Jesse Eisenberg in "Die Unfassbaren" Nichts als die Wahrheit

Michael (Jesse Eisenberg) hat in einer Szene des Kinofilms "Die Unfassbaren - Now You See Me" ein paar gute Tricks drauf. Foto: Concorde Filmverleih

Bei manchen Schauspielern ist man irritiert, wie sehr sie sich im Interview von ihren Rollenbildern unterscheiden. Jesse Eisenberg aber, der spätestens seit seinem Auftritt als Mark Zuckerberg in „The Social Network“ zu den aufregendsten US-Jungstars zählt, macht auch in der Realität den Eindruck einer schnellsprechenden Intelligenzbestie. In seinem neuen Hit „Die Unfassbaren“ ist der 29-jährige New-Yorker als arroganter Magier Atlas zu sehen, der als Mitglied der „Four Horsemen“ trickreich Banken ausraubt.

 

AZ: Mr. Eisenberg, Sie sind bekannt für ihren Hang zum Independent-Kino. Was hat Sie daran gereizt, mal in einem actionlastigen Sommer-Blockbuster mitzuspielen?

JESSE EISENBERG: Genau zu dem Zeitpunkt, als man mir das Drehbuch zu „Die Unfassbaren“ geschickt hatte, spielte ich in New York am Theater einen Mann, der immer nervös und voller Selbsthass war. In „Die Unfassbaren“ sollte ich dann genau das Gegenteil davon sein, nämlich ein arroganter, selbstverliebter Bühnen-Performer. Deshalb dachte ich mir, dass diese Rolle doch eine wunderbare Therapie wäre, um mich wieder gut zu fühlen. Leider hat dieses Gefühl nicht lange angehalten, denn danach habe ich einen angsterfüllten Geschäftsmann gespielt, bei dem es mir wieder richtig schlecht ging.

Haben Sie für Ihre Magier-Rolle auch einige Zaubertricks erlernen müssen?

Klar. Ich habe auch David Copperfield getroffen, während David Kwong mir einige Kartentricks beibrachte. Aber meine Figur, die sich für den größten Zauberer der Welt hält, beherrscht auch Tricks, für die ich allein von der Physis her 25 Jahre gebraucht hätte, um sie zu erlernen.

Benutzen Sie Ihre Tricks auch, um Frauen zu beeindrucken?

Dafür beherrsche ich nicht genügend Zaubereien. Aber natürlich ist Magie beeindruckend, wenn auch ein wenig hinterlistig. Denn irgendwo belügt man damit ja auch seine Zuschauer. Und ich weiß nicht, ob Frauen es gern haben, belogen zu werden. Alle, die ich bisher getroffen habe, wollten jedenfalls die Wahrheit hören. Und auch wenn du ihnen die Wahrheit erzählst, denken sie, dass du lügst.

Für einen Actionfilm wie „Die Unfassbaren“ ist es ungewöhnlich, dass so viele Charakterdarsteller zu sehen sind. Wie kam es dazu?

Ich war der erste Schauspieler, den Regisseur Louis Leterrier für den Film haben wollte. Dann hat er mir erzählt, was für Stars er sich für die Rollen vorstellen könnte und ich habe ihm gesagt: ,Wenn du sie bekommst, bin ich dabei!' Da hat er mich alle paar Wochen angerufen, um mir zu sagen, wer jetzt alles mitmacht. Dieses Ensemble an Charakterdarstellern hat dann zu einer ganz anderen Stimmung am Set geführt. Ich dachte mir nämlich, dass es ganz schön langweilig werden könnte, wenn man den ganzen Tag herumrennt und über Mauern springt. Aber mit den besten Schauspielern der Welt fühlt es sich so an, als würde man auch das wirklich spielen.

Besteht darin auch ein Trend, dass man im Blockbuster-Kino Hollywoods jetzt häufiger auf renommierte Darsteller setzt?

Dazu kann ich leider nichts sagen, denn ich sehe mir weder meine eigenen noch andere Kinofilme an. Auch weiß ich nicht, was gerade gedreht wird. Und ich besitze keinen Fernseher. Aber in diesem Fall war es eine tolle Sache, dass den Produzenten die Besetzung trotz eines an sich schon spannenden Plots so wichtig war. So nahm man uns ernst, und wir durften viele Szenen wiederholen und auch improvisieren.

Sie sagen, dass Sie keine Medien nutzen. Was machen Sie denn in Ihrer Freizeit?

Ich schreibe sehr viel Theaterstücke und humoristische Kurzgeschichten für das New York Magazine. Gerade trat ich zum Beispiel in meinem Off-Broadway-Stück „The Revisionist“ an der Seite von Vanessa Redgrave auf. Nur auf Film-Drehbücher habe ich keine Lust, denn da fehlt mir die Kontrolle. Die werden im Nachhinein immer wieder verändert und umgeschrieben.

Ihre bekannteste Rolle ist doch Ihr Porträt von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Nutzen Sie soziale Netzwerke, um sich mit Ihren Fans auszutauschen?

Nein, weil ich als Schauspieler ohnehin schon genug in der Öffentlichkeit stehe. Deswegen will ich auch nicht nach Hause gehen, um auf Twitter oder ähnlichen Plattformen über mich zu sprechen. Ich mag einfach nicht, dass fremde Menschen etwas über mein Privatleben wissen.

Sie spielen häufig diese schnell sprechenden, leicht nerdigen, aber hochintelligenten Außenseiterfiguren. Haben Sie Bedenken, auf diesen Typus festgelegt zu werden?

Im Gegenteil. Ich würde gerne ständig so intensive, hochspannende Figuren wie Mark Zuckerberg spielen dürfen. Leider sind die meisten Rollenangebote sehr eindimensional und uninteressant.

Die Magier im Film handeln nicht des Geldes wegen. Was treibt Sie persönlich an?

In „Die Unfassbaren“ bestehlen die Zauberer korrupte Geschäftsleute, um ihre Beute dann denjenigen zu geben, die betrogen wurden. So wie eine Magier-Version von Robin Hood. Ich wiederum fühle mich als Schauspieler als wäre ich der Sheriff von Nottingham.

 

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