Janukowitsch, Klitschko und Co. Ukraine: Das sind die politischen Akteure

Haben sich in der Opposition verbündet: Vitali Klitschko (li.) und Arsenij Jazenjuk (re.), hier bei Kanzlerin Angela Merkel. Foto: dpa

Warum Wladimir Klitschko im Westen überschätzt wird und welche Rolle die Rechtsradikalen im Konflikt spielen.

 

Kiew - Die politische Lage in der Ukraine ist unübersichtlich. Wer sind die wichtigsten Akteure in der Ukraine? Die AZ stellt sie vor.

Viktor Fedorowitsch Janukowitsch.

Auf den Präsidenten konzentriert sich der Volkszorn. Der 63-jährige Chef der „Partei der Regionen“ war zweimal Premier, seit 2010 ist er Präsident. Als seine beiden Kontrahenten Julia Timoschenko und Viktor Juschtschenko sich mit ihrer Fehde gegenseitig lahmlegten, nutzte Janukowitsch die Chance für seinen eigenen Aufstieg. Sein Präsidentenamt nutzte er dann für den Rachefeldzug gegen Timoschenko.

Er gilt als Marionette Moskaus, ist Präsident Putin treu ergeben – der wiederum lässt ihn durchaus spüren, dass er ihn nur für einen austauschbaren Vasallen hält. Putin lässt ihn gerne mal mehrere Stunden warten. Janukowitsch ist in einfachen Verhältnissen bei Doneszk aufgewachsen. Als Jugendlicher saß er zweimal in Haft, wegen Diebstahls und Körperverletzung. Im letzten Wahlkampf hat der studierte Maschinenbauer einen Imageberater aus den USA engagiert, der sein ungehobeltes Auftreten glätten sollte.

Gleichzeitig ist der Autokrat wegen seines luxuriösen Lebensstils verschrieen. Seine Söhne Olexandr und Viktor Jr. kamen unter seiner Präsidentschaft zu undurchsichtigem Reichtum als Firmenbosse.

Vitali Wladimirowitsch Klitschko.

Er ist für den Westen das Gesicht der Opposition, hat aber real wenig Einfluss. Der promovierte Sportwissenschaftler und Schwergewichts-Boxer hat als Sohn eines sowjetischen Militärs schon als Kind viel im Ausland gelebt. Seine Muttersprache ist russisch, sein ukrainisch holprig. Er hat eine Zweitwohnung in Hamburg. Der 42-Jährige wird als „der Ausländer“ wahrgenommen.

Das ist einerseits ein Vorteil, weil er als von Korruption unbelastet gilt und sein Geld ehrlich verdient hat. Andererseits besteht das Programm seiner Partei Udar (Schlag) faktisch nur aus seiner Person. Mit unerfüllbaren Maximalforderungen an das Regime Janukowitsch hat er die Menschen einmal zu oft enttäuscht. „Kaum einer nimmt ihn ernst“, sagt die gebürtige Ukrainerin und Piraten-Politikerin Marina Weisband.

Arsenij Petrowitsch Jazenjuk.

Neben dem imposanten Zwei-Meter-Klitschko wirkt der glatzköpfige Banker mit Brille unscheinbar und spröde. Rhetorisch ist der Fraktionschef von Julia Timoschenkos „Vaterlandspartei“ Klitschko allerdings überlegen. Der 39-jährige gelernte Banker aus Czernowitz gilt als Intellektueller, er war einst Notenbankchef der Ukraine, auch schon mal Wirtschafts- und Außenminister. Er gilt deshalb als Teil des politischen Establishments, und diesem misstrauen die Ukrainer nach Jahrzehnten von Korruption und Misswirtschaft generell.

Unklar ist, was mit ihm passiert, sollte die charismatische Julia Timoschenko einmal aus dem Gefängnis entlassen werden. Ob er dann einfach zurücktritt ins zweite Glied? Für die USA gilt er aber als bester Mann für die Ukraine der Zukunft.

Oleg Jaroslawowitsch Tjagnibok.

Er teilt sich die Bühne derzeit mit Klitschko und Jazenjuk, hat mit ihnen aber wenig gemeinsam: Der Chef der rechtsnationalen „Swoboda“-Partei macht mit derben antirussischen und antisemitischen Parolen von sich reden. Tjagnibok kommt aus dem westukrainischen Lemberg. Der Familienvater ist Chirurg und Jurist – doch von seiner Bildung merkt man nicht viel, wenn er sich bei seinen Hetzreden auf dem Maidan heiser schreit.

Neben der „Swoboda“-Partei mischt auf dem Maidan ein relativ unüberschaubares rechtes Lager mit. Es besteht einerseits aus der radikalen rechten Splittergruppe „Spilna Sprawa“ (gerechte Sache), unter deren Federführung staatliche Gebäude und Behörden besetzt wurden. Anführer Alexander Daniljuk hat sich allerdings inzwischen aus Angst vor der Justiz nach Großbritannien abgesetzt.

Völlig ohne Anführer operiert dagegen der paramilitärische „Rechte Sektor“. Er besteht zum Teil aus Fußball-Hooligans, will weder die Anbindung an die EU noch an Russland, sondern eine selbstständige Ukraine. Die Rechten machen zwar nicht den größten Teil der Demonstranten aus – aber sie sind militant, gewalttätig und immer schwerer zu kontrollieren. Und auf die politischen Oppositionsführer hören sie genausowenig wie auf Janukowitsch.

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