Jewish Chamber Orchestra Munich Benjamin Brittens "Noahs Flut" in der Reithalle

Die Aufführung von "Noahs Flut" in der Reithalle. Foto: Robert Brembeck

Die Opernschule des "Jewish Chamber Orchestra Munich" zeigt "Noahs Flut" von Benjamin Britten

 

Die große Flut rauscht mit Flöten-Getöse und grummelnden Streichern heran. Bald mischt auch das Schlagwerk mit. Es ist der Höhepunkt in "Noahs Flut". Dahinter verbirgt sich ein "Chester Mirakelspiel für Stimmen, Kinderchor, Kammerensemble und Kinderorchester" nach dem biblischen Stoff, das Benjamin Britten 1957 kredenzt hat.

Auf der Premiere in der Münchner Reithalle mit dem Jewish Chamber Orchestra Munich (JCOM) unter Daniel Grossmann war die Aufregung riesig: vor allem bei den Eltern der rund 120 Schüler aus München und Umgebung. "Schauen Sie mal, da sitzt meiner im Orchester", stupste ein stolzer Vater den Kritiker an. Eine Mutter mischte sich von hinten ein: "Meine Tochter ist ein Tier." Damit meinte sie freilich eine Rolle in der Arche Noah auf der Bühne.

Kinder für Musik begeistern

In einer solchen Situation darf man bloß nichts Falsches sagen, denn: Eltern sind bekanntlich eine ganz besondere Spezies. Es gab allerdings auch gar nichts zu meckern, weil ein bleibendes Theatererlebnis geboten wurde – noch dazu verdienstvoll. Kinder für Musik begeistern Denn mit "Noahs Flut" hat das JCOM seine erste "Opernschule" realisiert. Sie richtet sich an Schüler zwischen sieben und achtzehn Jahren, die bei dem Projekt entweder singen oder musizieren oder im Team hinter den Kulissen mitmischen. Vorkenntnisse sind nicht nötig, im Gegenteil: Das große Ziel ist es, Kinder und Jugendliche mit diesem Projekt dauerhaft für die Musik und das Musizieren zu gewinnen.

Gerade deswegen wurde diese erste JCOM-Opernschule vom Bund unterstützt. Tatsächlich ist das Projekt Teil des Förderprogramms "Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland". Bei Sebastian Blumenthal hat die "musikalische Befruchtung" perfekt funktioniert. Er ist acht Jahre jung und saß jetzt bei den Celli mit im Orchester. "Das ist so richtig wow, mit der ganzen Gruppe zu spielen – vor allem wenn es laut und schnell ist. Die Flut ist super."

Für Sebastian war "Noahs Flut" der Auslöser, das Cello zu erlernen – auch wenn er schon vorher mit dem Instrument geliebäugelt hat. "Als ich drei Jahre war, hatte ich eine Kindergitarre. Die habe ich aber nicht als Gitarre benutzt, sondern wie ein Cello gespielt." Aus einer Musikerfamilie stamme er nicht, berichtet Sebastian: "Alle spielen nur Klavier, kein echtes Instrument."

Das Licht erzählt

Wie auch immer, seit Juni 2018 wurde eifrig gewerkelt und geprobt. Die Inszenierung von Natascha Ursuliak arbeitet viel mit Bewegung und Gestik, samt reduzierter Bühne von Claudia Weinhart und schlichten Kostümen von Dieter Eisenmann. In dieser allgemeinen Reduktion spielt das pointierte Lichtdesign von Thomas Wendt eine zentrale Rolle. Es strahlt nicht einfach die Szenerie aus, allen voran die drei Hauptdarsteller Felix Schnabel (Gott) sowie Noah (Christian Beutel) und dessen Frau (Freya Apffelstaedt), sondern: Das Licht erzählt, indem es etwa den befriedenden Regenbogen nach der Flut zeigt.

Wenn die Taube mit dem Olivenzweig im Schnabel zu flattern beginnt, tanzt sinnstiftend Gott dazu. Bei so viel Bibel stellt sich die Frage, wie das bei muslimischen Youngstern ankommt. "Das war überhaupt kein Problem, weder für mich noch für meine Eltern", berichtet Mahshid Koorki. Sie ist dreizehn und stammt aus dem Iran. Bei der Aufführung ist sie ein Schwan. "Ich kenne die Geschichte von Noah. Wir haben sie auch im Iran gelernt – etwas anders, aber ich konnte alles verstehen." Es gibt eben viele Berührungspunkte zwischen den Religionen. Auch das offenbart dieses vorbildliche Projekt. Wie zu hören ist, könnte es "mittelfristig" eine weitere JCOM-Opernschule geben: Gut so! 

Noch am 5. und 6. November, jeweils um 17 Uhr, Reithalle München. Karten und Infos unter: www.jcom.de

 

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