. Wir empfinden diese späte Vaterschaft beide als Riesengeschenk." Ein Geschenk, das Friedmann erleichterte die Diskrepanz zwischen Schein und Sein anzugleichen.

Goldketten und Trainingsanzüge

Rein optisch ist ihm das allemal gelungen: "Ein paar Goldketten und Trainingsanzüge bewahre ich zwar aus Sentimentalität noch auf, aber mit meinen 43 Jahren bin ich zu weit weg von dieser Jugendkultur, als dass ich Erkan nochmal genauso aufleben lassen könnte. Heute trage ich Anzüge, rauche Pfeife, höre Jazzmusik und trinke Tee."

Deswegen bezweifelt er auch, dass Erkan sein Roman gefallen würde: "Ich glaube, da sind zu wenige Bilder drin für ihn. Erkan wartet lieber bis das Buch verfilmt ist, mit geiler Mucke und ein paar scharfen Bunnys. Aber den Plot würde er schon verstehen, denn Erkan hatte auch Sinn für ein paar leisere Töne. Ein klein wenig vom seinem Augenzwinker-Humor kommt darin auch vor." Sein Vater versteht das. Er hat den Roman natürlich bereits gelesen und auch für gut befunden: "Das bedeutet mir viel, denn mein Vater erzählt mir nicht das Blaue vom Himmel."

 

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