Jan Benda Die Sechs-Wochen-Legende

Vor 16 Jahren gewann Jan Benda mit Hedos die Meisterschaft. Jetzt kehrt der Weltreisende in Sachen Eishockey zurück nach München: „Hier hat es mir am besten gefallen”. Foto: Thomas Deterding

Vor 16 Jahren gewann Jan Benda mit Hedos die Meisterschaft. Jetzt kehrt der Weltreisende in Sachen Eishockey zurück nach München: „Hier hat es mir am besten gefallen”.

 

AZ: Herr Benda, willkommen zurück in München, dort wo Sie bereits 1994 mit Hedos den Titel holten. Jetzt haben Sie für sechs Wochen beim EHC München angeheuert.

JAN BENDA: Danke, es ist toll, wieder hier zu sein. Wenn ich in den letzten Jahren gefragt wurde, wo es mir in meiner Karriere am besten gefallen hat, habe ich immer gesagt: Am schönsten war es in München. Ich habe dort den Titel geholt – der Beginn meiner internationalen Karriere. Jetzt schließt sich der Kreis.

Wieso lässt Nürnberg Sie weg?

Als Peter Draisaitl dort Trainer wurde, habe ich keine Rolle mehr gespielt. Deswegen bin ich umso glücklicher, dass München mich wollte. Es ging ganz schnell: Dienstagfrüh wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, beim EHC zu spielen. Und am Abend war alles unter Dach und Fach.

Sie treffen am Freitag auf Uwe Krupp: Der jetzige Sportdirektor der Kölner Haie servierte Sie 2006 in der Nationalmannschaft ab.

Es war unter der Gürtellinie, wie das gelaufen ist. Ich bin nicht nachtragend. Aber ich würde mich sicher freuen, wenn wir die Haie schlagen.

Ein anderes Highlight steht auch an – im Dezember spielt der EHC in der Olympiahalle gegen Augsburg. Sie haben mit Hedos bereits Spiele in der ausverkauften Olympiahalle erlebt.

Ja, das ist unvergesslich. Die Stimmung war einzigartig, das wird gegen Augsburg nicht anders werden. Wer das verpasst, ist selber schuld.
Sie spielten von Nordamerika über Skandinavien, Tschechien, auch in Russland.

Dort haben Sie einschneidende Erlebnisse gehabt.

Nirgendwo waren die Gegensätze von arm und reich größer. Die Russen zeigen ja gerne, wenn sie Geld haben, da haben die neureichen Millionäre wirklich Geld verbrannt. Auf der anderen Seite gab es gleich um die Ecke Obdachlose, die gar nichts hatten. Ich erinnere mich noch an einen Abend, da habe ich einem Geld für etwas zu essen gegeben. Am nächsten Morgen bin ich an der gleichen Stelle vorbei und dieser Mensch war erfroren. Es hat sich keiner drum gekümmert.

Sie wurden auch in der Kabine mal von einem Klubinhaber mit dem Tode bedroht.

Ja, der Provinzgouverneur, ein alter General, dem der Klub gehört, hatte seine mit Maschinenpistolen bewaffneten Bodyguards in die Kabine mitgebracht und rumgebrüllt: Dass er uns befohlen habe, zu siegen. Und wer seine Befehle nicht befolgt, werde abgeknallt. Das nächste Spiel haben wir wieder gewonnen.

Sie waren auch besonders betroffen, als der deutsche Nationalspieler Robert Dietrich zusammen bei einem Flugzeugabsturz mit der Mannschaft von Jaroslawl im September ums Leben kam.

Das war eine Tragödie für mich, ich kannte 80 Prozent der Spieler sehr gut. Mit welchen Maschinen man dort fliegt, kann sich hier keiner vorstellen. Einmal habe ich mich geweigert. Der Fahrer, der unser Gepäck zum Flugzeug gebracht hatte, war betrunken und hatte den Flügel angefahren. Als wir ankamen, flickte der Pilot den gebrochenen Flügel mit Isolierband:Er meinte, für den kurzen Flug, 1000 Kilometer, wäre das kein Problem. Da haben wir uns geweigert, einzusteigen.

Das wird Ihnen in München nicht passieren.

Genau. Ich bin echt wieder froh, hier zu sein.

 

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