Jahresbilanz Joe Kaeser: Siemens-Chef ohne Schonfrist

Geht es mit Siemens wieder nach oben? Konzern-Chef Joe Kaeser präsentiert morgen die Jahresbilanz. Foto: dpa
 

Der neue Siemens-Chef Joe Kaeser muss nach knapp 100 Tagen seine erste Bilanz ziehen. Die Erwartungen an ihn sind hoch.

München - Am Donnerstag endet für den neuen Siemens-Chef Joe Kaeser eine Schonfrist, die es eigentlich nie gegeben hat. Er präsentiert zum ersten Mal die Jahresbilanz des Konzerns – nach knapp 100 Tagen im Amt. Weil Kaeser aber als langjähriger Finanzvorstand das Unternehmen bestens kennt, erwarten viele von ihm eine genaue Marschrichtung für die Zukunft. Denn die braucht der gebeutelte Konzern dringend.

Vor allem muss Siemens wieder Anschluss an seine Rivalen wie General Electrics und Philips finden. „Wir haben in den letzten Jahren gegenüber unseren Wettbewerbern in diesem Punkt viel Boden verloren; den gilt es wieder gutzumachen“, gibt Kaeser in der hauseigenen Zeitung zu. Jetzt sollen schwächelnde Geschäftsfelder wieder fit gemacht werden, anstatt sie zu verscheuern.

So könnte der Verkauf der Wasser-Sparte, die laut „Handelsblatt“ am Mittwoch perfekt gemacht werden soll, eine der letzten Ausverkäufe sein. „Wir wollen und werden Geschäfte nicht einfach so abgeben, nur weil sie nicht gut laufen. Wir müssen auch wieder Dinge selbst in Ordnung bringen“, sagt Kaeser. Die Zerschlagung des Sektors „Infrastruktur und Städte“ scheint damit vom Tisch. So ein Schritt habe für ihn „keine Priorität“, behauptet der Siemens-Chef.

Von den Kapitalmärkten bekam Kaeser Vorschusslorbeeren. Der Kurs der Siemens-Aktie ist stetig gestiegen seit er im Chefsessel sitzt. Das freut die Aktionäre, doch bei den Altlasten muss er jetzt liefern. Als Ex-Finanzvorstand hat er an verfehlten Gewinnprognosen mitgerechnet. Den schwarzen Peter seinem Vorgänger Peter Löscher in die Schuhe zu schieben, geht also nicht.

Geerbt hat Kaeser viele Dauerbaustellen: etwa die Verzögerungen bei der Anbindung von Nordsee-Windparks und die verspätete Auslieferung der neuen ICE-Züge. Ein Ziel hat Kaeser schon mal verpasst: schnell Ruhe zu schaffen. Die Ankündigung eines Milliarden-Sparprogramms an einem Sonntagmittag entfachte Kritik - obwohl die Maßnahmen mit den Arbeitnehmervertretern eigentlich weitgehend eingetütet gewesen sein sollten.

Dazu kamen neue interne Querelen, wie der Abgang von Personalchefin Brigitte Ederer und die Gehaltsaffäre um Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler. Großes Lob darf sich Kaeser morgen also nicht erwarten. Er wird an seinen Reformplänen gemessen werden - die dann auch über seine eigene Zukunft als Siemens-Chef entscheiden.

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