"Jetzt wird es kompliziert" Kritik zum "Tatort: Borowski und das Haus am Meer": Es könnte so einfach sein

Axel Milberg als Kommissar Borowski steht vor der von Heinrich gegründeten Schule "Arken" in einer Szene des Kieler Tatorts "Borowski und das Haus am Meer". Foto: Sandra Hoever/NDR/ARD/dpa

Borowski ist knorrig wie stets - auf die Rahmenhandlung hätte unser Kritiker beim "Tatort: Borowski und das Haus am Meer" aber gut verzichten können.

 

Achtung, Spoiler! Diese TV-Kritik gibt mehr oder weniger konkrete Hinweise auf die Handlung und den Ausgang des Luzerner "Tatort: Der Elefant im Raum". Wenn nichts verraten bekommen wollen, warten Sie mit der Lektüre des Textes bis Sie den Film gesehen haben.


Diesen eigentlich guten Kieler Tatort hätte man auch einfacher erzählen können. Die Rahmenhandlung ist überflüssig: Klaus Borowski fährt vor einem Haus vor, guckt in ein geparktes Auto, schaut wieder aufs Haus und liest laut, was da geschrieben steht: "Arken."

Das ist dänisch, heißt "Arche" – und erinnert einen sofort wieder daran, warum man damals weinend den Versuch aufgegeben hat, die dänische Sprache zu erlernen. Es klingt alles drollig, sieht geschrieben völlig anders aus, als es sich anhört, und dann weiß man bei den meisten Wörtern immer noch nicht, was sie heißen sollen.

Diese Arche an Land jedenfalls steht in Dänemark und war mal eine Schule, in der sich schlimme Dinge abgespielt haben. Dann gibt es noch "Arken", das Segelschiff. Fehlt eigentlich nur noch "Arken, der Pfefferstreuer", "Arken, das Bettwäsche-Set" und "Arken, das Familienauto", und man käme sich vor wie in der Merchandise-Hölle.

"Tatort" aus Kiel: Es ist kompliziert

"Jetzt wird es kompliziert", stellt Borowski alsbald fest, meint damit eigentlich nur die Frage, wohin man den Jungen bringen soll, den er gerade im Wald aufgegriffen hat. Aber auch als Zuschauer hängt man bald geistig in den Seilen. Dieser Kieler "Tatort: Borowski und das Haus am Meer" (Buch und Regie: Niki Stein) holt seinen Stoff aus der Nazizeit, behandelt damit einen heutigen Vater-Sohn-Konflikt, erzählt von allzu freien und bisweilen abstoßenden Erziehungsidealen und spielt immer wieder mit der Frage, was nun eigentlich wirklich ist und was nur eingebildet.

Zwischendurch geht es ein bisschen hin und her, nicht alles erschließt sich, und man denkt still bei sich: Dänisch lernen wäre einfacher gewesen. Aber Axel Milberg ist als Borowski knorrig wie stets, das ist schön. Und ganz richtig stellt er fest: "Ich bin umgeben von starken Frauen."

In der Tat sind hier starke Frauenfiguren an jeder Ecke, Almila Bagriacik als Co-Ermittlerin Mila Sahin natürlich, zudem die stolze frühere Liebe der heutigen Leiche, dann noch die Gattin des Pastors, die ihren eigenen Kopf hat – und die neue Kinderpsychologin der Polizei, die Borowski in die Quere kommt.

Und wenn dieser "Tatort" seine Zuschauer nur dazu bringt, mal wieder Urlaub in Dänemark zu machen oder doch noch die Landessprache zu lernen, dann soll es sich schon gelohnt haben, ihn gesehen zu haben.

 

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