Jetzt wird der Papst konkret Papst Franziskus will die Kirche erneuern

Papst Franziskus entwirft in einer Art „Regierungserklärung“, das Modell einer „Kirche im Aufbruch“. Darin bekräftigt er seine Forderung nach einer armen Kirche. Zugleich versucht er eine Balance zwischen römischer Tradition und Reform.

 

Rom - Papst Franziskus fordert konkrete Schritte zur Reform der katholischen Kirche. Notwendig seien eine „heilsame Dezentralisierung“ und eine stärkere Beteiligung der Gläubigen an Entscheidungsprozessen, heißt es in dem am Dienstag im Vatikan vorgestellten Apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ (Freude des Evangeliums). Grundauftrag eines jeden Christen sei die konkrete Hilfe für Arme und die Bekämpfung der Ursachen von Armut.

Franziskus verlangt auch mehr Engagement im Kampf gegen den Menschenhandel. In dem rund 180 Seiten starken Schreiben mit dem Untertitel „Über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute“ warnt das Kirchenoberhaupt zugleich vor einer Überforderung des Papstamtes. Man könne vom päpstlichen Lehramt keine endgültige oder vollständige Aussage zu allen Fragen erwarten.

Franziskus fordert die Kirche zudem auf, einen neuen positiven Stil der christlichen Verkündigung zu entwickeln. Die Menschen dürften nicht verurteilt, sondern müssten zur Freude am Glauben ermutigt werden. Mit Blick auf den Streit um den Ausschluss wiederverheirateter Geschiedener von der Eucharistie mahnt Franziskus, „die Türen der Sakramente dürften nicht aus irgendeinem beliebigen Grund geschlossen werden“. Diese Überzeugungen hätten „pastorale Konsequenzen“, welche die Kirche „mit Besonnenheit und Wagemut in Betracht ziehen“ müsse. Bislang sind wiederverheiratete Geschiedene von der Eucharistie in der katholischen Kirche ausgeschlossen. In Deutschland fordert vor allem die Diözese Freiburg eine liberalere Haltung in dieser Frage.

In seinem Apostolischen Schreiben, das anlässlich des am Sonntag zu Ende gegangenen „Jahr des Glaubens“ veröffentlicht wurde, macht Franziskus die modernen Wirtschaftssysteme mitverantwortlich für soziale Ungerechtigkeiten. Märkte ohne die nötigen Regulierungen schlössen einen Großteil der Menschheit von ihrem Recht auf Teilhabe an den Gütern der Erde aus.

Unter diesen Umständen lindere auch wirtschaftliches Wachstum nicht die weltweite Armut, heißt es in dem Papier, das zugleich die Ergebnisse der Bischofssynode über Neuevangelisierung vom vergangenen Jahr zusammenfasst. Innerhalb der Kirche kritisiert Franziskus ein narzisstisches und autoritäres Elitebewusstsein.

Viele fühlten sich anderen überlegen, „weil sie bestimmte Normen einhalten oder weil sie einem gewissen katholischen Stil der Vergangenheit unerschütterlich treu sind“. Franziskus verlangt von seiner Kirche insgesamt mehr Mut. Ihm sei eine „'verbeulte' Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist“.

 

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