Italien Albarella, ganz unter uns

Die italienische Insel Albarella von Norden aus gesehen, links der Strand, der Zipfel unten im Bild gehört zur — öffentlichen — Nachbarinsel Rosolina Mare. Foto: Albarella

Albarella ist gut fünf Quadratkilometer groß — halb so groß wie Capri — und äußerst beschaulich. Ein Feriendorf, familiär. Radfahrer haben Vorfahrt, dürfen sogar verkehrt herum durch die vielen Einbahnstraßen fahren, erklärt Sante Casini vom italienischen Stahlkonzern Marcegaglia den verunsicherten Urlaubern. Marcegaglia gehört die Insel, und Casini ist zuständig dafür, dass es auf Albarella läuft. „Wenn eine Straßenlaterne kaputtgeht, kommt nach einer halben Stunde jemand, der sie repariert. Anderswo in Italien dauert das ein halbes Jahr“, sagt Casini, der stolz darauf ist, dass man sich hier rasch fühlt wie in einem Staat im Staate. Es gibt eine eigene Polizei und Feuerwehr, eine eigene Kläranlage.

 

Sie macht aus dem Wasser der Etsch, die nördlich von Albarella in die Adria mündet, Trinkwasser. Drei Millionen Liter Trinkwasser werden immer als Reserve bereitgehalten, so Casini, „falls mal ein Unternehmen auf die Idee kommt, Gift in die Etsch zu schütten“ — drüben in Italien, das man über einen Damm erreicht, wenn es sein muss. Nur sieben oder acht Familien wohnen dauerhaft auf Albarella. Aber im Sommer halten sich bis zu 12 000 Menschen auf dem Eiland auf. Man kann sich ein Domizil auf Albarella kaufen (rund 200 Deutsche haben das getan), oder man kann in einem der zwei Hotels wohnen oder eines der vielen Hundert Ferienhäuser mieten, die in allen Preisklassen zu haben sind. Auf jeden Fall braucht man eine Unterkunft auf Albarella, um die Insel überhaupt betreten zu können. Ansonsten heißt es an der Schranke: No! Bitte wieder umdrehen!

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Wenn man es dann dorthin geschafft hat, kann man Tennis spielen oder Golf auf einem Platz, der für internationale Turniere taugt, mit dem Bogen schießen, reiten oder einfach am Adriastrand liegen, der über zwei Kilometer lang und sauber ist und flach ins Wasser abfällt. Allerdings müssen die Feriengäste auch ein paar Regeln einhalten, damit alles so beschaulich bleibt: Wer ein Haus gekauft hat, darf es nicht vergrößern, das Auto darf nur zur An- und Abfahrt verwendet werden, und wer seine Wäsche zum Trocknen raushängt, zahlt auch ein Bußgeld, nämlich 10,33 Euro. Apropos Bunga-Bunga und Berlusconi: Dem Unternehmer und späteren italienischen Regierungschef waren das ein paar zu viel Vorschriften, als Albarella 1988 zum Verkauf stand.

Die Eigentümer rund um die Schweizer Bank Credit Suisse trennten sich seinerzeit von der Insel, wollten aber im Vertrag festhalten, dass der Käufer das naturnahe, quasi grüne Konzept weiterverfolgt. Darauf mochte sich Berlusconi nicht einlassen, und deshalb kam der Stahlunternehmer Steno Marcegaglia zum Zug. Wer heute auf Albarella Quartier nimmt und mehr sehen will als Strand und Streichelzoo, mietet sich am besten ein Fahrrad und bricht in Richtung Festland auf, ins Po-Delta. Zwischen der Etsch im Norden und den Armen des Po im Süden ist es nicht nur topfeben und deshalb auch für ungeübte Radler entspannt zu fahren, es gibt auch viel zu sehen in der Lagune: Flamingos und Reiher, schöne alte Landhäuser, Gehöfte und Pumpwerke. Oder Männer, die am Sonntag einfach so auf Entenjagd gehen.

 

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