Jewrovision Europas größter jüdischer Sing- und Tanzwettbewerb in München

Die Teilnehmer vom jüdischen Jugendzentrum studieren ihre Choreographie ein. Die Münchner treten als Titelverteidiger an. Foto: Petra Schramek

Am Samstag treten 800 Jugendliche aus 40 jüdischen Gemeinden zum bundesweiten Wettbewerb in München an. Die Münchner Gemeinde probt täglich - sie will ihren Titel verteidigen. Ein Besuch.

 

Altstadt - Rockige Beats hallen durch die weiten gefliesten Gänge. Hier, im Untergeschoss der Jüdischen Kultusgemeinde, trainieren elf jugendliche Tänzer und Sänger für ihren großen Auftritt.

"Achtet auf eure Hände“, ruft ihnen Alina Kerzner (23) vom hinteren Ende des Raumes zu: „Alle einheitlich: So!“ Die ehrenamtliche Mitarbeiterin streckt ihren Arm in die Höhe, und die vier Sänger in der vorderen Reihe tun es ihr gleich. Diesmal passt es, und wieder drehen und springen sie durch den Raum, halten sich in den Armen und singen dabei aus voller Kehle.

Ein Choreograph, eine Theaterpädagogin und eine Musikkoordinatorin haben die Bühnenshow zusammen entworfen, nichts bleibt fürs Finale dem Zufall überlassen.

Die elf- bis 16-Jährigen wollen beim „Jewrovision Song Contest“, Europas größtem jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerb, am kommenden Samstag (2. März) den Titel nach München holen – so wie im vergangenen Jahr.

Unter dem Motto „The Future is Now“ („Die Zukunft ist jetzt“) werden rund 800 Jugendliche aus über 40 jüdischen Gemeinden Deutschlands in der Landeshauptstadt gegeneinander antreten. Seit 2002 fördern die jüdischen Gemeinden in Deutschland so die Jugendbegegnung zwischen den Städten und versuchen, die Jugendlichen mehr in ihre Gemeinden einzubinden. Dieses Jahr wird der „Jewrovision“ erstmals vom Zentralrat der Juden selbst ausgerichtet.

Das jüdische Jugendzentrum München, das den Namen Neschama (hebräisch für „Seele“) trägt, ist seit 2007 regelmäßig dabei. Damals holte die Gruppe auf Anhieb den ersten Platz, im letzten Jahr klappte es erneut.

Um ihren Titel zu verteidigen, üben die Jugendlichen seit Ende Oktober regelmäßig, mittlerweile fünfmal pro Woche. „Mit dem Lernen für die Schule wird es da schon manchmal eng“, gibt Alex zu, der als Tänzer im Finale dabei sein wird. „Das mache ich meistens in der Tram auf dem Schulweg.“

Trotz des Aufwands für die Proben wollte der 15-Jährige aber unbedingt wieder beim „Jewrovison“ mitmachen. Alex sagt: „Durch die Proben sind wir zu einer richtigen Familie zusammen gewachsen. Man sieht sich so oft, stellt zusammen was auf die Beine, das finde ich toll.“

Genau darum geht es auch Galina Ivanizky, die im Jugendzentrum Neschama für das Projektmanagement zuständig ist: „Wir wollen die Jugendlichen von ihren Computern weg holen und sie für das begeistern, was hier draußen im echten Leben passiert.“

Durch das Engagement für „Jewrovison“ seien die Teilnehmer viel selbstbewusster geworden, meint Ivanizky begeistert. „Sie haben gelernt, Verantwortung zu übernehmen, für die Gruppe und für das Projekt.“

So haben die Jugendlichen dieses Jahr auch zum ersten Mal ihre Texte komplett selbst geschrieben. „Wir sind die Zukunft“, singen sie, dem Motto entsprechend. Selbst wenn es am Samstag nicht zum Sieg reicht, sehen sie sich durch das gemeinsam erarbeitete Projekt schon heute als Gewinner. „Durch ,Jewrovision' sind echte Freundschaften entstanden“, sagt Alex, „die halten auch, falls wir nicht Erste werden“.

Jewrovision: Samstag, 2. März, 20.45 Uhr (Einlass ab 20.15 Uhr) in der Kleinen Olympiahalle, Spiridon-Louis-Ring 11. Tickets: 10 Euro (erm.7). Reservierung: jewrovision@zentralratdjuden.de. Mehr Infos unter: jewrovision.com

 

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